Picnic treibt die Automatisierung in der Logistik weiter voran. Das niederländische Online-Supermarktunternehmen integriert zunehmend Roboterarme in seine Kommissionierprozesse und verfolgt dabei ein klar strukturiertes Ziel: effizientere Abläufe bei gleichbleibend hoher Qualität. Bereits seit Jahren setzt Picnic auf Automatisierung in seinen Fulfillment-Zentren. Der Standort in Oberhausen etwa arbeitet mit rund 1.500 robotergesteuerten Systemen.
Wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag detailliert, ist ein weiterer Schritt der gezielte Einsatz von Roboterarmen an Pickstationen. Im Lager in Dordrecht unterstützen vier solcher Systeme bereits den Versand, indem sie volle Kisten in Gestelle verladen, die anschließend in Elektrofahrzeugen an die Kunden ausgeliefert werden.
Kommissionierung bleibt arbeitsintensiv
Trotz des hohen Automatisierungsgrades sind viele Prozesse noch von Handarbeit geprägt. Besonders das Kommissionieren – das gezielte Zusammenstellen von Kundenbestellungen – ist personalintensiv. Picnic nutzt dabei sogenannte Goods-to-Person-Stationen (GTP), bei denen Lager- und Bestellkisten automatisch zur Bedienperson geführt werden. Genau hier setzt das Robotikprojekt an: Die Pickstationen bieten eine ideale Umgebung, um Roboterarme zu integrieren.
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Ziele des Roboterprojekts
Mit dem Projekt verfolgt Picnic mehrere operative und strategische Ziele. Roboter sollen insbesondere in Randzeiten wie nachts, an Wochenenden oder während Pausen einspringen und dadurch die Flexibilität erhöhen. Zudem liefert der Einsatz belastbare Leistungsdaten, die künftige Automatisierungsschritte fundieren sollen.
Testreihen helfen dabei, die Grenzen der Technik auszuloten: Welche Produkte lassen sich zuverlässig greifen? Welche Mengen kann ein Roboter in einem Schichtzyklus bearbeiten? Wie reagiert die Technik bei Fehlern oder Abweichungen? Jede Phase wird dokumentiert und ausgewertet.
Technische und physische Grenzen
Doch trotz aller Fortschritte bleiben Herausforderungen: Manche Produkte wie Bananen oder Eier sind schwer automatisierbar, ebenso wie teure oder zerbrechliche Waren. Auch das Tempo der menschlichen Picker bleibt bisher unerreicht. Hinzu kommen Einschränkungen bei der Kistenauslastung, da Roboter nicht flexibel umsortieren können.
Daher hat Picnic ein intelligentes Filtersystem entwickelt: Produkte, die sich nicht für die Roboter eignen, werden gezielt ausgeschlossen. Bei Bestellungen, die teils manuell, teils maschinell bearbeitet werden, übernimmt der Roboter nur den automatisierbaren Anteil. Restmengen wandern automatisch an eine manuelle Station.
Integration ins IT-System
Technisch basiert der Roboterbetrieb auf der bestehenden IT-Infrastruktur. Die Roboter agieren über die Schnittstellen der sogenannten Warehouse Client Fixed (WCF) Stationssoftware, die den Mitarbeitenden Anweisungen gibt. Statt menschlicher Interaktion greifen die Roboter auf dieselben APIs zu, wodurch die Integration schlank bleibt. Die Softwarepartner der Roboterhersteller sind für die API-Anbindung verantwortlich.
Monitoring und Echtzeitüberwachung
Eine umfassende Überwachung ist entscheidend für einen störungsfreien Betrieb. Picnic nutzt dafür mehrere Systeme: Neben dem sogenannten Analyst UI Driver, einer vereinfachten Stationsoberfläche für die manuelle Kontrolle, fließen alle Ereignisse als analytische Events in das Data Warehouse. Auf dieser Basis lassen sich Echtzeit-Dashboards in Grafana betreiben, die unter anderem Pick-Zeiten, Produktperformance oder Fehlermeldungen erfassen. Ergänzend liefert ein SCADA-System der Hersteller Einblicke in den Maschinenzustand.
Skalierung mit Augenmaß
Langfristig soll das System an allen Pickstationen ausgerollt werden – jedoch nicht zur vollständigen Ablösung menschlicher Arbeitskraft. Vielmehr versteht Picnic die Roboter als Ergänzung, um Kapazitäten effizienter zu nutzen. Bereits heute zeigen die Versuche, dass das Zusammenspiel von Mensch und Maschine die Gesamtleistung verbessern kann. Entscheidend bleibt dabei stets: Die Technik soll den Menschen unterstützen – nicht ersetzen.


