Die Inflation in Deutschland ist im August 2026 auf 2,9 Prozent gestiegen. Nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung lagen fünf von neun untersuchten Haushaltstypen bei einer individuellen Inflationsrate von mindestens drei Prozent. Besonders stark traf der Preisanstieg bei Kraftstoffen Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Das Statistische Bundesamt bestätigt für August eine allgemeine Inflationsrate von 2,9 Prozent nach 2,8 Prozent im Juli. Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist um 10,5 Prozent, Kraftstoffe sogar um 27,7 Prozent. Gleichzeitig blieben Nahrungsmittel mit einem Plus von lediglich 0,1 Prozent nahezu stabil.
Familien spüren höhere Kraftstoffpreise besonders
Das IMK führt die stärkere Belastung vieler Familien auf die höhere Bedeutung von Benzin und Diesel in ihren Haushaltsbudgets zurück. Familien sind häufiger auf ein Auto angewiesen, während Kraftstoffausgaben insbesondere bei niedrigeren Einkommen einen größeren Anteil der Gesamtausgaben beanspruchen.
Zwischen Juli und August stiegen die haushaltsspezifischen Inflationsraten für Familien laut Studie um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Insgesamt lagen acht der neun untersuchten Haushaltstypen im August zwischen 2,7 und 3,2 Prozent.
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Niedrige Einkommen profitieren von schwachen Lebensmittelpreisen
Eine Ausnahme bilden alleinlebende Personen mit niedrigen Einkommen. Ihre haushaltsspezifische Inflationsrate lag im August bei 2,0 Prozent und damit deutlich unter dem allgemeinen Durchschnitt.
Ein Grund dafür ist, dass diese Haushalte vergleichsweise wenig für Autos, Reisen und teurere Dienstleistungen ausgeben. Gleichzeitig blieben Strom, Gas und Fernwärme im Vorjahresvergleich teilweise günstiger, während Lebensmittelpreise kaum zunahmen.
IMK sieht aktuellen Preisschub vor allem bei Energie
Nach Einschätzung des IMK erklärt der starke Anstieg bei Kraftstoffen und Heizöl den Großteil der Beschleunigung der deutschen Inflation seit Ende 2025. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch bei 1,8 Prozent gelegen.
Damit unterscheidet sich die aktuelle Lage deutlich von der Inflationswelle 2022. Damals stiegen neben Energie auch Lebensmittel und Haushaltsenergie stark und trafen einkommensschwache Haushalte besonders schwer.
IMK kritisiert jüngste Zinserhöhung der EZB
Das IMK hält die jüngste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank für verfrüht. Nach Einschätzung der Ökonomin Silke Tober lassen sich geopolitisch bedingte Energiepreisschocks über höhere Zinsen nur begrenzt dämpfen.
Die Analyse verweist zugleich auf nachlassende Lohndynamik, einen schwächeren Arbeitsmarkt und eine niedrigere Kerninflation. Aus Sicht des Instituts spricht dies gegen zusätzliche konjunkturelle Belastungen durch weitere Zinsschritte.
Institut fordert gezielte Entlastung bei Energiepreisen
Sollten Öl- und Kraftstoffpreise länger hoch bleiben, empfiehlt das IMK staatliche Maßnahmen zur Preisdämpfung. Genannt werden unter anderem zusätzliche Entlastungen bei Stromnetzentgelten, ein erneuter Tankrabatt sowie gegebenenfalls Preisdeckel und Übergewinnsteuern.
Für die weitere Inflationsentwicklung bleibt damit entscheidend, ob sich der Energiepreisschock auf andere Güter und Dienstleistungen überträgt. Bislang zeigt sich ein breiter Zweitrundeneffekt nur begrenzt, während Kraftstoffe der wichtigste Treiber der höheren Gesamtinflation bleiben.




