Das Intralogistikunternehmen Jungheinrich hat im ersten Halbjahr 2026 mehr Aufträge verbucht, musste beim Ergebnis jedoch deutliche Einbußen hinnehmen. Der Auftragseingang erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,7 Prozent auf 2,954 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz blieb mit 2,669 Milliarden Euro nahezu stabil.
Das EBIT sank von 210,5 Millionen auf 144,9 Millionen Euro, die entsprechende Umsatzrendite von 7,9 auf 5,4 Prozent. Belastend wirkten neben Preis- und Mengeneffekten einmalige Aufwendungen von insgesamt 33,8 Millionen Euro. Bereinigt um diese Faktoren erreichte Jungheinrich ein EBIT von 178,7 Millionen Euro und eine Marge von 6,7 Prozent.
Sondereffekte belasten das Konzernergebnis
Von den Sonderbelastungen entfielen 20,5 Millionen Euro auf den Verkauf der russischen Tochtergesellschaft. Weitere 7,4 Millionen Euro entstanden durch Nachwirkungen des Streiks im Werk Lüneburg und 5,9 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Transformationsprogramm.
Das Ergebnis vor Steuern verringerte sich von 195,8 Millionen auf 132,2 Millionen Euro. Unter dem Strich verblieb ein Konzernergebnis von 73,2 Millionen Euro nach 139 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Steuerquote erhöhte sich unter anderem aufgrund des Russland-Verkaufs und einer Vereinbarung mit den Finanzbehörden von 29 auf 45 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Automatisierungsgeschäft wächst zweistellig
Im Segment Industrial Trucks & Services (ITS) stieg der Auftragseingang um 4,9 Prozent auf 2,417 Milliarden Euro, während der Umsatz um 1,9 Prozent auf 2,241 Milliarden Euro zurückging. Das Segment-EBIT sank auf 133,5 Millionen Euro. Bereinigt um einmalige Belastungen hätte es rund 168,2 Millionen Euro erreicht.
Deutlich dynamischer entwickelte sich Automation & Warehouse Equipment (AWE). Der Auftragseingang nahm um 22,5 Prozent auf 588 Millionen Euro zu, der Umsatz um 12,9 Prozent auf 471 Millionen Euro. Das EBIT blieb mit minus 6,7 Millionen Euro negativ, verbesserte sich jedoch gegenüber dem Vorjahreswert von minus 7,6 Millionen Euro.
Zukäufe drücken den freien Cashflow
Der Free Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 99 Millionen Euro, nachdem Jungheinrich ein Jahr zuvor 57 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Ausschlaggebend waren insbesondere Mittelabflüsse für strategische Beteiligungen an EP Equipment und Navflex.
Vorstandschef Lars Brzoska sieht den Konzern trotz Wettbewerbs- und Preisdruck strategisch auf Kurs. Jungheinrich investiert nach seinen Angaben weiter in Automatisierung und Digitalisierung und will über Beteiligungen und Übernahmen zusätzliche internationale Wachstumsmöglichkeiten erschließen.
Jungheinrich korrigiert Ergebnisziele
Bereits am 23. Juli hatte der Vorstand die Jahresprognose für das ITS-Segment und damit für den Gesamtkonzern angepasst. Als Gründe nennt Jungheinrich unter anderem Nachwirkungen des Lüneburger Streiks, veränderte Materialkosten, intensiven Wettbewerb und den entfallenden Ergebnisbeitrag der früheren russischen Tochtergesellschaft.
Für 2026 erwartet Jungheinrich nun einen Auftragseingang zwischen 5,5 und 6,1 Milliarden Euro sowie einen Umsatz von 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro. Die EBIT-Prognose wurde von bislang 380 bis 450 Millionen auf 340 bis 400 Millionen Euro reduziert. Die erwartete EBIT-Marge sinkt entsprechend von zuvor 7,2 bis 8,0 Prozent auf 6,2 bis 7,0 Prozent.
Free-Cashflow-Prognose deutlich reduziert
Beim Ergebnis vor Steuern erwartet der Konzern noch 310 bis 370 Millionen Euro statt zuvor 350 bis 420 Millionen Euro. Besonders deutlich fällt die Anpassung beim Free Cashflow aus: Statt mehr als 250 Millionen Euro rechnet Jungheinrich nun mit einem Wert von über 50 Millionen Euro. Dabei berücksichtigt der Konzern unter anderem Investitionen in EP Equipment, Navflex und All Lift.
Die Prognose für das Automatisierungssegment AWE bleibt unverändert. Hier erwartet Jungheinrich 2026 einen Auftragseingang zwischen 1,0 und 1,2 Milliarden Euro und einen Umsatz von 0,9 bis 1,1 Milliarden Euro. Das Segment soll ein EBIT zwischen null und 15 Millionen Euro erreichen.






