Der niedersächsische Polstermöbelanbieter DOMO Collection GmbH ist insolvent. Das Amtsgericht Oldenburg ordnete am 3. August 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung an und bestellte Rechtsanwalt Dr. Christian Kaufmann von PLUTA zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten soll der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden, wie PLUTA in einem Pressestatement mitteilt.
Von dem Verfahren betroffen ist auch die polnische Produktionsgesellschaft Oflor Sp. z o.o. mit rund 245 Beschäftigten. Zusammen mit den 24 Mitarbeitern am deutschen Unternehmenssitz hängen damit knapp 270 Arbeitsplätze an einer erfolgreichen Stabilisierung der beiden Gesellschaften.
Schwächere Umsätze führen zu Liquiditätsproblemen
Als Ursache für den Insolvenzantrag werden Liquiditätsschwierigkeiten infolge einer hinter den Erwartungen gebliebenen Umsatzentwicklung genannt. DOMO verweist dabei insbesondere auf die anhaltende Konsumzurückhaltung in Deutschland.
Zusätzlich belastet das saisonal schwächere Sommergeschäft die Liquidität. In den vergangenen Jahren konnte dieser Zeitraum nach Unternehmensangaben durch eine entsprechende Finanzierung überbrückt werden. Für die aktuelle Saison gelang es jedoch nicht, eine solche Lösung zu realisieren.
Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten oder zum aktuellen Jahresumsatz liegen bislang nicht vor.
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Löhne in Deutschland bis Ende September abgesichert
Am Unternehmenssitz in Hude beschäftigt DOMO Collection 24 Mitarbeiter. Ihre Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis Ende September 2026 abgesichert. Eine Insolvenzgeldvorfinanzierung soll gewährleisten, dass die Zahlungen weiterhin zu den üblichen Terminen erfolgen können.
Die Belegschaft wurde bereits über die Situation informiert. Zum Sanierungsteam von PLUTA gehören neben Kaufmann Rechtsanwalt Alexander Bortfeldt und Betriebswirt Dr. André Schulte.
Auch Produktionsgesellschaft in Polen insolvent
Die Polstermöbel von DOMO werden über die Oflor Sp. z o.o. im polnischen Psarskie bei Śrem gefertigt. Auch für diese Gesellschaft wurde ein Insolvenzantrag gestellt. Kaufmann wurde am 6. August ebenfalls zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Am polnischen Standort arbeiten rund 245 Menschen. Die Produktion soll zunächst fortgesetzt werden. Für die Sanierung ist dies von zentraler Bedeutung, da Vertrieb und Fertigung der beiden Gesellschaften eng miteinander verbunden sind.
Eine Unterbrechung der Produktion könnte die Belieferung der Handelspartner gefährden. Gleichzeitig benötigt das Werk ausreichend Aufträge, damit der operative Betrieb stabilisiert werden kann.
Sanierungsteam will Investoren ansprechen
Im Mittelpunkt steht zunächst die Fortführung des laufenden Geschäfts. Das Sanierungsteam führt Gespräche mit wichtigen Geschäftspartnern, um bestehende Aufträge abzuarbeiten und neue Bestellungen zu sichern.
Anschließend sollen verschiedene Sanierungsoptionen geprüft und gezielt potenzielle Investoren angesprochen werden. Damit kommt neben einer Restrukturierung auch ein Einstieg oder eine Übernahme durch einen strategischen oder finanziellen Investor infrage.
Für eine Lösung dürften insbesondere die Handelsbeziehungen, Produktkollektionen, Marke und Produktionskapazitäten in Polen von Bedeutung sein.
DOMO seit 2011 im Polstermöbelgeschäft
DOMO Collection wurde 2011 gegründet und konzentriert sich auf Entwicklung und Vertrieb von Polstermöbeln. Zum Sortiment gehören Sofas und Sessel sowie modulare Lösungen und Outdoor-Möbel.
Das Unternehmen hat sein Angebot in den vergangenen Jahren unter anderem mit der „Lifestyle. collection“, „tiny. collection“ und „Outdoor. collection“ erweitert. Die auf kleinere Wohnflächen ausgerichtete „tiny. collection“ greift den Trend zu kompakteren und multifunktionalen Einrichtungslösungen auf.
Bekanntheit über die klassische Möbelbranche hinaus brachte DOMO zudem die Zusammenarbeit mit Designer Wolfgang Joop. Seit 2020 entstand unter „LOOKS by Wolfgang Joop“ eine gemeinsame Interior-Kollektion.
Möbelindustrie leidet unter anhaltender Nachfrageschwäche
Die Insolvenz fällt in eine schwierige Marktphase. Die deutsche Möbelindustrie verzeichnete 2025 bereits das dritte Jahr in Folge rückläufige Umsätze. Der Branchenumsatz sank um 3,4 Prozent auf rund 15,8 Milliarden Euro.
Besonders schwach entwickelte sich das Inlandsgeschäft, das um 4,4 Prozent auf etwa 10,4 Milliarden Euro zurückging. Im ersten Quartal 2026 setzte sich die Entwicklung fort: Der Branchenumsatz lag mit rund 3,8 Milliarden Euro drei Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Gerade Polstermöbel reagieren empfindlich auf eine schwache Konsumstimmung. Größere Anschaffungen wie Sofas und Sessel können von privaten Haushalten vergleichsweise einfach verschoben werden. Zusätzlich belastet die schwache Bautätigkeit die Nachfrage nach Einrichtungsprodukten.
M.O.W.-Termin fällt in entscheidende Sanierungsphase
DOMO wird weiterhin als Aussteller für die M.O.W. vom 20. bis 24. September 2026 in Bad Salzuflen geführt. Ob das Unternehmen angesichts des Insolvenzverfahrens tatsächlich teilnehmen wird, ist derzeit offen.
Ein Messeauftritt könnte für die Sanierung allerdings relevant werden. Die Ordermesse bietet die Möglichkeit, bestehende Handelspartner zu halten, neue Aufträge zu gewinnen und Vertrauen in die Fortführung des Unternehmens aufzubauen.
Knapp 270 Arbeitsplätze hängen an Zukunftslösung
In den kommenden Wochen muss das Sanierungsteam den Geschäftsbetrieb in Deutschland und die Fertigung in Polen parallel stabilisieren. Entscheidend wird sein, ob Handelspartner und Lieferanten die Zusammenarbeit fortsetzen und ausreichend Aufträge gesichert werden können.
Gelingt dies, könnte eine Investorenlösung eine Perspektive für DOMO und die polnische Produktion eröffnen. Die Insolvenz ist damit noch keine Entscheidung über das endgültige Aus des Möbelanbieters. Sie zeigt jedoch erneut, wie stark die anhaltende Konsumschwäche inzwischen mittelständische Unternehmen der deutschen Möbelbranche belastet.






