Die anhaltend niedrigen Pegelstände auf deutschen Flüssen verschärfen den Druck auf die Transportlogistik. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt vor Engpässen, wenn Güter verstärkt von der Binnenschifffahrt auf Straße und Schiene verlagert werden. Um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, fordert der Verband einen dauerhaft abgesicherten und ausgeweiteten Einsatz von Lang-Lkw.
Niedrigwasser belastet die gesamte Logistikkette
Der HDE sieht die Auswirkungen der aktuellen Niedrigwasserlage nicht nur bei Unternehmen, die direkt auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind. Zwar werden Handelswaren vergleichsweise selten per Schiff transportiert, doch Ausweichverkehre auf Straße und Schiene erhöhen den Wettbewerb um ohnehin knappe Transportkapazitäten.
Besonders problematisch sei dies angesichts des anhaltenden Mangels an Berufskraftfahrern. Zusätzliche Transporte könnten bestehende Lieferketten weiter unter Druck setzen und damit auch den Einzelhandel indirekt beeinträchtigen.
„Der Einzelhandel ist auf eine funktionierende Logistik im ganzen Land angewiesen. Zwar werden nur sehr wenige Güter, die für den Einzelhandel bestimmt sind, per Schiff transportiert. Bei Ausweichbewegungen von Schiffen hin zu LKW und Bahn können aber Engpässe entstehen, die dann auch der Einzelhandel zu spüren bekommt“, erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
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Verband fordert dauerhafte Zulassung von Lang-Lkw
Als Gegenmaßnahme fordert der Handelsverband, den Einsatz von Lang-Lkw dauerhaft rechtlich abzusichern und das freigegebene Streckennetz deutlich auszubauen. Unternehmen benötigten Planungssicherheit, um in entsprechende Fahrzeuge und Logistikkonzepte investieren zu können.
Nach Ansicht des HDE habe der langjährige Praxistest bereits gezeigt, dass sich die Fahrzeuge im Regelbetrieb bewährt hätten.
„Die Unternehmen brauchen Planungs- und damit Investitionssicherheit. Der jahrelange Versuchsbetrieb hat gezeigt: Der Lang-LKW funktioniert und entlastet den Verkehr“, so Genth.
Größeres Ladevolumen bei gleichem Gesamtgewicht
Lang-Lkw unterscheiden sich von herkömmlichen Lastwagen vor allem durch ihre größere Länge und das damit verbundene höhere Ladevolumen. Während klassische Lkw-Kombinationen maximal 18,75 Meter lang sind, erreichen bestimmte Lang-Lkw bis zu 25,25 Meter.
Das zulässige Gesamtgewicht bleibt dagegen unverändert. Die Fahrzeuge dürfen grundsätzlich bis zu 40 Tonnen beziehungsweise im Kombinierten Verkehr bis zu 44 Tonnen wiegen. Sie transportieren somit nicht schwerere, sondern mehr voluminöse Güter pro Fahrt.
Dadurch eignen sich Lang-Lkw insbesondere für Handels- und Konsumgüter, bei denen der verfügbare Laderaum häufig vor der zulässigen Gewichtsgrenze ausgeschöpft ist.
Weniger Fahrten und geringerer Fahrerbedarf
Nach Angaben des HDE können zwei Lang-Lkw bis zu drei konventionelle Lkw ersetzen. Dadurch lasse sich sowohl der Fahrzeug- als auch der Fahrereinsatz reduzieren. Gleichzeitig sieht der Verband ein CO₂-Einsparpotenzial von bis zu 25 Prozent.
Vor allem auf Strecken zwischen großen Logistikzentren könnten die Fahrzeuge ihre Vorteile ausspielen. Die anschließende Feinverteilung an Filialen oder Endkunden erfolgt weiterhin mit herkömmlichen Lkw.
Zugelassen nur auf freigegebenen Strecken
Lang-Lkw dürfen in Deutschland nicht uneingeschränkt verkehren. Für die bis zu 25,25 Meter langen Fahrzeugtypen gilt ein sogenanntes Positivnetz, das überwiegend Bundesfernstraßen umfasst und regelmäßig angepasst wird.
Eine Sonderregelung besteht für den Lang-Lkw Typ 1 mit einer Gesamtlänge von bis zu 17,88 Metern. Dessen Einsatz ist nach aktuellem Stand noch bis Ende 2026 befristet. Die übrigen Lang-Lkw-Typen dürfen seit Anfang 2017 dauerhaft auf den freigegebenen Strecken verkehren.
Für den HDE zeigt die aktuelle Niedrigwasserlage, dass leistungsfähigere Transportlösungen künftig eine noch wichtigere Rolle spielen werden. Der Verband verbindet seine Forderung nach einer dauerhaften Zulassung der Fahrzeuge mit dem Ziel, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und den Fahrermangel in der Logistik abzufedern.





