Nach mehr als neun Jahren Verhandlungen haben die EU und Indonesien ein umfassendes Freihandels- und Investitionsabkommen abgeschlossen. Die politische Einigung erfolgte bereits im Juli zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indonesiens Präsident Prabowo Subianto. Nun wurde auch die technische Finalisierung offiziell bestätigt – ein Meilenstein für die wirtschaftliche Partnerschaft beider Seiten.
Neue Exportchancen und Zollvorteile
Das sogenannte CEPA (Comprehensive Economic Partnership Agreement) soll den Waren- und Dienstleistungsverkehr erheblich erleichtern. Für europäische Exporteure bedeutet dies insbesondere: 98,5 % der bisherigen Einfuhrzölle auf den indonesischen Markt werden abgeschafft. Vor allem die Automobil-, Agrar-, Chemie- und Maschinenbauindustrie dürfte davon profitieren. Die EU-Kommission schätzt die jährliche Zollersparnis auf rund 600 Millionen Euro.
Zudem erleichtert das Abkommen europäische Dienstleistungen in Sektoren wie Telekommunikation oder IT – inklusive voller Eigentumsrechte. Auch Investitionen, etwa in Elektrofahrzeuge, Elektronik und Pharma, sollen gezielt gefördert werden.
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Landwirtschaft und Herkunftsschutz
Ein zentraler Punkt betrifft die europäische Landwirtschaft. Zölle auf Milchprodukte, Fleisch, Obst und verarbeitete Lebensmittel werden weitgehend abgebaut. Gleichzeitig werden 221 geografische Herkunftsbezeichnungen aus der EU – darunter beispielsweise „Parmaschinken“ oder „Champagner“ – rechtlich geschützt. Im Gegenzug erhalten auch 72 indonesische Herkunftsbezeichnungen Anerkennung.
Empfindliche Produktgruppen wie Reis, Zucker oder frische Bananen bleiben jedoch weiterhin geschützt – entweder durch bestehende Zölle oder durch Quotenregelungen.
Nachhaltigkeit als Pfeiler des Abkommens
Neben ökonomischen Aspekten legt CEPA einen starken Fokus auf Nachhaltigkeit. Es integriert verbindliche Verpflichtungen zu Klima- und Umweltschutz sowie zu Arbeitnehmerrechten. Das Pariser Klimaabkommen wird ausdrücklich als integraler Bestandteil genannt. Gezielte Kooperationen – etwa im Bereich CO₂-armer Technologien oder beim nachhaltigen Umgang mit Palmöl – sind vorgesehen.
Die EU betont, dass wirtschaftliches Wachstum, soziale Standards und Umweltpolitik im Rahmen des Abkommens Hand in Hand gehen sollen.
Strategische Rohstoffsicherung
Indonesien zählt zu den wichtigsten Produzenten kritischer Rohstoffe für die grüne und digitale Transformation – beispielsweise Nickel für Batterien. CEPA soll die Versorgungssicherheit der EU durch stabilere und nachhaltigere Lieferketten stärken, etwa durch vereinfachte Exportverfahren, Umweltstandards und vertiefte Zusammenarbeit.
Nächste Schritte zur Ratifizierung
Die finalen Vertragstexte werden nun rechtlich geprüft und in alle EU-Amtssprachen übersetzt. Im Anschluss wird die Kommission dem EU-Rat eine Unterzeichnung vorschlagen. Nach Zustimmung des Rates und des Europäischen Parlaments sowie der Ratifizierung durch Indonesien kann das Abkommen in Kraft treten.
Die Verhandlungen hatten 2016 begonnen und wurden mit der 19. und letzten offiziellen Verhandlungsrunde im Juli 2024 abgeschlossen. Die heutige Einigung markiert damit das Ende eines langwierigen, aber erfolgreichen Prozesses zur Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Südostasiens größter Volkswirtschaft.


