Europas Textil- und Bekleidungsindustrie fordert eine deutlich stärkere finanzielle Belastung niedrigpreisiger Direktimporte. Nach Einführung eines Zolls von drei Euro auf entsprechende Sendungen und der Abschaffung der bisherigen 150-Euro-Zollfreigrenze plädiert der Branchenverband Euratex für eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr.
Als Orientierungswert nennt die Industrie rund zehn Euro je Paket. Die Einnahmen sollen nach ihrer Vorstellung nicht primär fiskalischen Zwecken dienen, sondern die Kosten für Zollkontrollen, Marktüberwachung, Produktsicherheit und Risikoanalysen finanzieren.
Drei Euro reichen der Branche nicht
Euratex bewertet die bisherigen Maßnahmen der EU als wichtigen ersten Schritt, hält sie angesichts der hohen Zahl von Direktlieferungen an europäische Verbraucher jedoch für unzureichend. Derzeit diskutierte Gebühren von zwei bis vier Euro würden nach Einschätzung des Verbands keinen angemessenen Beitrag zu den tatsächlich entstehenden Kontrollkosten leisten.
Die Forderung nach rund zehn Euro versteht die Branche als Richtwert. Die endgültige Höhe solle anhand einer belastbaren Berechnung der tatsächlichen Aufwendungen öffentlicher Behörden festgelegt werden.
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Kontrollen sollen verursachergerecht finanziert werden
Jede in die EU eingeführte Sendung verursacht nach Argumentation der Verbände administrativen Aufwand. Dazu gehören die Verarbeitung von Zollinformationen, Risikobewertungen sowie Kontrollen auf Produktsicherheit und Regelkonformität.
Euratex fordert deshalb, die Einnahmen aus einer Bearbeitungsgebühr unmittelbar für stärkere Zoll- und Marktüberwachungsstrukturen einzusetzen. Anbieter, die große Mengen von Paketen in den europäischen Binnenmarkt bringen, sollen sich damit stärker an den entstehenden Kontrollkosten beteiligen.
Plattformen sollen mehr Verantwortung übernehmen
Parallel fordert die Branche strengere Pflichten für Onlineplattformen. Unterstützt wird insbesondere eine beschleunigte Einführung des sogenannten Deemed-Importer-Ansatzes, durch den Plattformen stärker für die über sie eingeführten Produkte verantwortlich gemacht werden sollen.
Zollrecht, Produktsicherheit, Marktüberwachung und Digitalregulierung müssten dafür enger miteinander verzahnt werden. Ziel ist es, Anbieter auf dem europäischen Markt eindeutig identifizieren und bei Verstößen wirksamer zur Verantwortung ziehen zu können.
Verlagerung in europäische Lager im Blick
Die Industrie warnt zugleich vor möglichen Ausweichreaktionen. Strengere Regeln für einzelne Direktpakete könnten Händler dazu bewegen, Waren verstärkt als größere Lieferungen einzuführen und anschließend über europäische Lager oder Fulfillment-Zentren zu verteilen.
Kontrollen sollen deshalb unabhängig vom jeweiligen Logistikmodell greifen. Zollbehörden müssten nach Auffassung der Verbände sowohl bei B2C- als auch bei B2B-Lieferungen Zugang zu ausreichend detaillierten Daten erhalten.
Branche verweist auf 1,3 Millionen Arbeitsplätze
Die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie umfasst nach Angaben von Euratex rund 200.000 Unternehmen mit insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigten. Ein großer Teil davon sind kleine und mittlere Unternehmen.
Mit der höheren Bearbeitungsgebühr will die Branche Wettbewerbsbedingungen schaffen, bei denen auch außereuropäische Anbieter die Kosten für Kontrolle und Durchsetzung europäischer Standards mittragen. Die Forderung wurde auf der Branchenmesse Première Vision in Paris vorgestellt und knüpft an die 2025 verabschiedete Villepinte-Erklärung gegen Ultra-Fast-Fashion an.





