OTTO erweitert seine E-Commerce-Plattform für KI-gestützte Einkaufsprozesse. Gemeinsam mit dem konzerneigenen Technologiepartner one.O hat der Onlinehändler eine Schnittstelle auf Basis des Model Context Protocol (MCP) geschaffen. Ein neues ChatGPT-Plugin ermöglicht die externe Produktberatung für mehr als 19 Millionen Artikel. Wie das Hamburger Unternehmen in einer Pressemitteilung darstellst, testet OTTO parallel auch Werbeanzeigen in ChatGPT
ChatGPT-Plugin ermöglicht Produktsuche
Über den Plugin-Bereich von ChatGPT, vormals die „eigenen GTPs“, können Nutzer die OTTO-Erweiterung installieren und mit „@OTTO“ eine Produktberatung starten. Die KI unterstützt beispielsweise bei der Auswahl von Haushaltsgeräten oder Kaffeemaschinen anhand individueller Anforderungen.
Passende Produkte werden aus dem OTTO-Sortiment vorgeschlagen. Für den Kauf wechseln Kunden anschließend zum Onlineshop, wo sie die Bestellung abschließen und zusätzliche Leistungen wie Montage oder Installation buchen können.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
MCP schafft technische Grundlage für KI-Agenten
Die Integration basiert auf einem API-Endpunkt, den Otto Group one.O mithilfe des offenen Standards MCP entwickelt hat. Dadurch können externe KI-Anwendungen über standardisierte Schnittstellen mit ausgewählten Systemen der Handelsplattform kommunizieren.
Langfristig sollen KI-Agenten darüber hinaus aktuelle Preise und Warenbestände abrufen, Bestellungen auslösen oder Rechnungsdaten in ERP-Systemen bearbeiten können. Diese Funktionen beschreibt OTTO als zukünftige Einsatzmöglichkeiten und nicht als bereits vollständig verfügbare Leistungen.
Frederike del Castillo, Head of Strategy Implementation & Insights bei OTTO, sieht in gemeinsamen Protokollstandards eine wichtige Voraussetzung für den Agentic Commerce. Das ChatGPT-Plugin dient zunächst dazu, praktische Erfahrungen mit der Integration dynamischer Schnittstellen zu sammeln.
Eigener KI-Assistent steigert Bestellwerte
Bereits seit März 2026 nutzt OTTO auf seiner eigenen Plattform einen sprachgesteuerten Einkaufsassistenten auf Basis von Google-Technologie. Dieser ermöglicht die Produktberatung im gesprochenen Dialog und ergänzt nun das externe Angebot über ChatGPT.
Nach Unternehmensangaben erzielt der Assistent gegenüber der klassischen Suche bis zu 37 Prozent höhere Bestellwerte und eine doppelt so hohe Conversion. Die Kennzahlen beziehen sich ausschließlich auf die unternehmenseigene Anwendung, nicht auf das neue ChatGPT-Plugin.
OTTO erprobt Werbung in ChatGPT
Seit September 2026 beteiligt sich OTTO nach eigenen Angaben als einer der ersten europäischen Partner an einem Test von ChatGPT Ads. Damit möchte der Onlinehändler zusätzliche Sichtbarkeit in KI-gestützten Einkaufsprozessen gewinnen.
Die bisherigen Ergebnisse bewertet OTTO als vielversprechend und prüft deshalb einen dauerhaften Einsatz. Konkrete Zahlen zur Werbewirkung oder Wirtschaftlichkeit nennt das Unternehmen nicht.
Besonderen Wert legt OTTO auf eine erkennbare Unterscheidung zwischen bezahlten Anzeigen und organischen Empfehlungen. Nach Einschätzung von del Castillo ist diese Transparenz entscheidend, um das Vertrauen der Verbraucher in KI-basierte Einkaufsangebote zu erhalten.
OTTO baut Präsenz außerhalb des Onlineshops aus
Mit dem Plugin, der MCP-Anbindung und den Werbetests verfolgt OTTO eine Strategie für neue digitale Einkaufskanäle. Produkte sollen zunehmend auch über externe KI-Anwendungen gefunden und empfohlen werden können.
Während die Produktberatung über ChatGPT einen ersten konkreten Anwendungsfall darstellt, bleibt die weitgehend automatisierte Abwicklung durch KI-Agenten ein längerfristiges Ziel. Der eigentliche Kaufabschluss erfolgt weiterhin über die OTTO-Plattform.




