Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist in den Aufsichtsrat des russischen Lebensmittelhändlers Hyperglobus berufen worden. Der 82-Jährige soll das Management bei der strategischen Entwicklung und langfristigen Ausrichtung des Unternehmens unterstützen. Hyperglobus wurde Anfang 2025 von der deutschen Globus Holding abgespalten und arbeitet seither eigenständig in Russland.
Hyperglobus setzt auf Schröders Russland-Erfahrung
Eigentümer Thomas Bruch begründet gegenüber dem russischen Nachrichtenmedium RBC die Berufung mit Schröders langjähriger Erfahrung im politischen und wirtschaftlichen Umfeld Russlands. Nach Angaben des Unternehmens soll er insbesondere die strategische Entwicklung begleiten und den Austausch mit relevanten Akteuren unterstützen.
Schröder selbst stellte sein Engagement in den Zusammenhang fortgesetzter wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland. Der frühere Kanzler war bereits nach seiner politischen Karriere für mehrere russische Unternehmen tätig und hatte unter anderem bis 2022 den Verwaltungsrat des staatlichen Ölkonzerns Rosneft geleitet.
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Russlandgeschäft ist seit 2025 eigenständig
Für die Einordnung der Personalie ist die heutige Eigentümerstruktur entscheidend. Die russischen Lebensmittelmärkte wurden zum Jahreswechsel 2024/2025 aus der Globus Holding herausgelöst und gehören seitdem nicht mehr zum deutschen Konzern.
Hyperglobus wird von Thomas Bruch kontrolliert, dem früheren langjährigen Chef der Globus Holding. Die russischen Märkte treten weiterhin unter der Marke Globus auf, obwohl sie gesellschaftsrechtlich vom deutschen Geschäft getrennt sind.
Hyperglobus bleibt ein großer Händler in Russland
Das Russlandgeschäft besitzt weiterhin erhebliche wirtschaftliche Dimensionen. Unternehmensdaten zufolge erreichte Hyperglobus 2025 einen Umsatz von rund 165,6 Milliarden Rubel nach etwa 157,1 Milliarden Rubel im Vorjahr.
Damit handelt es sich trotz der Abspaltung nicht um ein kleines Restgeschäft. Hyperglobus betreibt ein dichtes Netz großflächiger Märkte und verfügt über eine eigene Logistikinfrastruktur.
Mandat fällt in politisch sensible Phase
Die Berufung erfolgt in einer angespannten Phase für Unternehmen mit westlichem Hintergrund in Russland. Wenige Tage zuvor waren die russischen Vermögenswerte des deutschen Großhändlers Metro per Dekret unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt worden.
Russische Medien und Beobachter bringen Schröders Berufung deshalb teilweise auch mit der Absicherung des Unternehmens in Verbindung. Eine solche strategische Motivation ist allerdings nicht bestätigt; Hyperglobus selbst begründet die Personalie offiziell mit zusätzlicher Expertise und Schröders Erfahrung.
Besondere Verbindung zwischen Globus und Russland bleibt bestehen
Die Abspaltung des Russlandgeschäfts hat die operative Konzernverbindung zur deutschen Globus Gruppe beendet. Familiäre und historische Verbindungen bestehen jedoch weiter, da Thomas Bruch sowohl das russische Geschäft prägt als auch eng mit der Eigentümerfamilie des deutschen Unternehmens verbunden ist.
Mit Schröder erhält Hyperglobus nun einen Aufsichtsrat, dessen Profil deutlich über klassische Handelskompetenz hinausgeht. Für das Unternehmen dürfte insbesondere seine Erfahrung mit politischen und wirtschaftlichen Strukturen in Russland von Bedeutung sein.




