Myflexbox hat mit einer neuen Paketstation in Rostock die Marke von 1.000 Städten und Gemeinden in seinem deutsch-österreichischen Netzwerk erreicht. Die Expansion des Salzburger Unternehmens steht zugleich für einen Wandel auf der letzten Meile: Neben geschlossenen Netzen einzelner Paketdienste gewinnen anbieterübergreifend nutzbare Stationen an Bedeutung.
Die neue Anlage am Seelotsenring 14 entstand laut Myflexbox gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft WIRO. In Deutschland ist Myflexbox inzwischen in mehr als 800 Kommunen vertreten, in Österreich kommen über 270 hinzu.
Standortpartnerschaften treiben den Ausbau
Das Wachstum von Myflexbox basiert wesentlich auf Kooperationen mit Immobilienunternehmen und Betreibern stark frequentierter Standorte. Paketstationen entstehen unter anderem an Wohnimmobilien, Handelsstandorten und Tankstellen.
Für Eigentümer können die Automaten einen zusätzlichen Service für Mieter oder Kunden darstellen. Für Paketdienste bieten zentrale Abholpunkte wiederum die Möglichkeit, mehrere Sendungen gebündelt zuzustellen und damit einzelne Fahrten zur Haustür zu reduzieren.
Noch im Oktober 2025 hatte Myflexbox 1.500 Stationen in 500 Städten in Deutschland und Österreich gemeldet. Anfang 2026 folgte die 1.000. Station allein auf dem deutschen Markt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Paketautomaten werden wichtiger für die letzte Meile
Der Ausbau findet in einem schnell wachsenden Markt statt. Nach Angaben des Branchenverbands BPEX gab es 2025 in Deutschland rund 23.000 Paketautomaten mit insgesamt etwa 1,9 Millionen Fächern. DHL verfügt inzwischen über mehr als 18.500 Pack- und Poststationen.
Hinter dem Wachstum steht insbesondere die effizientere Bündelung von Zustellungen. Gleichzeitig können Empfänger Sendungen unabhängig von klassischen Zustellzeitfenstern abholen und Retouren über entsprechende Standorte abgeben.
Der BPEX erwartet deshalb einen weiteren Bedeutungsgewinn der Out-of-Home-Zustellung. In dicht besiedelten urbanen Regionen könnte deren Anteil bis 2030 auf 25 bis 30 Prozent steigen.
Offene Stationen schaffen ein alternatives Infrastrukturmodell
Neben proprietären Automaten einzelner Logistikunternehmen entwickelt sich ein anbieterneutrales Modell. Dabei können mehrere Paketdienste dieselbe Station nutzen. Für Kommunen und Immobilieneigentümer reduziert sich dadurch potenziell der Bedarf an mehreren parallelen Automaten verschiedener Anbieter.
Auch andere Logistiker investieren in gemeinsam genutzte Infrastruktur. DPD und GLS bauen unter der Marke inboxx ein gemeinsames Out-of-Home-Netz auf. Bis Ende 2027 soll es 20.000 nutzbare Punkte umfassen, darunter bis zu 6.000 Paketstationen.
Damit verlagert sich der Wettbewerb zunehmend auf die Frage, wer ein möglichst dichtes und für mehrere Anbieter nutzbares Netz attraktiver Abhol- und Retourenpunkte bereitstellen kann.
Amazon erhöht die Reichweite des offenen Netzwerks
Für Myflexbox hängt der Wert des Netzes wesentlich davon ab, wie viele Paketdienste die vorhandenen Stationen nutzen. Neben DPD, GLS, UPS und FedEx ist seit Juli 2026 auch Amazon an das deutsche Netzwerk angeschlossen.
Mit jedem zusätzlichen Logistikpartner steigt der potenzielle Nutzen einer Station für Empfänger und Standortpartner. Myflexbox positioniert sich damit als unabhängige Infrastruktur zwischen Paketdiensten, Immobilienwirtschaft, Handel und Verbrauchern.
Der Meilenstein von 1.000 Kommunen unterstreicht die wachsende Reichweite dieses Modells. Ob offene Paketstationen langfristig zu einer flächendeckenden Alternative zu proprietären Netzen werden, dürfte vor allem davon abhängen, wie weit Paketdienste ihre bislang getrennten Infrastrukturen für gemeinsam genutzte Systeme öffnen.




