Der Handelsverband Deutschland (HDE), der Markenverband und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verlangen strengere europäische Vorschriften für Waren aus Nicht-EU-Staaten. In einer gemeinsamen Initiative vom 8. Oktober 2026 fordern die Organisationen verbindliche Haftungs- und Kontrollpflichten für Hersteller, Händler und Onlineplattformen.
Hintergrund ist die wachsende Zahl günstiger Direktimporte, bei denen nach Einschätzung der Verbände häufig europäische Sicherheits- und Produktvorschriften missachtet werden. Der geplante European Product Act soll aus ihrer Sicht bestehende Lücken bei der rechtlichen Verantwortlichkeit schließen.
Milliarden Paketsendungen erschweren Kontrollen
Nach Angaben des HDE erreichten 2025 schätzungsweise 5,9 Milliarden geringwertige E-Commerce-Sendungen den europäischen Binnenmarkt. Die enorme Menge stellt Zollbehörden und Marktüberwachung vor erhebliche Herausforderungen.
Bereits 2024 stellten Behörden innerhalb der EU und an ihren Außengrenzen gefälschte Produkte im Wert von 3,8 Milliarden Euro sicher. Neben Markenrechtsverletzungen sehen die Organisationen insbesondere Risiken durch Waren, die europäische Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.
Zusätzliche Kontrollen allein reichen nach ihrer Einschätzung nicht aus. Entscheidend sei, dass die Einhaltung der Vorschriften bereits vor der Veröffentlichung eines Onlineangebots sichergestellt werde.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Anbieter aus Drittstaaten sollen EU-Bevollmächtigte benennen
Künftig sollen Hersteller und Händler ohne Niederlassung innerhalb der Europäischen Union einen registrierten Bevollmächtigten in der EU benennen müssen. Dieser soll als rechtlich verantwortlicher Ansprechpartner für die Produktkonformität zur Verfügung stehen.
Onlineplattformen müssten vor der Freischaltung eines Angebots kontrollieren, ob eine entsprechende Registrierung vorliegt. Damit wollen die Verbände verhindern, dass Produkte ohne einen innerhalb der EU erreichbaren Verantwortlichen verkauft werden.
Verletzt eine Plattform diese Prüfpflicht und fehlt ein zuständiger Vertreter, soll sie nach dem Vorschlag selbst rechtlich belangt werden können. Die Forderung richtet sich damit ausdrücklich auch an Betreiber internationaler Online-Marktplätze.
Handel fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen
Der HDE sieht in der konsequenten Durchsetzung europäischer Vorschriften eine Voraussetzung für fairen Wettbewerb. Unternehmen innerhalb der EU müssten umfangreiche Sicherheits- und Kontrollpflichten erfüllen, während Anbieter aus Drittstaaten diese Anforderungen nach Verbandsangaben teilweise umgehen könnten.
Auch der Markenverband verlangt wirksamere rechtliche Zugriffsmöglichkeiten auf ausländische Anbieter. Der vzbv betont insbesondere den Verbraucherschutz und fordert klare Haftungsregelungen für mögliche Schäden durch unsichere Produkte.
Die gemeinsame Initiative soll die Position der Bundesregierung bei den Beratungen zum European Product Act beeinflussen. Ziel der drei Organisationen ist eine verbindliche Verantwortungsstruktur für sämtliche Produkte, die über europäische Vertriebskanäle angeboten werden.




