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Jeff Bezos fordert steuerfreie Einkommen für Geringverdiener in den USA

Portrait von Amazon Gruender Jeff Bezos
Foto: Image Press Agency / depositphotos.com

Key takeaways

Jeff Bezos fordert eine vollständige Befreiung niedriger Einkommen von der US-Einkommenssteuer. Der Amazon-Gründer stößt damit eine neue Debatte über soziale Entlastung und Steuerfairness in den Vereinigten Staaten an - ähnlich der Debatte in Deutschland.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich für eine deutliche steuerliche Entlastung von Geringverdienern in den USA ausgesprochen. Bei einem Interview mit dem US-Sender CNBC erklärte der Executive Chairman von Amazon, Menschen mit niedrigen Einkommen sollten keine Einkommenssteuer zahlen.

Nach Ansicht von Bezos leiste die untere Hälfte der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler lediglich einen sehr kleinen Beitrag zum gesamten Steueraufkommen. Deshalb halte er eine Besteuerung dieser Einkommensgruppen für nicht sinnvoll.

Bezos kritisiert Besteuerung niedriger Einkommen

Im Gespräch mit Journalist Andrew Ross Sorkin verwies Bezos darauf, dass die untere Hälfte der Steuerzahler in den USA lediglich rund drei Prozent der gesamten Einkommenssteuern entrichte. Er halte diesen Anteil weiterhin für zu hoch und plädierte für eine vollständige Befreiung von der Bundes-Einkommenssteuer.

Als Beispiel nannte Bezos eine Pflegekraft mit einem Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar. Menschen mit solchen Einkommen sollten seiner Ansicht nach kein Geld nach Washington schicken müssen. Stattdessen müsse die Politik die finanzielle Belastung dieser Gruppen reduzieren.

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Diskussion über Steuerpolitik gewinnt an Dynamik

Die Aussagen des Amazon-Gründers fallen in eine Phase intensiver steuerpolitischer Debatten in den USA. Mehrere demokratisch regierte Bundesstaaten diskutieren derzeit höhere Abgaben für Vermögende. Gleichzeitig liegen im Kongress Vorschläge zur Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen vor.

So brachte der demokratische Senator Cory Booker zuletzt einen Gesetzesentwurf ein, nach dem die ersten 75.000 Dollar Einkommen bei gemeinsamen Steuererklärungen steuerfrei bleiben sollen. Ziel sei es, arbeitende Haushalte angesichts steigender Lebenshaltungskosten stärker zu entlasten.

Unterschiedliche Belastung zwischen Einkommensgruppen

Nach Daten der Tax Foundation lag das durchschnittliche zu versteuernde Einkommen der unteren Hälfte der US-Steuerzahler im Jahr 2023 bei knapp 54.000 Dollar. Gleichzeitig zahlten Spitzenverdiener deutlich höhere durchschnittliche Steuersätze.

Allerdings verweisen Expertinnen und Experten darauf, dass viele Haushalte mit niedrigen Einkommen durch Steuervergünstigungen und Rückerstattungen bereits heute faktisch keine Einkommenssteuer zahlen. Zudem wird die tatsächliche Steuerbelastung häufig breiter betrachtet – etwa unter Einbeziehung von Sozialabgaben sowie regionalen Verkaufs- und Verbrauchssteuern.

Debatte über gerechte Verteilung hält an

Die Frage, ob Wohlhabende einen angemessenen Anteil zum Steueraufkommen beitragen, bleibt in den USA politisch umstritten. Kritiker höherer Steuern für Spitzenverdiener argumentieren mit der bereits progressiven Struktur des amerikanischen Steuersystems.

Befürworter zusätzlicher Belastungen verweisen dagegen auf legale Möglichkeiten wohlhabender Haushalte, ihre effektive Steuerquote deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig träfen indirekte Steuern einkommensschwächere Haushalte im Verhältnis oft stärker.

Bezos selbst äußerte sich nicht dazu, wie ein vollständiger Wegfall der Einkommenssteuer für Geringverdiener konkret finanziert werden könnte. Nach Schätzungen von Forbes zählt der Amazon-Gründer mit einem Vermögen von rund 269 Milliarden Dollar weiterhin zu den reichsten Menschen der Welt.

Auch in Deutschland wächst der Druck auf Spitzenverdiener

Eine ähnliche steuerpolitische Grundsatzdebatte wird seit Monaten auch in Deutschland geführt. Angesichts hoher Inflationsraten, steigender Sozialabgaben und wachsender Haushaltsdefizite diskutieren Politik und Wirtschaft intensiv darüber, wie untere und mittlere Einkommen spürbar entlastet werden können – und wer die Finanzierung übernehmen soll.

Im Zentrum der Diskussion steht dabei regelmäßig die Frage nach einer stärkeren Belastung von Top-Verdienern. Vertreter von SPD und Grünen brachten zuletzt wiederholt Modelle ins Spiel, die eine Anhebung des Spitzen- oder Reichensteuersatzes vorsehen. Der sogenannte „Reichensteuersatz“ greift aktuell ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 277.000 Euro pro Jahr mit 45 Prozent. Zusätzlich wird der Solidaritätszuschlag für hohe Einkommen weiterhin erhoben.

Befürworter einer höheren Belastung argumentieren, die Steuerstruktur müsse angesichts wachsender Vermögensungleichheit stärker progressiv ausgestaltet werden. Höhere Einnahmen könnten gezielt genutzt werden, um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten oder Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaschutz zu finanzieren.

Entlastung der „Mitte“ als politisches Ziel

Parallel dazu fordern Wirtschaftsverbände und Teile der Opposition eine strukturelle Entlastung der arbeitenden Mitte. Diskutiert werden unter anderem eine Verschiebung der Einkommensteuertarife, um die sogenannte „kalte Progression“ abzumildern, sowie eine Anhebung von Freibeträgen. Auch eine Reform der Sozialabgaben steht zur Debatte, da diese insbesondere mittlere Einkommen zunehmend belasten.

Im Unterschied zu den USA ist das deutsche Einkommensteuersystem traditionell stärker progressiv ausgestaltet. Gleichzeitig liegt die Gesamtbelastung aus Einkommensteuer und Sozialabgaben – insbesondere im internationalen Vergleich – auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Gerade Fachkräfte mit mittleren Einkommen sehen sich dadurch einer erheblichen Abgabenquote gegenüber.

Ökonomen verweisen darauf, dass untere Einkommensgruppen in Deutschland bereits heute häufig nur geringe oder gar keine Einkommensteuer zahlen, jedoch überproportional von indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer betroffen sind. Die politische Herausforderung besteht daher weniger in einer vollständigen Steuerbefreiung, sondern in einer strukturellen Verschiebung der Lasten innerhalb des Systems.

Finanzierungsfrage bleibt Kernproblem

Wie in den USA bleibt auch hierzulande die zentrale Frage offen: Wie lassen sich Entlastungen für breite Bevölkerungsschichten finanzieren, ohne neue Haushaltslücken zu reißen oder die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu schwächen?

Angesichts konjunktureller Unsicherheiten, hoher Verteidigungs- und Transformationsausgaben sowie der demografischen Belastungen dürften Steuerreformen in Deutschland weiter ein politisches Spannungsfeld bleiben. Klar ist jedoch: Die Debatte über eine gerechtere Verteilung der Steuerlast gewinnt international an Dynamik – und reicht längst über die Vereinigten Staaten hinaus.

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