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Defizit steigt: Staatsausgaben wachsen doppelt so schnell wie Einnahmen

Reichstag in Berlin mit Deutschland Flagge
Foto: Ingo Joseph / Pexels

Key takeaways

Sozialleistungen, Investitionszuschüsse und Zinskosten belasten die öffentlichen Haushalte erheblich. Während die Einnahmen im 1. Halbjahr um 2,8 Prozent zulegten, erhöhten sich die Ausgaben mit 6,1 Prozent deutlich stärker.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Das deutsche Staatsdefizit ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung gaben zusammen 71,3 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnahmen. Damit fiel das Finanzierungsdefizit nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 36,6 Milliarden Euro höher aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt erreichte die Defizitquote 3,1 Prozent. Sie lag damit knapp oberhalb des Maastricht-Referenzwertes von 3 Prozent. Destatis weist allerdings darauf hin, dass aus den Zahlen für die erste Jahreshälfte nur eingeschränkt auf das Ergebnis des Gesamtjahres geschlossen werden kann.

Bund verantwortet größten Teil des höheren Defizits

Den größten Anteil am gesamtstaatlichen Fehlbetrag hatte der Bund. Sein Finanzierungsdefizit erreichte im ersten Halbjahr 48,1 Milliarden Euro und lag damit 29 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert. Ausschlaggebend war, dass die Ausgaben stärker zunahmen als die Einnahmen.

Auch die Länder verschlechterten ihren Finanzierungssaldo. Ihr Defizit stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,5 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro. Die Gemeinden entwickelten sich dagegen etwas günstiger und reduzierten ihren Fehlbetrag um 1,5 Milliarden auf 14,8 Milliarden Euro.

Eine deutliche Verschlechterung zeigte sich bei der Sozialversicherung. Nach einem Überschuss von 3,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025 entstand ein Jahr später ein Defizit von 1,8 Milliarden Euro. Destatis führt dies insbesondere auf höhere Ausgaben der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zurück.

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Staatseinnahmen überschreiten eine Billion Euro

Die gesamtstaatlichen Einnahmen erreichten in den ersten sechs Monaten 1.073,2 Milliarden Euro und lagen damit 2,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders kräftig entwickelten sich die Sozialbeiträge, die um 4,6 Prozent zunahmen.

Die laufenden Steuereinnahmen erhöhten sich dagegen lediglich um 1,9 Prozent. Bei der Mehrwertsteuer betrug der Zuwachs 2,6 Prozent. Einen gegenläufigen Effekt verursachte die Erbschaftsteuer: Nach außergewöhnlich hohen Einnahmen im ersten Halbjahr 2025 sank das Aufkommen um 30,4 Prozent beziehungsweise 2,7 Milliarden auf 6,1 Milliarden Euro.

Damit verzeichnete der Staat zwar steigende Einnahmen, diese konnten mit der Entwicklung auf der Ausgabenseite jedoch nicht Schritt halten. Genau diese Differenz erklärt den kräftigen Anstieg des Finanzierungsdefizits.

Sozialausgaben und Zuschüsse treiben die Ausgaben

Die staatlichen Ausgaben erhöhten sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 6,1 Prozent auf 1.144,5 Milliarden Euro. Damit wuchsen sie mehr als doppelt so schnell wie die Einnahmen. Die monetären Sozialleistungen stiegen um 5,2 Prozent auf 389 Milliarden Euro, die sozialen Sachleistungen sogar um 8,2 Prozent auf 222,5 Milliarden Euro.

Deutliche Zuwächse gab es außerdem bei Subventionen und Investitionszuschüssen. Die Subventionen erhöhten sich um 10,1 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro. Bundesmittel flossen unter anderem in Forschung zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen und zur Batterietechnologie sowie in einen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten.

Die Investitionszuschüsse wuchsen um 19,8 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro. Nach Angaben von Destatis spielten dabei insbesondere Ausgaben aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie höhere Zahlungen an multilaterale Entwicklungsbanken eine Rolle.

Zinskosten legen zweistellig zu

Zusätzlichen Druck auf die Staatsfinanzen erzeugten höhere Finanzierungskosten. Die Zinsausgaben erreichten im ersten Halbjahr 27,3 Milliarden Euro und lagen damit 11,6 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert.

Auch die übrigen laufenden Transfers erhöhten sich kräftig. Sie stiegen um 11,8 Prozent auf 47,4 Milliarden Euro. In dieser Position schlägt sich unter anderem die 2026 eingeführte Förderung von Elektroautos nieder.

Die Zahlen zeigen damit eine breit angelegte Ausgabendynamik. Nicht ein einzelner Posten, sondern höhere Sozialleistungen, Förderprogramme, Investitionszuschüsse, Transfers und Zinsen tragen dazu bei, dass die staatlichen Aufwendungen erheblich schneller steigen als die Einnahmen.

Defizitquote liegt knapp über Maastricht-Marke

Mit einer Quote von 3,1 Prozent überschreitet das Defizit im ersten Halbjahr rechnerisch den im Maastricht-Vertrag verankerten Referenzwert. Die vorliegenden Halbjahreszahlen sind jedoch nicht mit einer endgültigen Bewertung der deutschen Haushaltslage für 2026 gleichzusetzen.

Die Statistik folgt zudem der Abgrenzung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen und unterscheidet sich deshalb vom Finanzierungssaldo des Öffentlichen Gesamthaushalts in der Finanzstatistik. Für die europäische Überwachung der öffentlichen Haushalte ist jedoch gerade diese volkswirtschaftliche Abgrenzung maßgeblich.

Die Entwicklung verdeutlicht vor allem die wachsende Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Während die staatlichen Einnahmen um 2,8 Prozent zulegten, erhöhten sich die Ausgaben um 6,1 Prozent. Ob sich diese Lücke im weiteren Jahresverlauf wieder verkleinert, wird entscheidend dafür sein, wie Deutschland das Haushaltsjahr 2026 abschließt.

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