Die internationalen Modetrends entwickeln sich zunehmend in unterschiedliche Richtungen. Eine Auswertung von Google Trends für den „Fall 2026 Fashion Capitals Report“ zeigt, welche Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires in sieben bedeutenden Modemetropolen besonders stark nachgefragt werden. Untersucht wurden Suchanfragen aus London, New York, Paris, Mailand, Tokio, Kopenhagen und São Paulo. Dabei zeichnen sich vier übergreifende Entwicklungen ab: historisch inspirierte Schnitte, funktionale Alltagsmode, fließende Silhouetten und kreative Styling-Techniken.
London setzt auf Empire-Taille und klassische Materialien
In London wächst das Interesse an historischen Silhouetten, die für moderne Alltagskleidung neu interpretiert werden. Besonders die Empire-Taille mit ihrem hoch angesetzten Schnitt erreichte 2026 einen Höchststand beim Google-Suchinteresse.
Neben festlichen Kleidern werden zunehmend sommerliche Varianten und Babydoll-Modelle gesucht. Auch mehrlagige Oberteile gewinnen an Aufmerksamkeit, während die Suchanfragen nach Palazzo-Hosen im September um 300 Prozent zunahmen.
In der Herrenmode dominieren klassische Stoffe und zurückhaltende Farben. Cord verzeichnete besonders starke Zuwächse, während sich das Interesse an olivgrüner Herrenbekleidung gegenüber dem Vorjahr verdoppelte.
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New York kombiniert weite Schnitte mit Sportschuhen
New Yorker Verbraucher interessieren sich verstärkt für großzügig geschnittene Kleidung und vielseitige Styling-Möglichkeiten. Hoch geschnittene Wide-Leg-Jeans gehören ebenso zu den auffälligen Trends wie Seidentücher, die als Oberteile oder über Kleidern getragen werden.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Suchinteresse an Laufschuhen. Entsprechende Anfragen stiegen gegenüber September 2025 um 750 Prozent, wobei technische Sneaker von Salomon besonders gefragt waren.
Auch bei Handtaschen verändern sich die Vorlieben. Organisch geschwungene Modelle gewinnen gegenüber kantigen Formen an Bedeutung, während Suchanfragen nach Gucci-Taschen um 535 Prozent und nach COS-Taschen um 310 Prozent zunahmen.
Paris bevorzugt klassische Schuhe und weiche Taschen
In Paris richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf traditionelle Schuhformen. Slingbacks mit spitzer Vorderkappe, Loafer und Ballerinas zählen zu den gefragten Modellen.
Das Suchinteresse an Sebago stieg um 220 Prozent, während Anfragen nach Puma-Speedcat-Sneakern um 80 Prozent zurückgingen. Gleichzeitig verzeichneten technisch orientierte Sportschuhmarken wie On und Asics Zuwächse.
Bei Accessoires sind weiche Shopper aus Wildleder und dekorative Taschenanhänger gefragt. Die Suchanfragen nach Chanel-Taschen legten um 325 Prozent zu, jene nach Goyard-Modellen um 180 Prozent.
In der Damenmode treten asymmetrische Säume, Wasserfallausschnitte und ungewöhnliche Lagenkombinationen stärker hervor. Besonders die Kombination von Röcken über Hosen gewinnt an Aufmerksamkeit.
Mailand verbindet Schneiderkunst mit neuen Silhouetten
In Mailand zeigen die Suchdaten eine Mischung aus auffälligen Kleidungsformen und klassischen Modeelementen. Micro-Shorts, Steghosen und Kleider mit Empire-Taille zählen zu den aufkommenden Trends.
Auch traditionelle Schuhmodelle verzeichnen steigendes Interesse. Die Suchanfragen nach Slingbacks erhöhten sich um 110 Prozent und nach Loafern um 95 Prozent.
Parallel gewinnen komfortorientierte Marken an Bedeutung. Crocs erreichte einen Suchzuwachs von 210 Prozent, während Clarks um 140 Prozent zulegte.
Bemerkenswert ist außerdem das Interesse an der Anpassung vorhandener Kleidung. Häufiger gesucht werden Informationen zu Hosensäumen und professionellen Änderungen, was auf eine stärkere Beschäftigung mit individuellen Passformen hinweist.
Tokio legt Wert auf Funktionalität und Wetterschutz
In Tokio stehen praktische Kleidungsstücke und Accessoires im Mittelpunkt der Suchtrends. Das Interesse an wiederverwendbaren Eco-Bags stieg um 605 Prozent, während Reisetaschen einen Zuwachs von 240 Prozent verzeichneten.
Auch wetterfeste Mode gewinnt an Bedeutung. Suchanfragen nach Damen-Gummistiefeln erhöhten sich um 395 Prozent, während Regenmäntel im September ein Rekordniveau erreichten.
Bei Oberteilen sind vielseitig kombinierbare Modelle gefragt. Cut-and-Sew-Oberteile legten beim Suchinteresse um 565 Prozent zu, Tanktops um 150 Prozent.
Eine Besonderheit bilden Schuhe, die klassische und sportliche Gestaltung verbinden. Die Suchanfragen nach Nike-Loafern stiegen um 350 Prozent.
Kopenhagen bevorzugt Minimalismus und robuste Schuhe
In Kopenhagen prägen klassische Muster und funktionale Herbstmode die Suchentwicklung. Karierte Hemden gehören zu den auffälligen Trends, während Verbraucher zugleich nach erschwinglichen Alternativen zum Stil der Luxusmarke The Row suchen.
Bei Schuhen dominieren wetterfeste Modelle. Das Suchinteresse an Winterstiefeln stieg um 235 Prozent und an Timberland-Stiefeln um 190 Prozent.
Im Accessoire-Segment zeichnet sich eine gegenläufige Entwicklung zu anderen Modemetropolen ab. Suchanfragen nach Taschenanhängern gingen um 88 Prozent zurück, während schlichte Materialien und klassische Schmuckstücke an Aufmerksamkeit gewannen.
Der dänische Schmuckhersteller Georg Jensen verzeichnete einen Suchzuwachs von 160 Prozent. Damit zeigt sich eine stärkere Orientierung an zurückhaltender Gestaltung und etablierten Marken.
São Paulo entdeckt Handarbeit und individuelle Mode
In São Paulo verbindet sich das Interesse an klassischen Kleidungsstücken mit kreativen Herstellungstechniken. Besonders stark wuchsen die Suchanfragen nach Gummistiefeln mit 675 Prozent und nach Ballerinas mit 375 Prozent.
Auch ungewöhnliche Schuhformen wie Modelle mit geteilter Zehenpartie im Tabi-Stil gewinnen an Aufmerksamkeit. Bei Damenbekleidung stieg das Suchinteresse an Tüllröcken um 270 Prozent.
In der Herrenmode legten zweireihige Anzüge um 305 Prozent zu. Gleichzeitig beschäftigen sich Verbraucher stärker mit der eigenständigen Herstellung und Reparatur von Kleidungsstücken.
Suchanfragen nach einfachen Häkeltaschen stiegen um 240 Prozent. Laut Google weist Brasilien zudem seit 2004 weltweit das höchste Suchinteresse am Thema Häkeln auf.
Vier übergreifende Trends bestimmen die Modeentwicklung
Google fasst die internationalen Suchbewegungen in vier größere Strömungen zusammen. „Neo-Regency“ beschreibt die Rückkehr historischer Schnitte und romantischer Materialien, darunter Empire-Taillen, Ballerinas und Tüll.
Unter „Urban Utility“ versteht der Bericht die Verbindung von modischer Gestaltung und praktischer Alltagstauglichkeit. Wetterfeste Schuhe, funktionale Jacken und vielseitige Taschen stehen beispielhaft für diese Entwicklung.
„Sculptural Fluidity“ bezeichnet das Interesse an weichen Materialien, fließenden Formen und organisch gestalteten Accessoires. Geschwungene Handtaschen und locker fallende Kleidungsstücke gehören zu den entsprechenden Suchtrends.
Die vierte Strömung heißt „Improvised Styling“ und umfasst individuelle Kombinationen sowie Veränderungen vorhandener Kleidung. Dazu zählen Tücher als Oberteile, Röcke über Hosen und selbst angepasste oder reparierte Kleidungsstücke.
Suchtrends zeigen Interesse, nicht tatsächliche Verkäufe
Die Google-Auswertung verdeutlicht, dass internationale Modeentwicklungen regional unterschiedlich ausgeprägt sind. Während Tokio und Kopenhagen stark von funktionalen Kleidungsstücken geprägt werden, stehen in London historische Silhouetten und in São Paulo individuelle Gestaltungstechniken im Vordergrund.
Für Modehändler und Marken können solche Daten Hinweise auf neue Verbraucherinteressen liefern. Sie helfen dabei, aufkommende Stilrichtungen frühzeitig zu erkennen und regionale Unterschiede bei der Sortimentsplanung zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse basieren überwiegend auf Suchdaten aus September 2026 und deren Vergleich mit dem Vorjahresmonat. Steigende Suchanfragen belegen jedoch weder entsprechende Umsatzsteigerungen noch konkrete Marktanteile, sondern zunächst ein verändertes Informationsinteresse der Verbraucher.



