Eine neue Studie zur EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) entkräftet Befürchtungen über wirtschaftliche Nachteile für betroffene Unternehmen. Wie Logistik Heute berichtet, basiert die Analyse auf dem französischen Gesetz „Loi de Vigilance“, das seit 2017 verbindliche Sorgfaltspflichten für Unternehmen vorschreibt. Die Forscher Christian F. Durach von der ESCP Business School Berlin und Yimin Wang von der Arizona State University untersuchten die Auswirkungen auf 73 französische Firmen im Vergleich zu Unternehmen aus acht weiteren europäischen Ländern.
Temporäre Mehrkosten, langfristiger Nutzen
Direkt nach Inkrafttreten des Gesetzes kam es bei betroffenen Firmen zu einem Anstieg der Inputkosten. Diese resultierten laut Studie aus notwendigen Einmalinvestitionen, etwa für Compliance-Maßnahmen, Lieferantenaudits und neue Managementsysteme. Dieser Effekt war jedoch nicht von Dauer: Mit zunehmender Reife der internen Strukturen reduzierten sich die Mehrkosten und es zeigte sich ein klarer Effizienzgewinn. Über die Jahre hinweg sank das Verhältnis von Kosten zu Umsatz um rund zehn Prozent. Weder Absatzrückgänge noch Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit wurden festgestellt.
Laut Studienautor Durach bestätigen die Ergebnisse, dass verpflichtende Sorgfaltspflichten keine dauerhaften Kostennachteile verursachen. Vielmehr führten sie mittelfristig zu stabileren Abläufen, höherer Transparenz und einem verbesserten Risikomanagement entlang der Lieferkette.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Unterschiede je nach Branche und Lieferantennetzwerk
Besonders ausgeprägt waren die positiven Effekte bei produzierenden Unternehmen mit internationalen und komplexen Lieferketten. Firmen mit breit aufgestelltem Lieferantennetzwerk konnten anfängliche Mehrkosten besser verteilen als solche mit wenigen, stark gebündelten Zulieferbeziehungen.
Zudem zeigt die Analyse, dass Unternehmen, die früh und konsequent auf die neuen Anforderungen reagierten, zwar höhere Anfangsinvestitionen tätigen mussten, langfristig jedoch überdurchschnittlich profitierten. Die Zahl der Lieferanten blieb dabei stabil – der Effizienzgewinn wurde vor allem durch optimierte Prozesse, eine präzisere Risikoabschätzung und resilientere Lieferkettenstrukturen erzielt.


