Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich 2026 besser als noch im Frühsommer erwartet. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hebt seine Wachstumsprognose auf 1,2 Prozent an. Für 2027 erwartet das DIW ein Plus von 1,0 Prozent, für 2028 nur noch 0,7 Prozent.
Ausschlaggebend für die bessere Einschätzung sind vor allem überraschend starke Exporte und ein schwächer als zunächst befürchteter Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs. Die Erholung bleibt nach Einschätzung der Ökonomen dennoch anfällig, da hohe Gaspreise, strukturelle Industrieprobleme und eine schwache private Nachfrage die Konjunktur belasten.
Exporte treiben das zweite Quartal
Nach einem kräftigen Jahresauftakt wuchs die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Die Exporte legten um 2,0 Prozent zu, wobei insbesondere Mineralölerzeugnisse und chemische Vorprodukte gefragt waren. Nach Einschätzung des DIW dürften dabei auch Vorzieheffekte aufgrund der Unsicherheit an den Energiemärkten eine Rolle gespielt haben.
Zusätzliche Impulse kamen von Herstellern von Datenverarbeitungs- und Elektronikprodukten. Sie profitierten vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz.
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Private Nachfrage bleibt Schwachstelle
Während der Außenhandel stützte, entwickelte sich die Binnennachfrage verhalten. Der private Konsum nahm lediglich um 0,1 Prozent zu. Hohe Sparquoten, eine schwache Einkommensentwicklung und die angespannte Lage am Arbeitsmarkt begrenzen die Konsumbereitschaft.
Auch die privaten Investitionen bleiben nach Einschätzung des DIW zu schwach. Für 2026 erwartet das Institut eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent und einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,7 Prozent.
Staat trägt großen Teil des Wachstums
Wesentliche Wachstumsimpulse kommen von der öffentlichen Hand. Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums 2026 führt das DIW auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück. Neben höheren Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente spielen Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen eine wichtige Rolle.
Damit bleibt die Erholung stark von staatlicher Nachfrage abhängig. Private Investitionen reichen aus Sicht des Instituts bislang nicht aus, um Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft nachhaltig zu stärken.
Energiepreise bremsen im zweiten Halbjahr
Für das dritte Quartal erwartet das DIW eine stagnierende Wirtschaftsleistung. Hohe Energiepreise und Niedrigwasser auf wichtigen Transportwegen treffen insbesondere energieintensive Branchen wie Chemie und Metallindustrie.
Ein besonderes Risiko bleiben die Gaspreise im bevorstehenden Winterhalbjahr. Gleichzeitig könnten eine weitere Eskalation im Nahen Osten oder neue internationale Handelskonflikte die Erholung zusätzlich belasten.
Weltwirtschaft bleibt trotz Risiken robust
Für die Weltwirtschaft prognostiziert das DIW sowohl 2026 als auch 2027 ein Wachstum von 3,2 Prozent. 2028 soll die globale Wirtschaftsleistung um 3,4 Prozent zulegen. Unterstützung liefern unter anderem Investitionen in KI-Infrastruktur und steigende Verteidigungsausgaben.
Die Risiken bleiben allerdings erheblich. Neben einer möglichen Verschärfung des Iran-Kriegs nennt das DIW eine Abschwächung des weltweiten KI-Investitionsbooms als Gefahr. Besonders technologieorientierte Volkswirtschaften könnten davon betroffen sein.






