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Department Stores weltweit zwischen Wachstum und Unsicherheit

Beauty Department im Galeries Lafayette Hausmann Paris
Foto: kruwt / depositphotos.com

Key takeaways

Der IADS Global Department Store Monitor zeigt für 2024–2025 eine leichte Stabilisierung der weltweiten Warenhausumsätze. Trotz wirtschaftlicher Erholung bleiben Konsumenten vorsichtig. Währungsschwankungen, geopolitische Risiken und strukturelle Veränderungen wie KI-Einsatz und Recommerce prägen die Branche stärker als klassische Konjunkturzyklen.

Lesezeit ca. 5 Minuten

Trotz geopolitischer Spannungen, Währungsschwankungen und anhaltender Konsumzurückhaltung zeigen sich die globalen Warenhausumsätze leicht stabilisiert. Der aktuelle Global Department Store Monitor des International Association of Department Stores (IADS) analysiert die Geschäftsentwicklung von 58 Warenhausunternehmen weltweit im Geschäftsjahr 2024–2025 und kommt zu einem moderaten Wachstum von durchschnittlich +0,63 Prozent.

Nach zwei Jahren der Erholung nach der Pandemie und einem Rückgang von –1,6 Prozent im Jahr 2023–2024 deutet diese Entwicklung eher auf eine vorsichtige Normalisierung als auf eine nachhaltige Wachstumsphase hin.

Wirtschaftliche Stabilität trifft auf verunsicherte Konsumenten

Der Beginn des Geschäftsjahres 2024–2025 war zunächst von überraschender wirtschaftlicher Stabilität geprägt. Viele Volkswirtschaften erreichten eine sogenannte „Soft Landing“-Phase: Die Inflation ging zurück, ohne dass eine Rezession eintrat. Doch diese Stabilität erwies sich als fragil. Mit der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2024 und seinem Amtsantritt Anfang 2025 gewann eine protektionistische Handelspolitik wieder an Bedeutung.

Neue und teils kurzfristig veränderte Zölle, Handelsverhandlungen und Unsicherheiten in globalen Lieferketten erhöhten den Druck auf den Einzelhandel erheblich. Paradoxerweise verbesserten sich zwar wichtige makroökonomische Kennzahlen, gleichzeitig blieb die Kauflaune vieler Verbraucher gedämpft. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Vibecession“ – einer Situation, in der sich die wirtschaftliche Stimmung deutlich schlechter anfühlt als die tatsächlichen Wirtschaftsdaten vermuten lassen.

Für Warenhäuser bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Kunden achten stärker auf Preise und Wertangebote. Um ihre Margen zu sichern, setzen Händler verstärkt auf Rabattaktionen sowie auf Effizienzsteigerungen durch künstliche Intelligenz in Logistik, Preissteuerung und Bestandsmanagement.

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Der IADS Monitor als Vergleichsinstrument

Der Global Department Store Monitor wurde 2021 eingeführt, um die wirtschaftliche Entwicklung von Warenhäusern international vergleichbar zu machen. Das Instrument berücksichtigt die komplexen Strukturen der Branche, die durch Fusionen, Privatisierungen und Eigentümerwechsel geprägt ist.

Ein zentraler Bestandteil der Analyse ist die Trennung zwischen realem Umsatzwachstum und Währungseffekten. Neben aktuellen Wechselkursen werden auch fixe Referenzkurse aus dem Jahr 2021 verwendet, um Verzerrungen durch starke Währungsschwankungen zu reduzieren. Zudem werden die Geschäftsjahre der Unternehmen über ein sogenanntes „Broken Calendar Year“-System vergleichbar gemacht, damit globale Ereignisse einheitlich bewertet werden können.

Gerade im Geschäftsjahr 2024–2025 erwies sich diese Methodik als besonders wichtig. Unterschiedliche Geldpolitiken der Zentralbanken sowie geopolitische Risiken führten zu starken Wechselkursbewegungen, die vielerorts nominales Wachstum relativierten.

Währungen verändern die Dynamik im Einzelhandel

Währungsschwankungen hatten erheblichen Einfluss auf die Performance der Warenhäuser. In mehreren Märkten stiegen die Umsätze zwar in lokaler Währung, verloren jedoch an Wert, sobald sie in internationale Berichtswährungen umgerechnet wurden.

Gleichzeitig veränderten Wechselkurse die internationalen Tourismusströme. Länder mit schwächeren Währungen zogen mehr internationale Besucher an und profitierten von deren Kaufkraft, während starke Währungen häufig dazu führten, dass Konsumenten ihre Einkäufe im Ausland tätigten.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt in Japan. Dort erreichten Warenhäuser 2024 mit 5,75 Billionen Yen erstmals wieder Umsätze über dem Vorkrisenniveau. Unternehmen wie H2O, J Front Retailing und Takashimaya profitierten stark von Duty-Free-Verkäufen und chinesischen Touristen. Doch bereits Mitte 2025 drehte sich der Trend: Eine Aufwertung des Yen sowie Inflation ließen steuerfreie Verkäufe um rund 40 Prozent einbrechen. Zusätzlich belastete ein diplomatisch motivierter Boykott chinesischer Touristen im Frühjahr 2026 die Branche.

Parallel verlagerte sich ein Teil dieser Nachfrage nach Südkorea, wo Warenhäuser in Seoul rekordhohe Umsätze mit internationalen Kunden verzeichneten.

Drei unterschiedliche regionale Entwicklungspfade

Die Analyse der 58 untersuchten Warenhausunternehmen zeigt deutliche regionale Unterschiede. Grundsätzlich lassen sich drei Entwicklungsmuster erkennen: dynamisches Wachstum in einigen Schwellenmärkten, währungsgetriebene Effekte in Ostasien sowie verhaltene Nachfrage in reifen Konsummärkten.

In Lateinamerika erwiesen sich mehrere Händler als besonders widerstandsfähig. Unternehmen wie Falabella, Liverpool und Cencosud Paris verzeichneten zweistellige oder solide Wachstumsraten. Ausschlaggebend waren stabile Konsumstimmung, starke Omnichannel-Strategien und eine geringere Abhängigkeit von globalen Handelskonflikten.

Auch Indien entwickelte sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber. Einzelhändler wie Lifestyle und Shoppers Stop profitierten von einer wohlhabender werdenden, digitalaffinen Kundschaft. Ein symbolträchtiger Schritt war zudem die Eröffnung eines Galeries-Lafayette-Flagships in Mumbai im November 2025 in Kooperation mit der Aditya Birla Group.

In China und Hongkong hingegen befindet sich der Warenhaussektor in einer strukturellen Anpassungsphase. Die Immobilienkrise, schwache Konsumnachfrage und geopolitische Spannungen führten zu deutlichen Umsatzrückgängen. Unternehmen wie Parkson Retail Group, Wangfujing und Maoye meldeten teils zweistellige Rückgänge. In Hongkong verstärkte zudem ein schwächerer Wechselkurs den Trend, dass Konsumenten ihre Einkäufe im benachbarten Shenzhen tätigen.

In Südeuropa profitierten Warenhäuser hingegen von einem anhaltenden Tourismustrend. Ein schwächerer Euro lockte insbesondere amerikanische Besucher an, was Häusern wie El Corte Inglés, La Rinascente und Attica zusätzliche Umsätze bescherte. In Nordeuropa und Skandinavien hingegen führte Währungsschwäche eher zu Inflation als zu touristischer Nachfrage, was zu stagnierenden Umsätzen und strukturellen Anpassungen führte.

Digitalisierung, Recommerce und neue Store-Konzepte

Neben makroökonomischen Faktoren prägten auch strukturelle Veränderungen das Geschäftsjahr. Künstliche Intelligenz entwickelte sich vom Experimentierfeld zur operativen Schlüsseltechnologie. Viele Warenhäuser nutzen KI inzwischen vor allem für interne Prozesse wie Nachfrageprognosen, Preisoptimierung und Bestandssteuerung.

Im digitalen Handel zeichnet sich zudem ein Paradigmenwechsel ab. Klassische Suchmaschinenoptimierung verliert an Bedeutung, während sogenannte Generative Engine Optimisation (GEO) an Relevanz gewinnt. Händler passen ihre Produktdaten zunehmend so an, dass sie von KI-Systemen leichter interpretiert und empfohlen werden können.

Parallel wächst der Second-Hand- und Recommerce-Markt deutlich schneller als der traditionelle Einzelhandel. Warenhäuser reagieren darauf mit eigenen Angeboten, etwa speziellen Verkaufsflächen für gebrauchte Uhren oder Schmuck. Plattformen für Second-Hand-Mode gewinnen ebenfalls an Bedeutung und verändern das Wettbewerbsumfeld.

Gleichzeitig erlebt der stationäre Handel eine qualitative Renaissance. Viele Händler reduzieren ihre Filialnetze und investieren stattdessen in große, erlebnisorientierte Flagship-Stores, die stärker auf Gastronomie, Events und Markeninszenierung setzen.

Ausblick: Handel im Spannungsfeld geopolitischer Risiken

Für das kommende Geschäftsjahr erwarten Branchenbeobachter ein weiterhin schwieriges Umfeld. Die zweite Amtszeit der Trump-Regierung ist von einer klar protektionistischen Handelspolitik geprägt. Häufig wechselnde Zollentscheidungen und kurzfristige politische Kursänderungen erschweren langfristige Planungen für international tätige Einzelhändler erheblich.

Hinzu kommen geopolitische Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, die wichtige Logistikkorridore beeinträchtigen und zu steigenden Energiepreisen führen könnten. Damit droht neuer Inflationsdruck genau zu dem Zeitpunkt, an dem viele Zentralbanken versuchen, ihre Geldpolitik zu normalisieren.

Vor allem aber bleibt die „Vibecession“ ein entscheidender Faktor: Selbst wenn sich wirtschaftliche Kennzahlen stabilisieren, bleibt das Vertrauen der Konsumenten fragil. Für Warenhäuser bedeutet dies, dass Resilienz, Effizienz und flexible Geschäftsmodelle wichtiger werden als kurzfristiges Wachstum.

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