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Digitaler Rückstand: Wie fehlender Open Access den Glasfaserausbau hemmt

Symbolik zu digitales Netzwerk
Foto: Pixabay

Key takeaways

Eine Studie von BearingPoint zeigt: Deutschlands Glasfaserausbau bleibt trotz technischer Fortschritte ineffizient. Der Grund liegt im fehlenden Open Access. Während andere Länder offene Netze erfolgreich nutzen, hemmt hierzulande Fragmentierung den Wettbewerb. Die Studie liefert Empfehlungen für regulatorische Standards und zentrale Plattformmodelle.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Der Glasfaserausbau in Deutschland kommt voran – zumindest technisch. Doch was zunächst nach Fortschritt aussieht, droht zum Bumerang zu werden: Denn die Nutzung der neuen Infrastruktur bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Eine aktuelle Marktstudie von BearingPoint beleuchtet die strukturellen Ursachen und zeigt auf, warum offene Netze (Open Access) für eine leistungsfähige digitale Infrastruktur unerlässlich sind.

Fehlende Öffnung trotz wachsender Infrastruktur

Mit einer Glasfaserverfügbarkeit von rund 53 Prozent liegt Deutschland zwar nicht mehr am Ende des europäischen Feldes, doch die tatsächliche Nutzung – die sogenannte Take-Up-Rate – stagniert bei lediglich 27 Prozent. Damit bleibt der Nutzen der Netzinvestitionen weit hinter dem Potenzial zurück. Zum Vergleich: In Schweden liegt die Nutzungsquote bei 82 Prozent, in der Schweiz bei 50 Prozent – obwohl dort ähnliche infrastrukturelle Voraussetzungen herrschen.

Ein zentraler Grund: In Deutschland dominieren exklusive Einzelvereinbarungen und regional begrenzte Anbieterstrukturen. Für Kunden bedeutet das mangelnde Transparenz und eingeschränkte Auswahl. Statt eines offenen Marktes entsteht eine Landschaft mit halb ausgelasteten Netzen und ineffizientem Wettbewerb.

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Was Open Access leisten kann

Open Access meint den diskriminierungsfreien Zugang zu bestehenden Glasfasernetzen – unabhängig davon, welches Unternehmen die Infrastruktur gebaut hat. Das würde bedeuten: Mehr Anbieter auf denselben Netzen, höhere Auslastung, bessere Konditionen für Endkunden. Länder wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande machen es vor – mit offenen, standardisierten Plattformen und klarer Trennung von Infrastruktur und Dienstleistung.

In Schweden etwa betreiben kommunale Gesellschaften offene Netze, die allen Dienstanbietern zugänglich sind. In Dänemark haben standardisierte Plattformen wie OpenNet A/S die Skalierung erleichtert. Und in den Niederlanden sorgt politische Förderung für eine hohe Anbieterzahl pro Netz – mit entsprechend positiven Effekten auf den Wettbewerb.

Fragmentierung hemmt Effizienz

Trotz einzelner Kooperationen bleibt der deutsche Markt zersplittert. Nur 17 Prozent der erschlossenen Haushalte haben aktuell Zugang über Open Access. Die Folge: Ein Connectivity-Dilemma. In einem gesättigten Markt sinken die Preise, während die Nachfrage nicht mit der verfügbaren Infrastruktur Schritt hält. Das verhindert wirtschaftliche Skalierung.

Empfehlungen für eine offene Netzzukunft

BearingPoint formuliert klare Handlungsempfehlungen:

  • Verbindliche technische Standards für Open Access
  • Aufbau zentraler Plattformen zur Netzintegration
  • Regulatorische Vorgaben für diskriminierungsfreien Zugang
  • Investitionsanreize für kommunale Betreiber
  • Trennung von Netz und Dienst zur Vermeidung von Interessenskonflikten

Die Studie skizziert drei Szenarien für Deutschlands digitale Zukunft bis 2030: vom marktbeherrschenden Duopol über ein Nebeneinander exklusiver und offener Modelle bis hin zu einem vollständig offenen Community-Modell mit echter Anbieter- und Tarifvielfalt. Letzteres wäre nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Netzbetreiber langfristig wirtschaftlich tragfähig – wenn jetzt die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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