MissPompadour bringt digitale DIY-Beratung erstmals großflächig in den stationären Handel und überführt damit ein konsequent online entwickeltes Geschäftsmodell an den Point of Sale. In einer exklusiven Kooperation mit HORNBACH stattet der Farbspezialist zunächst 94 Märkte in Deutschland mit interaktiven Beratungsstationen aus. Insgesamt sollen europaweit 150 Standorte folgen. Die Verbindung aus digitaler Projektlogik und physischem Einkauf gilt für beide Partner als strategischer Meilenstein.
Vom digitalen Geschäftsmodell zur stationären Präsenz
Seit der Gründung 2019 hat MissPompadour ein E-Commerce-Modell aufgebaut, das Beratung, Community-Interaktion und Social Media eng verzahnt. Kundinnen und Kunden erhalten nicht nur Farben, sondern komplette Projektlösungen – inklusive Materialbedarf, Anwendungshinweisen und Inspirationen. Diese Logik überträgt das Unternehmen nun erstmals in den Baumarkt. Ziel ist es, die digitale Beratungskompetenz ohne Verzögerung direkt an das Regal zu bringen und gleichzeitig den Sofortkauf im Markt zu ermöglichen. CEO Erik Reintjes betont, dass die Community die gewohnte Beratungsqualität nun auch offline erwarten könne.
Während viele digitale Marken im Handel lediglich Regalflächen belegen, integriert MissPompadour ein Kernstück seines Geschäftsmodells – die projektorientierte Beratung – unmittelbar in die stationäre Umgebung. Damit erweitert das Unternehmen seine Vertriebskanäle, ohne die Marken-DNA aufzugeben.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Digitale Projektberatung direkt im Markt
Im Zentrum des Rollouts stehen pink-weiße POS-Terminals, die in der Farbabteilung platziert werden. Die Stationen führen Schritt für Schritt durch unterschiedliche Streichprojekte und berechnen passend dazu den Materialbedarf. Außerdem empfehlen sie geeignete Farben, Lacke oder Versiegelungen und geben verständliche Hinweise zu Arbeitsschritten sowie zur richtigen Reihenfolge der Produkte. Eine Bestellfunktion ist bewusst nicht integriert; stattdessen erhalten Kundinnen und Kunden eine sofort nutzbare Projektübersicht für den Einkauf im Markt. Alternativ kann die Beratung per QR-Code auf das Smartphone übertragen werden.
Ergänzt wird der Prozess durch eine große Auswahl an Community-Projekten, die als Inspiration dienen. MissPompadour macht damit das digitale Storytelling physisch erlebbar – ein zentraler Treiber des bisherigen Markenwachstums.
Sortiment und operative Umsetzung
Das verfügbare Sortiment ist breit angelegt. Mehr als 120 Farbtöne sind bei HORNBACH erhältlich, in 70 Märkten können Farben vor Ort angemischt werden. Zusätzlich stehen neun vorgemischte Lacke (1 Liter) sowie sieben Wandfarben (2,5 Liter) direkt zur Verfügung. Zubehör, Farbkarten, Reiniger und Versiegelungen ergänzen das Angebot.
Für den europaweiten Rollout investiert MissPompadour rund eine Million Euro. Die POS-Integration erfolgt in drei Varianten – vom kompakten Palettenpräsenter bis zum umfangreichen Schwerlastregal. Zudem entsteht ein neues Retail-Team mit zehn Mitarbeitenden. Eine zusätzliche Logistikhalle in Kirchroth bei Straubing unterstützt die Belieferung der Märkte. Die deutschen Standorte sollen bis Ende März 2026 vollständig ausgestattet sein, weitere europäische Länder folgen im Anschluss.
Bedeutung für beide Unternehmen
Für MissPompadour ist der Schritt eine Erweiterung des Geschäftsmodells und ein Zugang zu neuen Zielgruppen, ohne die Beratungsorientierung zu verlieren. HORNBACH wiederum erhält ein digitales Differenzierungsmerkmal für eine beratungsintensive Kategorie. In einem Markt, der stark über Preise konkurriert, setzt die Kooperation bewusst auf Mehrwert und höhere Beratungsqualität. Der Einsatz der Terminals kann die Aufenthaltsdauer erhöhen und komplexe Kaufentscheidungen erleichtern.
Vom Start-up zur europäischen Wachstumsmarke
MissPompadour wurde 2019 von Astrid und Erik Reintjes sowie Niklas Lütteken gegründet und beschäftigt heute rund 170 Mitarbeitende, überwiegend remote. Neben dem Hauptsitz in Sinzing betreibt das Unternehmen Logistikstandorte in Kirchroth und Laaber, das Tech-Team sitzt in Helsinki. Die Marke bietet drei Eigenlinien und über 150 Farbtöne, die ausschließlich in Deutschland und angrenzenden Ländern produziert werden. Onlineshops existieren in der DACH-Region, Frankreich und den Niederlanden.
Mit rund einer Million Followern in App und sozialen Medien hat sich MissPompadour eine starke Community aufgebaut. Auszeichnungen als Wachstumschampion 2025 und 2026 sowie Erwähnungen in internationalen Rankings unterstreichen die Dynamik. Der Schritt in den stationären Handel ist daher weniger ein Experiment als die nächste systematische Skalierungsstufe eines digital geprägten Geschäftsmodells.


