ANZEIGE

ANZEIGE

Kein Investor: Kahla-Porzellan muss Produktion zum Jahresende einstellen

Porzellan Tassen von Kahla in der Manufaktur
Foto: Kahla

Key takeaways

➟ Kahla-Porzellan stellt die Produktion zum Jahresende 2026 ein. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und eine erfolglose Investorensuche besiegeln das Aus nach 182 Jahren.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die traditionsreiche Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH stellt ihren Geschäftsbetrieb zum Jahresende 2026 ein. Wie die Tagesschau zuerst berichtet, konnte nach monatelanger Suche konnte kein Investor gefunden werden, der eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung ermöglicht hätte. Betroffen sind 96 Beschäftigte. Damit endet am Standort südlich von Jena eine Porzellanproduktion, deren Geschichte bis ins Jahr 1844 zurückreicht.

Investorensuche bleibt ohne Erfolg

Insolvenzverwalter Rolf Rombach hatte im Rahmen des im März eröffneten Insolvenzverfahrens über Monate mit möglichen Interessenten verhandelt. Zuletzt lagen Hoffnungen auf Investoren aus der Türkei, doch auch diese Gespräche führten nicht zu einer Übernahme.

Die Produktion soll nun schrittweise heruntergefahren werden. Bestehende Aufträge werden nach Möglichkeit noch abgearbeitet. Warenbestände sollen über Werksverkauf und Onlinehandel teilweise bis in die ersten Monate des Jahres 2027 verkauft werden. Parallel dazu wird die Zahl der Beschäftigten reduziert.

Anzeige

Gewinnen in der Plattform-Ökonomie

von Alexander Graf – der Leitfaden für Handelsentscheider
★★★★☆ 4,4 / 5 Sterne
Jetzt bei Amazon entdecken

Energiekosten belasten das Geschäftsmodell

Als wesentlichen Grund für das Scheitern nennt die Insolvenzverwaltung die hohen Energiekosten. Für die Porzellanproduktion sind energieintensive Brennprozesse unverzichtbar, wodurch die Wirtschaftlichkeit besonders stark von Gas- und Strompreisen abhängt.

Bereits während des Insolvenzverfahrens liefen die Öfen nicht mehr dauerhaft. Stattdessen wurde die Produktion gebündelt und möglichst nur dann gebrannt, wenn die Anlagen ausreichend ausgelastet waren. Schon Anfang 2023 hatte Kahla zeitweise vor einem Produktionsstopp gestanden, nachdem sich der Gaspreis nach Unternehmensangaben zeitweise versechsfacht hatte.

Schwache Nachfrage verschärfte die Lage

Die erneute Insolvenz lässt sich allerdings nicht allein mit den Energiekosten erklären. Bei der Antragstellung Ende Februar 2026 verwies das Unternehmen auch auf eine schwächere Messe- und Ordersaison sowie auf Kaufzurückhaltung in der Gastronomie.

Der Jahresumsatz stagnierte zuletzt bei rund sieben bis acht Millionen Euro. Zwar war die Auftragslage nach Angaben der Insolvenzverwaltung grundsätzlich ordentlich, doch die Erlöse reichten nicht aus, um Verluste der vergangenen Jahre und die bestehende Kostenstruktur dauerhaft zu tragen. Auch eine mögliche Unterstützung durch das Land Thüringen hätte einen finanzstarken Investor und ein tragfähiges Zukunftskonzept vorausgesetzt.

Zweite Insolvenz innerhalb von sechs Jahren

Für Kahla ist es bereits die zweite Insolvenz innerhalb kurzer Zeit. 2020 war der damalige Porzellanhersteller mit rund 250 Beschäftigten zahlungsunfähig geworden. Anschließend wurde der Betrieb über eine neu gegründete Gesellschaft fortgeführt.

Der Neustart sollte das Unternehmen schlanker und wettbewerbsfähiger machen. In den folgenden Jahren kamen jedoch Pandemieeffekte, hohe Energiepreise und eine schwierige Konsum- und Gastronomiekonjunktur hinzu. Im Februar 2026 musste erneut Insolvenzantrag gestellt werden.

Traditionsstandort verschwindet

Die industrielle Geschichte von Kahla reicht bis 1844 zurück. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen zu einem bedeutenden deutschen Porzellanhersteller und war während der DDR-Zeit Teil eines großen Feinkeramikverbundes mit zeitweise rund 18.000 Beschäftigten.

Nach der Wiedervereinigung folgten Privatisierung, Konkurs und 1994 ein Neustart unter dem früheren Rosenthal-Manager Günther Raithel. Kahla positionierte sich anschließend stärker über modernes Design, Hotelporzellan und technische Produktideen. Zahlreiche internationale Designauszeichnungen stärkten die Marke, konnten die strukturellen Belastungen der Produktion langfristig aber nicht ausgleichen.

Mit der Schließung endet nun die industrielle Fertigung am historischen Standort. Ob die Marke Kahla selbst weiterbesteht, ist noch offen. Markenrechte, Designs, Maschinen, Immobilien und weitere Vermögenswerte können im weiteren Insolvenzverfahren separat verwertet werden. Damit ist eine Fortführung des Namens ohne Produktion in Kahla grundsätzlich weiterhin möglich.

Must-read

ANZEIGE
JANGER E-Commerce
Wer als Shop-Betreiber, E-Commerce Manager oder Gründer einer E-Commerce-Marke erfolgreich werden möchte, muss drei grundsätzliche Faktoren, Verkaufspsychologie, Außendarstellung und Design sowie Nutzererlebnis, verinnerlichen.

Top-News

Sponsored

Sponsored