Die deutschen Weinexporte haben sich 2025 insgesamt stabil entwickelt, zeigen jedoch deutliche Verschiebungen zwischen einzelnen Märkten. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) stieg die weltweit exportierte Menge deutscher Weine im vergangenen Jahr um ein Prozent. Gleichzeitig sank jedoch der Gesamtwert der Ausfuhren um zwei Prozent auf rund 377 Millionen Euro.
Qualitätsweine stabilisieren das Exportgeschäft
Einen wichtigen Beitrag zur Stabilität lieferten weiterhin deutsche Qualitätsweine. Sie machten rund 71 Prozent der gesamten Exportmenge von etwa 1,2 Millionen Hektolitern aus. In diesem Segment konnten die Exporteure sogar leichte Zuwächse erzielen: Die exportierte Menge legte um drei Prozent zu, während der Wert der Ausfuhren nahezu unverändert blieb.
Die Entwicklung zeigt, dass hochwertige deutsche Weine im internationalen Wettbewerb weiterhin gefragt sind – auch wenn sich die Absatzmärkte zunehmend verändern.
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USA verlieren deutlich an Bedeutung
Besonders stark belastet wurde die Exportbilanz durch einen Einbruch im wichtigsten bisherigen Absatzmarkt, den Vereinigten Staaten. Dort gingen die Lieferungen um elf Prozent auf rund 118.000 Hektoliter zurück.
Als Hauptursache gelten Strafzölle, die den Absatz erschweren. Zusätzlich mussten deutsche Anbieter ihre Preise senken. Der durchschnittliche Ab-Hof-Preis sank um 41 Cent auf 4,43 Euro pro Liter. Entsprechend deutlich fiel der Rückgang beim Exportwert aus: Mit 51 Millionen Euro lag dieser rund 19 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Neue Märkte gewinnen an Gewicht
Angesichts der Unsicherheit auf dem US-Markt suchen viele deutsche Weinerzeuger verstärkt nach alternativen Absatzregionen. Besonders positiv entwickelten sich zuletzt die skandinavischen Länder, Polen sowie China.
Die drei nordischen Märkte Norwegen, Schweden und Finnland erreichen zusammen bereits ein Exportvolumen von rund 211.000 Litern im Wert von etwa 71 Millionen Euro und liegen damit inzwischen deutlich vor den Vereinigten Staaten.
Norwegen behauptete sich 2025 als zweitwichtigster Einzelmarkt für deutsche Weine. Die exportierte Menge stieg dort um vier Prozent, während der Wert stabil blieb. Mit einem durchschnittlichen Literpreis von 4,77 Euro erzielen deutsche Weine in Norwegen zudem überdurchschnittlich hohe Erlöse.
Schweden entwickelt sich besonders dynamisch
Auch in Schweden konnten deutsche Weine deutlich zulegen – und das trotz eines insgesamt rückläufigen Weinkonsums im Land. Die Exportmenge stieg dort um 32 Prozent, der Exportwert sogar um 44 Prozent.
Deutschland ist inzwischen der zweitgrößte Anbieter im Segment der Weißweine und erreicht einen Umsatzmarktanteil von rund 14 Prozent. Neben klassischen Weißweinen gewinnen auch deutsche Roséweine und Sekte zunehmend an Beliebtheit.
Polen rückt auf Platz drei der Exportmärkte
Ein besonders dynamisches Wachstum zeigt der polnische Markt. Zwischen 2020 und 2025 haben sich die deutschen Weinexporte nach Polen verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden rund 142.000 Hektoliter im Wert von etwa 31 Millionen Euro exportiert.
Damit ist Polen vom achten Platz inzwischen auf Rang drei der wichtigsten Exportmärkte für deutsche Weine aufgestiegen.
China entdeckt deutschen Riesling
Auch in China entwickeln sich die Exportzahlen positiv. Mit rund 50.000 Hektolitern erreichten die Importe deutscher Weine dort 2025 einen neuen Höchstwert.
Während der Konsum von Rotwein im Land zurückgeht, wächst die Nachfrage nach leichteren Weißweinen. Besonders Riesling gewinnt bei jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten an Popularität. Dieser Trend könnte deutschen Produzenten künftig zusätzliche Chancen auf dem chinesischen Markt eröffnen.
Weißweintrend spielt deutschen Winzern in die Karten
Nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts profitieren deutsche Erzeuger aktuell von einem globalen Wandel im Konsumverhalten. International steigt die Nachfrage nach leichteren und frischeren Weinen, insbesondere Weißweinen.
Da rund zwei Drittel der deutschen Rebflächen mit weißen Rebsorten bestockt sind, sehen Branchenvertreter hier einen strukturellen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig engagieren sich immer mehr Betriebe im Export, um Absatzrückgänge auf dem heimischen Markt auszugleichen.


