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EU ebnet Weg für Mercosur-Abkommen – Freihandel mit Südamerika kommt

Europaeisches Parlament in Strassburg
Foto: Depositphotos

Key takeaways

Nach jahrelangem Ringen haben die EU-Staaten dem Freihandelsabkommen mit Mercosur zugestimmt. Trotz Widerstands aus Frankreich lobt die Wirtschaft den Deal als Meilenstein. Auch Kanzler Merz sieht strategische Vorteile – und mahnt zugleich, künftige Abkommen deutlich schneller umzusetzen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Nach über 25 Jahren zäher Verhandlungen haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union mehrheitlich für das Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur gestimmt. Damit steht der bislang größte handelspolitische Schulterschluss zwischen Europa und Südamerika kurz vor der Umsetzung – trotz erheblicher Proteste von Landwirten und politischen Widerständen, vor allem aus Frankreich.

Die formelle Unterzeichnung soll bereits in der kommenden Woche erfolgen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant dazu eine Reise nach Paraguay, um dort gemeinsam mit den Staatschefs von Brasilien, Argentinien und Uruguay das Abkommen zu besiegeln. Anschließend fehlt nur noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments, die in Brüssel als nahezu sicher gilt.

Größte Freihandelszone ihrer Art entsteht

Mit dem Abkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen weltweit, mit mehr als 750 Millionen Menschen. Rund 91 Prozent aller EU-Exporte in die Mercosur-Staaten sollen schrittweise zollfrei gestellt werden. Im Gegenzug erhalten südamerikanische Produzenten besseren Zugang zum europäischen Markt, insbesondere bei Agrarprodukten wie Soja, Rindfleisch oder Geflügel.

Für die exportorientierte europäische Industrie bedeutet das Abkommen neue Wachstumschancen. Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und Pharma gehören zu den Hauptprofiteuren. Auch der Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse, etwa durch eine Angleichung technischer Standards, gilt als wichtiger Fortschritt.

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Politischer Streit und wirtschaftlicher Rückenwind

Der Weg zur Einigung war steinig. Besonders in Frankreich regte sich massiver Widerstand, angeführt von Bauernverbänden, die vor einem steigenden Preisdruck durch südamerikanische Agrarimporte warnen. Sie kritisieren Wettbewerbsnachteile aufgrund strengerer Umwelt- und Sozialauflagen in der EU. Frankreich stimmte gemeinsam mit Österreich, Irland und Ungarn gegen das Abkommen. Belgien enthielt sich. Präsident Emmanuel Macron versuchte bis zuletzt, eine Sperrminorität zu organisieren – vergeblich.

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zustimmend: „Die Einigung zum EU-Mercosur-Abkommen ist ein Meilenstein in der europäischen Handelspolitik und ein wichtiges Signal unserer strategischen Souveränität und Handlungsfähigkeit. Mit dem Abkommen stärken wir unsere Wirtschaft und die Handelsbeziehungen mit unseren Partnern in Südamerika – das ist gut für Deutschland und für Europa. Aber: 25 Jahre Verhandlungen waren zu lang. Jetzt kommt es darauf an, die nächsten Freihandelsabkommen zügig abzuschließen.“

Auch die deutsche Wirtschaft begrüßt die Einigung ausdrücklich. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) spricht von einem „Meilenstein“. BGA-Präsident Dirk Jandura lobt das Abkommen als Stärkung von Wachstum, Wohlstand und der internationalen Glaubwürdigkeit Europas. Gleichzeitig mahnt er strukturelle Reformen an. Die EU müsse aus der langen Verhandlungsdauer Lehren ziehen und künftige Abkommen schneller, strategischer und unabhängiger umsetzen.

Rückenwind für den europäischen Onlinehandel

Auch für den europäischen Onlinehandel könnte das Mercosur-Abkommen spürbare Impulse setzen. Der Wegfall von Zöllen und die Vereinfachung von Handelsregeln senken die Importkosten für zahlreiche Warengruppen, die im E-Commerce stark nachgefragt sind – darunter Konsumgüter, Elektronikkomponenten, Textilien, Haushaltswaren sowie ausgewählte Lebensmittel und Genussmittel. Für Onlinehändler eröffnen sich damit neue Spielräume bei Preisgestaltung und Marge, zugleich steigt die Attraktivität grenzüberschreitender Sortimente.

Auf der Absatzseite gewinnen europäische Händler Zugang zu einem dynamischen Markt mit wachsender Mittelschicht. Insbesondere in Brasilien und Argentinien nimmt die Onlineaffinität rasant zu, während europäische Marken bei Qualität, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit hohes Vertrauen genießen. Marktplatzmodelle, Direct-to-Consumer-Ansätze und spezialisierte Nischenanbieter könnten davon besonders profitieren, sofern Logistik, Zahlungsabwicklung und lokales Marketing professionell aufgesetzt sind.

Kurzfristig dürfte der Effekt vor allem bei großen Plattformen und international aufgestellten Handelsunternehmen sichtbar werden. Mittelfristig könnten jedoch auch mittelständische Onlinehändler profitieren, wenn regulatorische Hürden weiter abgebaut und digitale Handelsstandards harmonisiert werden. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck: Günstigere Produkte aus Südamerika könnten verstärkt auf europäischen Onlineplattformen auftauchen und den Preiskampf in einzelnen Segmenten verschärfen. Für den E-Commerce gilt damit dasselbe wie für den stationären Handel – das Mercosur-Abkommen ist Chance und Herausforderung zugleich.

Bedeutung über Südamerika hinaus

Handelspolitisch wird das Mercosur-Abkommen auch als Signal verstanden, dass die EU trotz geopolitischer Spannungen und wachsendem Protektionismus an offenen Märkten und multilateralen Strukturen festhält. In Brüssel wird nun gehofft, den Schwung für weitere Abkommen zu nutzen, etwa mit Indien oder Staaten im indo-pazifischen Raum.

Ob sich der Deal wirtschaftlich als Wachstumsmotor erweist, bleibt abzuwarten. Klar ist bereits jetzt: Die Einigung markiert eine politische Zäsur und könnte zum Startschuss für eine neue Phase europäischer Handelspolitik werden.

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