Seit Januar 2026 gilt in Deutschland ein neuer gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Wie eine aktuelle Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter knapp 15.000 Unternehmen zeigt, betrifft die Anhebung nicht nur Arbeitgeber, die bislang Mindestlohn gezahlt haben. Vielmehr sehen sich zahlreiche Betriebe gezwungen, auch höhere Löhne anzuheben – ein Dominoeffekt, der die gesamte Lohnstruktur verändert.
Auch höhere Lohngruppen betroffen
Laut DIHK ist jedes vierte Unternehmen direkt von der neuen Mindestlohngrenze betroffen, da es Mitarbeitende zu diesem Lohn beschäftigt. Besonders stark trifft es Gastronomie und Einzelhandel: In der Gastronomie zahlt jeder zweite Betrieb den Mindestlohn, im Einzelhandel ist es gut jeder dritte. Die Bauwirtschaft hingegen meldet mit 17 Prozent die geringste Betroffenheit.
Doch die Auswirkungen reichen weit über diese Gruppe hinaus. 40 Prozent der befragten Unternehmen geben an, auch Löhne oberhalb des Mindestlohns anheben zu müssen – in der Industrie sogar fast jeder zweite Betrieb. Grund dafür sei der notwendige Abstand zwischen verschiedenen Lohnstufen, wovor im Vorfeld zahlreiche Experten gewarnt hatten. DIHK-Präsident Peter Adrian betont: „Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, nicht nur am unteren Ende.“
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Preissteigerungen und Personalabbau erwartet
Die wirtschaftlichen Folgen sind beträchtlich: 40 Prozent der Unternehmen planen als Reaktion auf die gestiegenen Personalkosten Preiserhöhungen. 13 Prozent erwägen, Personal abzubauen – in Gastronomie und Einzelhandel sogar mehr als 20 Prozent. Nur sieben Prozent der Betriebe beabsichtigen, ihr Angebot einzuschränken.
Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche Lage. „Es entstehen aktuell ohnehin kaum neue Arbeitsplätze“, so Adrian. Deutschland sei im internationalen Vergleich bereits ein Hochlohnland, und steigende Löhne sowie Sozialabgaben belasteten die Wettbewerbsfähigkeit. Der DIHK fordert daher politische Maßnahmen, etwa zur Begrenzung der Sozialabgaben durch eine Reform der Rentenpolitik.


