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Expansion in Australien: Frasers will auch Accent vollständig übernehmen

Accent Group Limited Office Wartebereich
Foto: Accent Group

Key takeaways

Nach dem Vorstoß bei Hugo Boss richtet die Frasers Group ihren Blick auf Australien. Das Übernahmeangebot für die Accent Group ist strategisch bedeutsam, wird vom Management jedoch als zu niedrig bewertet. Ob Frasers den Preis nachbessert, dürfte entscheidend für den Ausgang sein.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Frasers Group, die bereits 22,9 Prozent an der Accent Group hält, kündigte am 15. Juni ein unaufgefordertes Übernahmeangebot über die Australian Securities Exchange (ASX) an. Angeboten werden 0,65 Australische Dollar je Aktie für alle ausstehenden Anteile, die sich bislang nicht im Besitz des britischen Konzerns befinden.

Bemerkenswert ist vor allem die Bewertung: Der Angebotspreis entspricht exakt dem Schlusskurs der Accent-Aktie vom 12. Juni 2026 und enthält somit keinerlei Übernahmeprämie – ein Umstand, den der Accent-Vorstand in seiner ersten Stellungnahme deutlich hervorhob.

Der Gesamtwert der Transaktion für die noch ausstehenden Aktien beläuft sich auf rund 316 Millionen Australische Dollar beziehungsweise etwa 166 Millionen Pfund Sterling.

Accent-Verwaltungsrat äußert Zweifel

Die Reaktion des Managements fiel ungewöhnlich deutlich aus. In einer offiziellen Mitteilung empfahl der Verwaltungsrat den Aktionären, vorerst keine Schritte einzuleiten und die noch ausstehende formelle Stellungnahme des Unternehmens abzuwarten.

Als Argument führt der Vorstand unter anderem an, dass Frasers selbst noch Anfang Februar 2026 Accent-Aktien zu Kursen von über 0,90 Australischen Dollar erworben hatte. Damit lag der damalige Kaufpreis deutlich über dem nun angebotenen Übernahmepreis.

Zudem weist Accent darauf hin, dass es sich um ein sogenanntes „On-Market Takeover Offer“ handelt. Aktionäre, die ihre Aktien während des Angebotszeitraums verkaufen, könnten eine spätere Erhöhung des Gebots oder ein mögliches konkurrierendes Angebot nicht mehr nutzen.

Der Verwaltungsrat prüft das Angebot derzeit gemeinsam mit den Beratern Luminis Partners und Arnold Bloch Leibler. Eine formelle Empfehlung soll in einer sogenannten „Target’s Statement“ veröffentlicht werden.

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Strategische Bedeutung für Frasers

Die Offerte ist Teil der expansiven Strategie von Frasers Group, die vom britischen Unternehmer Mike Ashley gegründet wurde und heute unter CEO Michael Murray geführt wird.

Bereits seit 2024 baut Frasers seine Beteiligung an Accent systematisch aus. Im vergangenen Jahr vereinbarten beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft zur Einführung der Sporthandelskette Sports Direct in Australien und Neuseeland. Accent sollte dabei über mehrere Jahre hinweg mindestens 50 Sports-Direct-Filialen in der Region eröffnen.

Mit einer vollständigen Übernahme würde Frasers direkten Zugriff auf eines der größten Vertriebs- und Filialnetze für Sport- und Lifestyle-Produkte in Australien erhalten. Accent betreibt mehr als 890 Geschäfte und vertreibt Marken wie Skechers, Vans, Hoka, Dr. Martens, UGG, Platypus Shoes und The Athlete’s Foot.

Schwache Geschäftsentwicklung erhöht den Druck

Der Zeitpunkt des Angebots fällt in eine schwierige Phase für Accent. Das Unternehmen musste zuletzt mehrfach seine Gewinnprognosen senken. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 brachen Nettogewinn und operative Ergebnisse deutlich ein.

Frasers begründet sein Vorgehen unter anderem mit Sorgen über die finanzielle Entwicklung, die Kapitalallokation und die Unternehmensführung von Accent. In den Angebotsunterlagen kritisiert der Konzern unter anderem Dividendenausschüttungen trotz sinkender Gewinne sowie eine steigende Verschuldung.

Gleichzeitig verfolgt Accent mit seinem im Mai vorgestellten Wachstumsplan ambitionierte Ziele. Bis 2030 sollen die Umsätze auf mindestens 1,9 Milliarden Australische Dollar steigen, die EBIT-Marge über neun Prozent liegen und das Filialnetz auf rund 950 Standorte wachsen.

Teil einer weltweiten Einkaufstour

Für Frasers ist die Accent-Offerte bereits der zweite größere Übernahmeversuch innerhalb weniger Tage. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konzern ein milliardenschweres Angebot für den deutschen Modekonzern Hugo Boss vorgelegt.

Die parallelen Transaktionen unterstreichen den Anspruch des Unternehmens, seine internationale Präsenz deutlich auszubauen und sich stärker als globaler Handels- und Markenanbieter zu positionieren. Analysten sehen darin einen weiteren Schritt der Transformation vom klassischen Sporthändler zu einem breit aufgestellten Handels- und Beteiligungskonzern.

Entscheidung fällt bis Ende Juli

Das Übernahmeangebot soll am 30. Juni 2026 beginnen und zunächst bis zum 30. Juli 2026 laufen. Frasers verfügt nach eigenen Angaben über ausreichende Finanzierungsmittel, um die Transaktion vollständig abzuwickeln.

Ob die Aktionäre das Angebot annehmen, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob Frasers bereit ist, den Preis nachzubessern. Die erste Reaktion des Accent-Verwaltungsrats deutet jedenfalls darauf hin, dass das aktuelle Angebot als zu niedrig bewertet wird.

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