Die DAX-Konzerne haben ihre weltweite Beschäftigung zuletzt stärker reduziert als die großen börsennotierten Unternehmen in Frankreich, Italien und Spanien. Laut dem EY-Parthenon Employment Barometer 2026 sank die Zahl der Beschäftigten bei den deutschen Top-Unternehmen um rund 47.700 beziehungsweise 1,2 Prozent auf 4,06 Millionen. Während französische Unternehmen ebenfalls leicht abbauten, legte die Beschäftigung bei italienischen und spanischen Konzernen zu.
Große DAX-Konzerne stehen besonders unter Druck
Der Stellenabbau konzentriert sich vor allem auf sehr große Unternehmen. Europaweit erhöhten kleinere Konzerne mit weniger als 25.000 Beschäftigten ihre Belegschaften um 0,7 Prozent, während Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern im Durchschnitt Personal reduzierten.
In Deutschland ist dieser Unterschied besonders ausgeprägt. 69 Prozent der kleineren DAX-Unternehmen steigerten ihre Beschäftigung, in dieser Gruppe wuchs die Mitarbeiterzahl insgesamt um 3,5 Prozent. Bei den sehr großen Konzernen mit mehr als 100.000 Beschäftigten reduzierten dagegen ebenfalls 69 Prozent ihre Belegschaften; insgesamt sank die Beschäftigung dort um 1,1 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Deutschland fällt im europäischen Vergleich zurück
Auch nach Ländern zeigt sich ein deutlicher Abstand. Die deutschen Unternehmen reduzierten ihre weltweite Beschäftigung um 1,2 Prozent, während italienische und spanische Unternehmen jeweils um 0,9 Prozent zulegten. Bei den französischen Konzernen fiel die Beschäftigung lediglich um 0,2 Prozent.
Am Heimatstandort Deutschland sank die Belegschaft der DAX-Unternehmen um ein Prozent. Im Ausland fiel der Rückgang mit 1,3 Prozent sogar noch stärker aus. EY-Parthenon führt diese Entwicklung unter anderem auf schwache Konjunktur, hohe Kosten, regulatorische Belastungen, internationalen Wettbewerbsdruck und strukturellen Transformationsbedarf zurück.
Europa verliert Beschäftigung, andere Regionen gewinnen
Über alle untersuchten Unternehmen hinweg bleibt Europa mit einem Anteil von 60 Prozent der wichtigste Beschäftigungsstandort. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten auf dem Kontinent um 1,1 Prozent. In Nordamerika stieg sie dagegen um 0,5 Prozent, in Asien-Pazifik um 0,2 Prozent.
Damit verschiebt sich die Dynamik zunehmend in andere Regionen. Nach Einschätzung von EY-Parthenon kann die Beschäftigungsentwicklung auch ein Hinweis darauf sein, wohin Investitionen und Wachstumsperspektiven künftig wandern. Europa bleibt zwar zentral, verliert aber im Vergleich zu Nordamerika und Asien an Tempo.
Branchen entwickeln sich sehr unterschiedlich
Die Beschäftigungstrends unterscheiden sich stark nach Sektoren. Von 19 untersuchten Branchen verzeichneten zehn einen Zuwachs. Besonders kräftig wuchs die Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie mit einem Plus von 4,3 Prozent. Auch Kapitalgüterhersteller und IT-Unternehmen entwickelten sich positiv.
Deutlich schwächer schnitten Konsumgüterunternehmen und Pharma- beziehungsweise Life-Sciences-Konzerne ab. Dort sank die Beschäftigung um 4,5 beziehungsweise 4,0 Prozent. In der Automobilindustrie zeigt sich zudem eine Verschiebung: Am Heimatstandort ging die Beschäftigung um rund vier Prozent zurück, im Ausland stieg sie dagegen um etwa ein Prozent.
KI dürfte den Strukturwandel zusätzlich beschleunigen
EY-Parthenon erwartet, dass viele Restrukturierungsprogramme erst mit Verzögerung vollständig in den Beschäftigungszahlen sichtbar werden. Zusätzlich könnten ab 2027 und 2028 die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz deutlicher hervortreten, wenn Unternehmen vom Pilotbetrieb in die breite Anwendung wechseln.
Betroffen wären dann nicht nur klassische Verwaltungsfunktionen, sondern auch Forschung, Entwicklung, Engineering, Kundenservice, Einkauf, Supply Chain und Produktionsplanung. Damit verschiebt sich die Debatte vom reinen Stellenabbau hin zu einer umfassenderen Veränderung von Prozessen, Rollenprofilen und Organisationsstrukturen.






