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Startup-Verband fordert Reformen für Wachstum und Innovation in Deutschland

STARTUP auf einem Laptop
Foto: Depositphotos.com

Key takeaways

➟ Der Startup-Verband fordert zehn Reformen für mehr Wachstum. Trotz Rekordgründungen und steigender Investitionen bremsen Finanzierungslücken und regulatorische Hürden die Entwicklung wettbewerbsfähiger Technologieunternehmen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der Bundesverband Deutsche Startups fordert weitreichende Veränderungen bei der Finanzierung und den Rahmenbedingungen junger Technologieunternehmen. In seinem im Oktober 2026 veröffentlichten E-Paper „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“ formuliert der Verband zehn zentrale Forderungen. Ziel ist es, innovative Unternehmen nicht nur in Deutschland zu gründen, sondern ihnen auch den Aufstieg zu international wettbewerbsfähigen Technologiekonzernen zu ermöglichen.

Rekordgründungen treffen auf Finanzierungslücken

Die deutsche Startup-Szene wächst deutlich. Im ersten Halbjahr 2026 entstanden nach Verbandsangaben 3.053 neue Unternehmen. Für das Gesamtjahr werden rund 6.000 Gründungen erwartet, etwa 70 Prozent mehr als 2025.

Auch die Kapitalzuflüsse steigen. Laut EY erhielten deutsche Startups in den ersten sechs Monaten 5,3 Milliarden Euro Risikokapital, ein Plus von 14 Prozent. Im dritten Quartal kamen nach Angaben von KfW Capital weitere 4,5 Milliarden Euro hinzu. Die Zahl der deutschen Unicorns erhöhte sich auf 43.

Dennoch fehlen insbesondere bei Finanzierungsrunden zwischen 50 und 100 Millionen Euro europäische Investoren. Rund zwei Drittel des eingesetzten Kapitals stammen bereits aus dem Ausland.

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Altersvorsorge soll zusätzliches Risikokapital mobilisieren

Um größere Wachstumsfinanzierungen zu ermöglichen, will der Verband institutionelle Anleger stärker einbinden. Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke sollen leichter in Venture-Capital-Fonds investieren können.

Vorgeschlagen werden eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge und breit gestreute Dachfonds, die Investitionsrisiken auf zahlreiche Unternehmen verteilen.

Zudem soll die 2024 gestartete WIN-Initiative erweitert werden. Sie sieht private Investitionszusagen von rund zwölf Milliarden Euro bis 2030 vor. Bis Ende 2025 waren laut KfW bereits 2,64 Milliarden Euro mobilisiert.

Flexibleres Arbeitsrecht und bessere Mitarbeiterbeteiligung

Bei den Beschäftigungsbedingungen fordert der Startup-Verband mehr Flexibilität für schnell wachsende Technologieunternehmen. Dazu gehört ein angepasster Kündigungsschutz für hochbezahlte Beschäftigte in Spitzenpositionen.

Als Begründung verweist die Publikation auf hohe Restrukturierungskosten. Eine Auswertung von 250 Unternehmensumbauten beziffert diese in Deutschland auf durchschnittlich 31 Monatsgehälter, gegenüber sieben in den USA.

Gleichzeitig sollen Mitarbeiterbeteiligungen attraktiver werden. Sozialversicherungsbeiträge sollen erst entstehen, wenn Beschäftigte tatsächlich Erlöse aus ihren Anteilen erhalten. Eine neue Anteilsklasse im GmbH-Recht könnte die Umsetzung vereinfachen.

Unternehmensgründung soll innerhalb von 24 Stunden möglich sein

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Abbau administrativer Hürden. Der Verband verlangt bundesweit digitale Gründungsverfahren, mit denen Unternehmen innerhalb eines Tages vollständig handlungsfähig werden.

Dazu zählen neben der Registrierung auch die Möglichkeit zur Rechnungsstellung und die Nutzung eines Geschäftskontos.

Eine zentrale digitale Anlaufstelle soll Behördengänge bündeln. Bereits erfasste Daten sollen nicht mehrfach eingereicht werden müssen. Ergänzend fordert der Verband einen Stopp zusätzlicher bürokratischer Belastungen.

Forschung und öffentliche Aufträge als Wachstumstreiber

Die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in marktfähige Produkte soll erleichtert werden. Insbesondere bei DeepTech-Gründungen sieht der Verband Hindernisse durch komplexe Lizenzverhandlungen, ungeklärte Schutzrechte und fehlendes Kapital.

Gefordert werden eine nationale Strategie für geistiges Eigentum sowie bessere Bedingungen für Hochschulausgründungen.

Zudem soll die öffentliche Hand verstärkt als Erstkunde innovativer Unternehmen auftreten. Staatliche Beschaffung und langfristige Aufträge könnten jungen Technologieanbietern den Markteintritt erleichtern.

EU Inc. und Digital Markets Act sollen Wettbewerb stärken

Auf europäischer Ebene unterstützt der Verband die geplante Gesellschaftsform EU Inc. Sie soll grenzüberschreitende Gründungen vereinfachen und vollständig digitale Verfahren innerhalb von 48 Stunden ermöglichen.

Daneben fordert die Initiative eine konsequente Durchsetzung des Digital Markets Act. Große Plattformanbieter sollen ihre Marktstellung nicht zulasten kleinerer Wettbewerber einsetzen können.

Angesichts wachsender Abhängigkeiten bei Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz spricht sich der Verband außerdem für zusätzliche europäische Rechenkapazitäten aus.

Die Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung mit 152 Maßnahmen bewertet die Initiative als Grundlage. Entscheidend sei nun, die angekündigten Reformen tatsächlich umzusetzen.

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