Secondhand-Handel hat sich vom Nischenmodell zu einem festen Bestandteil des Konsums entwickelt. Das zeigt der neue eBay Recommerce Report 2026. Für die Studie wurden rund 10.500 Verbraucher in zehn Märkten sowie 1.707 aktive eBay-Verkäufer in sieben Ländern befragt. Im Mittelpunkt stehen Kaufverhalten, Vertrauen, Nachhaltigkeit, internationale Käufe und die wachsende Bedeutung jüngerer Zielgruppen.
Secondhand-Nutzung nimmt deutlich zu
47 Prozent der Befragten kaufen inzwischen mindestens einmal im Monat gebrauchte Produkte. Im Vorjahr waren es 35 Prozent. Insgesamt haben 76 Prozent innerhalb der vergangenen zwölf Monate Secondhand-Waren gekauft, 55 Prozent davon online.
Auch für die kommenden Monate bleibt die Nachfrage hoch. 89 Prozent erwarten, 2027 mindestens genauso viel oder mehr für gebrauchte Produkte auszugeben. Besonders dynamisch ist die Entwicklung bei den 18- bis 29-Jährigen: 53 Prozent dieser Altersgruppe wollen ihre Secondhand-Ausgaben im kommenden Jahr erhöhen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Preis bleibt wichtigster Kaufgrund
Der stärkste Treiber ist weiterhin die wirtschaftliche Lage. 84 Prozent nennen das Sparen als einen ihrer drei wichtigsten Gründe für den Kauf gebrauchter Produkte, für 46 Prozent ist es sogar das Hauptmotiv. 70 Prozent betrachten Secondhand als relevant für die Steuerung ihres Haushaltsbudgets. Bei der Gen Z liegt der Anteil bei 76 Prozent.
Recommerce funktioniert zugleich zunehmend in beide Richtungen. 38 Prozent der Verbraucher haben im vergangenen Jahr selbst gebrauchte Artikel online verkauft. Für 48 Prozent der Verkäufer ist zusätzliches Einkommen das wichtigste Motiv.
Vertrauen entscheidet über Wiederkäufe
Mit dem Wachstum des Marktes steigt die Bedeutung von Qualität und Verlässlichkeit. Für 54 Prozent ist eine konstant hohe Produktqualität zusammen mit einer korrekten Beschreibung der wichtigste Grund, erneut beim selben Verkäufer zu kaufen.
Bei Menschen, die bislang keine gebrauchten Produkte kaufen, könnten vor allem deutliche Preisvorteile, präzise Listings, garantierte Echtheit und starker Käuferschutz die Hemmschwelle senken. Rund ein Viertel der Befragten hat bisher noch nie Secondhand gekauft. Neben der Präferenz für Neuware bleibt Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand der Produkte ein zentrales Hindernis.
Nachhaltigkeit und Community gewinnen an Gewicht
83 Prozent der Verbraucher sehen reale Umweltvorteile im Kauf gebrauchter Produkte. 80 Prozent wünschen sich zugleich langlebigere und besser reparierbare Waren. 66 Prozent der Gen Z wären bereit, für nachhaltigere Produkte mehr zu bezahlen, verglichen mit 59 Prozent insgesamt.
Auch die soziale Komponente wird wichtiger. 54 Prozent sagen, dass Community und gemeinsame Interessen zum Secondhand-Erlebnis gehören – 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei der Gen Z liegt der Anteil bei 61 Prozent. Gleichzeitig haben 31 Prozent bereits Live-Shopping-Formate angesehen, zwölf Prozent darüber gekauft.
Junge Käufer verändern Nachfrage und Verkäuferstruktur
Besonders stark prägt die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen die weitere Entwicklung. 46 Prozent kaufen wöchentlich oder alle zwei Wochen Secondhand, gegenüber 28 Prozent insgesamt. Zugleich wächst eine neue Verkäufergeneration heran: 26 Prozent der Gen-Z-Verkäufer haben erst innerhalb der vergangenen sechs bis zwölf Monate mit dem Verkauf begonnen.
eBay verweist in diesem Zusammenhang auch auf die im Juli 2026 abgeschlossene Übernahme von Depop. Die Plattform erzielte 2025 rund eine Milliarde US-Dollar Umsatz, zählte sieben Millionen aktive Käufer und mehr als drei Millionen aktive Verkäufer. Fast 90 Prozent der Käufer waren jünger als 34 Jahre.
Im internationalen Secondhand-Handel sehen Käufer vor allem Vorteile durch den Zugang zu einzigartigen Produkten und günstigeren Preisen. 48 Prozent nennen die größere Produktauswahl als Vorteil, 47 Prozent Preisvorteile. Gleichzeitig bleiben Versandkosten, Retouren sowie Zoll- und Steuerfragen zentrale Hürden. Nur 39 Prozent fühlen sich beim Kauf bei internationalen Verkäufern ausdrücklich wohl.



