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Staat stützt die Konjunktur: Private Investitionen bleiben deutlich zurück

Deutsche Flagge vor bewoelktem Himmel
Foto: Pexels

Key takeaways

➟ Öffentliche Investitionen und Staatskonsum stützen Deutschlands Konjunktur, während Unternehmen deutlich weniger investieren als vor der Pandemie. Das IW sieht darin ein strukturelles Problem und fordert bessere Standortbedingungen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die deutsche Wirtschaft ist seit 2020 nur durch steigende staatliche Ausgaben gewachsen. Die Privatwirtschaft liefert dagegen keinen positiven Wachstumsbeitrag mehr. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Besonders auffällig ist die anhaltende Investitionsschwäche der Unternehmen, während der Staat seine Ausgaben und Investitionen deutlich ausgeweitet hat.

Zwischen 2020 und 2025 verringerte der private Sektor das jährliche Wirtschaftswachstum rechnerisch um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte. Staatlicher Konsum und öffentliche Investitionen steuerten dagegen jährlich 0,6 Prozentpunkte bei. Insgesamt erreichte Deutschland in diesem Zeitraum lediglich ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent pro Jahr.

Privatwirtschaft verliert ihre Rolle als Wachstumsmotor

Der Vergleich mit früheren Jahrzehnten verdeutlicht den strukturellen Wandel. In den 2010er Jahren trug die Privatwirtschaft noch durchschnittlich 1,4 Prozentpunkte jährlich zum Wirtschaftswachstum bei. Der Staat leistete damals einen Beitrag von 0,5 Prozentpunkten.

Selbst in den wirtschaftlich schwierigen 2000er Jahren blieb der private Wachstumsbeitrag mit durchschnittlich 0,2 Prozentpunkten positiv. Die damaligen Strukturprobleme und die internationale Finanzkrise belasteten zwar die Investitionstätigkeit, führten jedoch nicht zu einem über ein ganzes Jahrzehnt hinweg negativen privaten Wachstumsbeitrag.

In der laufenden Dekade hat sich die Entwicklung erheblich verschärft. Nach Berechnungen des IW fällt der negative Wachstumseffekt schwacher privater Investitionen inzwischen viermal so hoch aus wie in den 2000er Jahren.

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Öffentliche Investitionen steigen, Unternehmen halten sich zurück

Besonders deutlich zeigt sich die unterschiedliche Entwicklung bei den Investitionen. Die preisbereinigten öffentlichen Investitionen lagen zuletzt mehr als 20 Prozent über dem durchschnittlichen Niveau von 2019. Der Staat hat seine Investitionstätigkeit damit erheblich ausgeweitet.

Die privaten Investitionen haben dagegen weiterhin nicht das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. Im zweiten Quartal 2026 lagen sie real mehr als zehn Prozent unter dem Jahresdurchschnitt von 2019. Damit fehlen wichtige Impulse für die Modernisierung und Erweiterung der Produktionskapazitäten.

Die Investitionszurückhaltung der Unternehmen erschwert zugleich eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung. Ohne zusätzliche private Investitionen bleiben Produktivitätsfortschritte und langfristige Wachstumsmöglichkeiten begrenzt.

Auch beim Konsum wächst der Staat deutlich schneller

Nicht nur bei den Investitionen, sondern auch beim Verbrauch entwickeln sich staatlicher und privater Sektor unterschiedlich. Seit 2019 stieg der reale Staatskonsum um mehr als 16 Prozent. Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich im selben Zeitraum lediglich um 4,5 Prozent.

Die Zahlen zeigen, wie stark die gesamtwirtschaftliche Nachfrage inzwischen durch öffentliche Ausgaben gestützt wird. Während der Staat zusätzliche Mittel einsetzt, bleiben private Haushalte und Unternehmen bei ihren Ausgaben vergleichsweise zurückhaltend.

Allerdings beeinflussten mehrere außergewöhnliche Krisen die Entwicklung. Dazu zählen die Corona-Pandemie, der starke Anstieg der Energiepreise und geopolitische Veränderungen. Nach Einschätzung des IW erklären diese Belastungen die schwache Entwicklung jedoch nicht vollständig.

IW warnt vor dauerhaft staatlich finanziertem Wachstum

Das Institut bewertet die zunehmende Abhängigkeit von staatlichen Wachstumsimpulsen kritisch. Eine Wirtschaft, deren Expansion überwiegend auf öffentlichen Ausgaben beruht, könne langfristig an finanzielle Grenzen stoßen. Dies gelte insbesondere dann, wenn zusätzliche staatliche Aktivitäten durch höhere Schulden finanziert werden.

IW-Konjunkturchef Michael Grömling sieht die Ursachen der privaten Investitionsschwäche auch in den Standortbedingungen. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie bürokratische Belastungen stünden aus Sicht vieler Unternehmen in einem ungünstigen Verhältnis zur erzielbaren Produktivität.

Zwar begrüßt das Institut grundsätzlich zusätzliche öffentliche Investitionen zum Abbau des bestehenden Infrastrukturstaus. Diese müssten jedoch durch strukturelle Reformen ergänzt werden, damit auch die Privatwirtschaft wieder stärker investiert und wächst.

Strukturreformen sollen private Investitionen wiederbeleben

Die IW-Analyse macht deutlich, dass höhere Staatsausgaben allein keine dauerhafte wirtschaftliche Erholung gewährleisten. Entscheidend wird sein, ob öffentliche Investitionen auch zusätzliche private Aktivitäten anstoßen und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts verbessern.

Dafür sieht das Institut insbesondere bei den Kostenbelastungen und regulatorischen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Unternehmen benötigen aus seiner Sicht bessere Voraussetzungen, um Investitionsentscheidungen wieder stärker zugunsten des deutschen Standorts zu treffen.

Die Entwicklung seit 2020 zeigt damit eine grundlegende Herausforderung der deutschen Konjunktur: Während öffentliche Ausgaben die Wirtschaftsleistung stabilisieren, bleibt der private Sektor als eigenständiger Wachstumstreiber schwach. Ohne eine Erholung der Unternehmensinvestitionen dürfte es schwierig werden, langfristig höhere Wachstumsraten zu erreichen.

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