Die Finanzaufsicht BaFin warnt in ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2026“ vor zunehmenden Spannungen am Finanzmarkt. Zwar seien Banken und Versicherer solide aufgestellt, doch gleichzeitig steigen die Risiken für die Stabilität des Systems. Neben Marktrisiken und geopolitischen Unsicherheiten rücken erstmals auch konkrete Verbraucherrisiken in den Fokus.
Optimismus trotz fragiler Lage
Die Stimmung an den Finanzmärkten ist laut BaFin zu positiv. Hohe Bewertungen, Investitionseuphorie bei Künstlicher Intelligenz und politische Unsicherheiten könnten jederzeit zu plötzlichen Marktbewegungen führen. BaFin-Präsident Mark Branson sieht darin eine gefährliche Gemengelage. Er warnt: „Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss.“
Trotzdem zeigt sich der Finanzsektor robust. Die Inflation ist in der Eurozone rückläufig, das Zinsumfeld bleibt stabil und staatliche Investitionen könnten der Wirtschaft neuen Schwung geben. Doch Branson verweist auf unterschätzte Risiken: hohe Verschuldung westlicher Staaten, militärische Konflikte und ein zunehmender politischer Druck auf Institutionen, der im Krisenfall Reaktionsfähigkeit kosten könnte.
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Neue Risiken für Verbraucher im Visier
Erstmals analysiert die BaFin auch direkte Gefahren für Verbraucher. Besonders im Bereich Konsumentenkredite sieht sie Probleme: „Buy now, pay later“-Angebote und kleine Kredite ohne Bonitätsprüfung führen häufig zu unkontrollierter Verschuldung. Laut Creditreform waren im November 2025 rund 5,7 Millionen Menschen überschuldet – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Boom von Kryptowährungen bereitet Sorgen. Soziale Medien und sogenannte Finfluencer treiben laut BaFin viele Privatleute zu spekulativen Investments. Diese bergen hohe Verlustrisiken und machen Nutzer anfällig für unseriöse Anbieter. Die Aufsicht will daher Krypto-Anbieter stärker kontrollieren und über die Risiken aufklären.
Kreditrisiken und Schattenbanken
Ein weiteres zentrales Thema im Bericht sind notleidende Kredite. Mit steigenden Insolvenzen wächst der Druck auf Banken. Gleichzeitig verstärkt sich die Verflechtung traditioneller Institute mit Private-Debt-Fonds, also nicht regulierten Finanzvehikeln. Diese Verbindung erhöht laut BaFin die Gefahr systemischer Risiken, da Kapital außerhalb klassischer Kontrollmechanismen verliehen wird.
Die BaFin kündigt für 2026 eine intensive Überwachung dieser Entwicklungen an. Ziel sei es, sowohl die Finanzstabilität zu sichern als auch Verbraucher wirksam vor Überschuldung, Fehlinvestitionen und unseriösen Angeboten zu schützen.


