Der deutsche Mittelstand blickt deutlich zurückhaltender auf das Geschäftsjahr 2026 als vergleichbare Unternehmen im europäischen Ausland. Besonders groß ist der Abstand im Dienstleistungssektor, wo deutsche Unternehmen sowohl beim Umsatzwachstum als auch bei der EBIT-Marge klar niedrigere Erwartungen haben. Das zeigt die Horváth-Studie „Business Performance im deutschen Mittelstand“.
Für die Untersuchung wurden mehr als 370 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder mittelgroßer Unternehmen aus 16 Branchen in Deutschland befragt. Die Ergebnisse wurden mit einer Stichprobe von 1.000 überwiegend europäischen Unternehmen verglichen.
Dienstleister in Deutschland bleiben deutlich zurück
Europäische Dienstleistungsunternehmen wollen ihre EBIT-Marge 2026 von 13,5 auf 14,2 Prozent steigern. Deutsche Mittelständler rechnen dagegen nur mit 10,2 Prozent und damit sogar mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
Auch beim Umsatz zeigt sich ein großer Abstand. Deutsche Dienstleister erwarten ein Plus von 4,4 Prozent, während die europäische Vergleichsgruppe mit 8,2 Prozent nahezu doppelt so stark wachsen will. Beim Personal planen deutsche Unternehmen lediglich ein Plus von 0,5 Prozent gegenüber 1,7 Prozent in Europa.
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Industrie zeigt kleineres, aber weiterhin klares Gefälle
Bei Industrieunternehmen fällt die Differenz geringer aus. Deutsche Mittelständler rechnen mit einer EBIT-Marge von 7,4 Prozent, europäische Hersteller mit 9,5 Prozent. Beim Umsatz liegen die Erwartungen bei 5,2 Prozent in Deutschland und 6,0 Prozent im europäischen Vergleich.
Auch der Beschäftigungsaufbau bleibt schwächer. Während europäische Industrieunternehmen ihre Belegschaften im Schnitt um 2,2 Prozent ausbauen wollen, planen deutsche Hersteller lediglich 0,8 Prozent Wachstum.
Kostendruck treibt Effizienzprogramme
Horváth zufolge reagieren viele Unternehmen auf das schwache Umfeld mit Kostenoptimierung, Produktivitätsprogrammen und Verlagerungen in Wachstumsmärkte. Automatisierung und KI sollen dazu beitragen, mit stabilen oder nur leicht wachsenden Belegschaften mehr Leistung zu erzielen.
Der Beratungsansatz warnt jedoch davor, sich ausschließlich auf Kostensenkungen zu konzentrieren. Für nachhaltiges Wachstum müsse das Kerngeschäft weiterentwickelt und Kapital gezielt in zukunftsfähige Aktivitäten investiert werden.
Beschäftigung in Deutschland stagniert weitgehend
Die Studie unterstreicht damit ein strukturelles Problem: Während Unternehmen im europäischen Ausland moderates Wachstum bei Umsatz, Ergebnis und Beschäftigung erwarten, bleiben deutsche Mittelständler defensiver.
Vor allem im Dienstleistungssektor ist der Abstand deutlich. Der deutsche Mittelstand setzt 2026 stärker auf Produktivität und Effizienz als auf kräftigen Personalaufbau und expansive Wachstumspläne.


