Der Einzelhandel in Europa steht an einem kritischen Wendepunkt. Die Digitalisierung ist nicht länger ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Überlebensstrategie. In einer neuen Studie (PDF) analysiert Zühlke den digitalen Reifegrad von 100 führenden Handelsunternehmen in Europa – mit einem eindeutigen Ergebnis: Wer heute nicht handelt, riskiert in naher Zukunft das wirtschaftliche Aus.
Digitalisierung entscheidet über Wachstum und Rentabilität
Digitale Vorreiter verzeichneten zwischen 2019 und 2024 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 8,6 % – fast doppelt so viel wie Nachzügler. Noch gravierender zeigt sich der Unterschied bei den Gewinnen: Während digital starke Händler ihre Vorsteuergewinne um 47 % steigerten, verbuchten weniger agile Wettbewerber ein Minus von 13 %. Diese Lücke hat sich über alle Geschäftsmodelle hinweg vergrößert. Ob reine Online-Anbieter, Omnichannel-Player oder stationäre Händler: Digitale Reife wirkt sich direkt auf Skalierung, Effizienz und Resilienz aus.
Besonders erfolgreich sind jene Handelsunternehmen, die moderne IT-Architekturen einsetzen, datenbasierte Entscheidungen treffen und KI in den operativen Betrieb integrieren. Omnichannel-Anbieter etwa behaupten ihre Profitabilität mit stabilen Margen um die 5 %, während viele reine Online-Anbieter zunehmend ins Minus rutschen. Die Fähigkeit, Fulfilment, Preisanpassung und Kundenservice digital zu synchronisieren, wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Umsetzung ist der Engpass, nicht die Strategie
Der Wille zur digitalen Transformation ist bei vielen Unternehmen vorhanden, doch die Umsetzung bleibt eine Herausforderung. 77 % streben eine flexible, API-basierte Plattformarchitektur an – realisiert haben sie bisher nur 33 %. Silostrukturen, Fachkräftemangel und technische Altlasten bremsen die Modernisierung. Die Konsequenz: Ambitionierte Strategien führen nicht zur notwendigen Wirkung im operativen Geschäft.
Digitale Vorreiter wie Next, Sainsbury’s, Lidl, Co-op und IKEA zeigen jedoch, dass sich Investitionen in modulare Infrastrukturen, Datenkompetenz und KI-Anwendungen lohnen. Sie setzen auf agile Prozesse, starke Technologiepartner und eine durchgehende Kundenorientierung. Gleichzeitig investieren sie in digitale Kompetenzen der Mitarbeitenden – IKEA etwa will weltweit 70.000 Beschäftigte im verantwortungsvollen Umgang mit KI schulen.
Die Studie von Zühlke nennt acht zentrale Handlungsfelder, um digitale Reife gezielt zu steigern – von Plattformmodernisierung bis hin zur Integration von Nachhaltigkeit und Datenschutz in die Technologieplanung. Entscheidend bleibt dabei die Fähigkeit, schnell zu handeln und Innovationen nicht nur zu testen, sondern flächendeckend umzusetzen.


