Junge Konsumenten werden in den kommenden Jahren zur dominierenden Kraft im Modehandel: Laut einer aktuellen Studie von Boston Consulting Group (BCG) und Women’s Wear Daily (WWD) sollen Gen Z und Gen Alpha bis 2035 rund 40 % der gesamten Modeausgaben ausmachen. Bereits heute investieren sie rund 7 % mehr ihres verfügbaren Einkommens in Kleidung und Schuhe als frühere Generationen.
Diese Zielgruppen, geboren etwa zwischen 1997 und 2025, sind nicht nur besonders konsumfreudig, sondern auch anspruchsvoll. Ihr Einkaufsverhalten ist laut der Studie von einem Mix aus technologischem Interesse, Wertorientierung und digitaler Sozialisation geprägt. Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter mehr als 9.000 Konsumenten in den USA und der Auswertung von über 50.000 Social-Media-Beiträgen.
Zwischen TikTok und Stilberatung durch KI
Ein zentrales Merkmal dieser Generationen ist der intensive Einsatz von künstlicher Intelligenz im Shoppingprozess. 41 % der jungen Käufer nutzen laut Studie wöchentlich KI-gestützte Tools zur Modeberatung oder Produktsuche – etwa zur Outfit-Visualisierung oder zum Preisvergleich. Zum Vergleich: In älteren Zielgruppen liegt der Anteil bei nur 34 %. Plattformen mit In-Chat-Commerce und KI-Shoppingagenten spielen dabei eine wachsende Rolle.
Auffällig ist: Zwar greifen Millennials insgesamt häufiger auf KI zurück als Gen Z und Alpha (58 % vs. 51 %), doch bei Mode liegt die Nutzung klar bei der jüngeren Kundschaft – besonders bei Vielkäufern. Für Marken ergibt sich daraus ein klares Signal, digitale Assistenzsysteme als Bestandteil der Customer Journey weiterzuentwickeln.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Einfluss über Influencer
Auch in der Markenwahrnehmung und im Entdecken neuer Produkte zeigen sich Generation Z und Alpha stark beeinflusst durch soziale Medien. Junge Käufer sind 1,5-mal so empfänglich für Markenkontakt über Plattformen wie Instagram oder TikTok wie ältere Zielgruppen. Dabei genießen Micro-Influencer mit unter 100.000 Followern fast denselben Einfluss wie klassische Prominente: 22 % der jungen Konsumenten entdecken Marken über Micro-Influencer, 27 % über bekannte Persönlichkeiten.
Noch deutlicher wird die Verschiebung in der Bewertung von Markenstatus: Für Gen Z und Alpha spielen Followerzahlen und Engagement eine deutlich größere Rolle als für frühere Generationen. Zudem beeinflussen Inhalte von Influencern die Kaufentscheidung doppelt so stark wie bei älteren Käufern.
Produkt vor Marke
In Bezug auf Loyalität zeigt sich ein grundsätzlicher Wandel: Junge Käufer bleiben seltener einer Marke treu, sondern orientieren sich stärker an einzelnen Produkten. Sie sind 20 Prozentpunkte weniger geneigt, regelmäßig dieselbe Marke zu kaufen. Stattdessen suchen sie nach emotional aufgeladenen, individuellen Produkten, die ihren persönlichen Werten entsprechen.
Fast die Hälfte erwartet zudem eine personalisierte Ansprache und Produktempfehlungen – ein Anspruch, der von Modeunternehmen technologische und kommunikative Anpassungen verlangt.
Herausforderung und Chance zugleich
„Diese Konsumenten sind schwer zu binden, aber enorm einflussreich“, betont Mrin Nayak, Managing Director bei BCG. Die Studie macht deutlich: Wer kulturelle Relevanz, Individualität und digitale Interaktion miteinander verbindet, kann bei dieser Zielgruppe punkten.
Für die Branche bedeutet das: Erfolgreiches Modebusiness der Zukunft erfordert nicht nur neue Produkte, sondern ein tiefes Verständnis für digitale Kaufmuster, veränderte Loyalitätsmechanismen und den richtigen Einsatz von Technologie.


