Die Europäische Union hat im zweiten Quartal 2026 erstmals seit drei Jahren wieder ein Handelsdefizit im Warenverkehr mit Nicht-EU-Staaten verzeichnet. Während die Exporte gegenüber dem Vorquartal zulegten, stiegen die Importe deutlich stärker. Ausschlaggebend waren insbesondere höhere Kosten für Energieeinfuhren sowie wachsende Defizite bei Rohstoffen und weiteren Industriegütern. Gleichzeitig entwickelten sich Chemieprodukte sowie Lebensmittel und Getränke positiv und sorgten für höhere Exportüberschüsse.
Energieimporte belasten Handelsbilanz
Von April bis Juni 2026 importierte die EU laut Eurostat Waren im Wert von 701,8 Milliarden Euro aus Nicht-EU-Ländern, während die Ausfuhren 680,0 Milliarden Euro erreichten. Daraus ergibt sich ein Handelsdefizit von 21,8 Milliarden Euro. Es handelt sich um den ersten negativen Saldo seit dem zweiten Quartal 2023, als stark gestiegene Energiepreise die Handelsbilanz belasteten.
Besonders deutlich verschlechterte sich das Defizit bei Energieprodukten. Auch bei Rohstoffen und sonstigen Industriegütern nahm das Minus zu. Gleichzeitig gingen die Überschüsse im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie bei weiteren Warengruppen leicht zurück.
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Chemie und Lebensmittel gleichen Verluste teilweise aus
Entgegen dem allgemeinen Trend verbesserten sich die Überschüsse in der Chemieindustrie sowie bei Lebensmitteln und Getränken. Diese Entwicklung konnte die Belastungen durch die höheren Energieimporte jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 stiegen die Exporte um 5,4 Prozent, während die Importe um 9,9 Prozent zulegten. Damit setzte sich die Erholung des Außenhandels nach den Rückgängen im Jahr 2025 fort, die unter anderem auf internationale Zollkonflikte zurückgeführt worden waren.
China wichtigster Lieferant, USA größter Exportmarkt
China blieb mit Importen im Wert von 153,6 Milliarden Euro beziehungsweise 21,9 Prozent aller Einfuhren der wichtigste Lieferant der EU. Es folgen die USA, das Vereinigte Königreich, die Schweiz und die Türkei. Gegenüber dem Vorjahresquartal erhöhten sich die Importe aus den USA, Großbritannien, China und der Schweiz, während die Einfuhren aus der Türkei leicht zurückgingen.
Auf der Exportseite blieben die Vereinigten Staaten mit Warenlieferungen im Wert von 127,7 Milliarden Euro der wichtigste Absatzmarkt der EU. Dahinter rangieren das Vereinigte Königreich, die Schweiz, China und die Türkei. Besonders kräftig legten die Exporte in die Schweiz zu, während die Ausfuhren in die USA und die Türkei rückläufig waren.
Außenhandel wächst trotz neuer Defizite
Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 nahmen die EU-Importe um 11,7 Prozent und die Exporte um 4,5 Prozent zu. Das zeigt, dass sich der internationale Warenhandel insgesamt weiter ausweitet, das Importwachstum derzeit jedoch deutlich stärker ausfällt als die Exportentwicklung. Dadurch geriet die Handelsbilanz nach mehreren Quartalen mit Überschüssen erneut ins Minus.






