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Mega-Deal im E-Commerce: GameStop will eBay übernehmen

GameStop Filiale in den USA
Foto: mkopka / depositphotos.com

Key takeaways

GameStop bietet 55,5 Milliarden US-Dollar für eBay und sorgt für Aufsehen im Online-Handel. Mit hohen Synergieversprechen und aggressiver Finanzierung will sich der einstige Meme-Wert zum globalen Plattformkonzern wandeln.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Mit einem spektakulären Vorstoß, der bereits am Wochenende durchgesickert war, will der US-Videospielhändler GameStop den E-Commerce-Pionier eBay übernehmen. 125 US-Dollar je Aktie – hälftig in bar und in eigenen Anteilen – bietet GameStop für den Marktplatzbetreiber. Der Gesamtwert der Offerte beläuft sich auf rund 55,5 Milliarden US-Dollar. Es wäre eine der größten Transaktionen im globalen Online-Handel – und ein weiterer Paukenschlag eines Unternehmens, das einst als Meme-Aktie belächelt wurde.

46 Prozent Aufschlag – ein selbstbewusstes Signal

Das nun übermittelte, unverbindliche Angebot von GameStop entspricht einem Aufschlag von 46 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs der eBay-Aktie vom 4. Februar 2026 – jenem Tag, an dem GameStop begann, eine Beteiligung aufzubauen. Aktuell hält das Unternehmen nach eigenen Angaben rund fünf Prozent an eBay, teils über Derivate, teils über Stammaktien.

Der angebotene Preis liegt zudem 27 Prozent über dem 30-Tage-VWAP und 36 Prozent über dem 90-Tage-VWAP. Die Botschaft ist klar: GameStop setzt auf Tempo – und auf Überzeugungskraft gegenüber den Aktionären.

Finanziert werden soll die Transaktion aus rund 9,4 Milliarden US-Dollar liquiden Mitteln sowie einer Finanzierungszusage von bis zu 20 Milliarden US-Dollar durch TD Securities als Co-Investor. Die Kapitalstruktur wirkt ambitioniert, erscheint jedoch nicht unrealistisch – vorausgesetzt, die Kapitalmärkte bleiben aufnahmefähig.

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Radikale Kostensynergien als Kernargument

Im Zentrum der Offerte steht weniger Wachstum als operative Disziplin. GameStop argumentiert, eBay habe im Geschäftsjahr 2025 rund 2,4 Milliarden US-Dollar in Vertrieb und Marketing investiert, dabei jedoch netto lediglich eine Million zusätzliche aktive Käufer gewonnen – ein Zuwachs von unter 0,75 Prozent auf insgesamt 135 Millionen Nutzer.

GameStop kündigt an, binnen zwölf Monaten nach Vollzug der Übernahme jährliche Kostensenkungen von insgesamt zwei Milliarden US-Dollar zu realisieren: 1,2 Milliarden im Bereich Sales & Marketing, 300 Millionen in der Produktentwicklung sowie 500 Millionen in Verwaltung und Overhead.

Allein durch diese Einsparungen soll sich der verwässerte GAAP-Gewinn je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen von eBay im ersten Jahr von 4,26 auf 7,79 US-Dollar nahezu verdoppeln. Die Rechnung ist ambitioniert und dürfte am Markt kritisch geprüft werden – nicht zuletzt wegen potenzieller Integrationsrisiken und operativer Reibungsverluste.

Vom Sanierungsfall zum Konsolidierer

Der strategische Vorstoß markiert eine bemerkenswerte Wendung in der Geschichte von GameStop. Unter CEO Ryan Cohen wandelte sich das Unternehmen seit 2021 vom strukturell angeschlagenen Filialhändler zu einem profitablen und kapitalstarken Akteur. Nach einem Nettoverlust von 381 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2021 erzielte GameStop 2025 einen Nettogewinn von 418 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wurden die SG&A-Kosten um rund 800 Millionen US-Dollar beziehungsweise 47 Prozent gesenkt und Altschulden abgebaut.

Cohen, der rund neun Prozent der Anteile hält und nach eigenen Angaben keine fixe Vergütung bezieht, soll nach Abschluss der Transaktion CEO des kombinierten Konzerns werden.

Strategisch setzt GameStop auf eine Verbindung aus digitaler Marktplatzmacht und physischer Infrastruktur: Rund 1.600 US-Filialen könnten künftig als Authentifizierungs-, Annahme- oder Fulfillment-Standorte für eBay dienen – etwa für hochpreisige Sammlerstücke, Elektronik oder Live-Commerce-Formate. Damit würde ein hybrides Handelsmodell entstehen, das Online-Reichweite mit stationärer Präsenz kombiniert.

Branchenbeben im Online-Handel

Eine Übernahme dieser Größenordnung würde die Kräfteverhältnisse im globalen E-Commerce neu ordnen. eBay, lange im Schatten von Wettbewerbern wie Amazon und Shopify, hat zuletzt wieder moderates Umsatzwachstum und steigende Profitabilität gemeldet – bei weiterhin begrenzter Dynamik im Nutzerwachstum.

Für GameStop wäre die Transaktion ein strategischer Befreiungsschlag: weg vom engen Gaming-Segment, hin zu einem diversifizierten Plattformmodell. Für eBay-Aktionäre ist das Angebot finanziell attraktiv, bedeutet jedoch einen grundlegenden Paradigmenwechsel.

Ob das Management von eBay auf die unverbindliche Offerte eingeht, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Ära der Meme-Aktie ist vorbei. GameStop positioniert sich als selbstbewusster Konsolidierer – mit Milliarden im Rücken und einem klaren Anspruch auf Relevanz im globalen Online-Handel.

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