Kurz vor der finalen Bundestagsentscheidung zum Steueränderungsgesetz 2025 formiert sich Widerstand aus der Wirtschaft. Der Handelsverband Deutschland (HDE) übt scharfe Kritik an zwei kurzfristig eingebrachten Änderungsanträgen der Regierungskoalition, die im Finanzausschuss des Bundestags eingebracht wurden. Besonders stößt dem Verband die geplante steuerliche Sonderbehandlung von Gewerkschaftsbeiträgen sowie die Neuregelung der Pauschalbesteuerung von Betriebsveranstaltungen auf.
Gewerkschaftsbeiträge künftig gesondert absetzbar
Bislang konnten Arbeitnehmer ihre Gewerkschaftsbeiträge nur im Rahmen des Werbungskostenpauschbetrags geltend machen – das heißt, sie wirkten sich steuerlich nur aus, wenn der Pauschbetrag überschritten wurde. Künftig sollen diese Beiträge zusätzlich und unabhängig davon abzugsfähig sein, was vor allem durch die SPD-Fraktion forciert wird. Der HDE wertet dies als faktische steuerliche Privilegierung von Gewerkschaftsmitgliedern und sieht dafür keine sachliche Rechtfertigung.
Der Verband äußert darüber hinaus deutliche Kritik am Verfahren: Vertreter der Arbeitgeberseite seien im Gesetzgebungsprozess nicht ausreichend beteiligt worden. Insbesondere bei Regelungen, die klar eine gesellschaftliche Interessengruppe begünstigen, sei ein solches Vorgehen nicht akzeptabel. HDE-Geschäftsführer Steven Haarke erklärte, dass die geplante Änderung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das falsche Signal sende und steuerpolitische Fairness unterlaufe.
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Sorge vor wachsender Bürokratie durch neue Vorgaben
Nicht weniger kritisch sieht der HDE die geplante Einschränkung der Pauschalbesteuerung von Betriebsveranstaltungen. Künftig soll diese steuerliche Erleichterung nur noch dann gelten, wenn alle Mitarbeitenden eines Betriebs oder eines klar definierten Betriebsteils zur Teilnahme eingeladen sind. Das würde vor allem bei größeren oder dezentral organisierten Unternehmen zu einem erheblichen Dokumentations- und Verwaltungsaufwand führen.
Der HDE warnt, dass Unternehmen im Ergebnis mit neuen bürokratischen Hürden belastet würden – ohne dass ein erkennbarer Nutzen daraus entstünde. Gerade in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit sei es problematisch, zusätzliche Pflichten aufzubauen, statt Entlastungen zu schaffen.
Die umstrittenen Änderungen sollen bereits am 4. Dezember gemeinsam mit dem Steueränderungsgesetz 2025 im Bundestag verabschiedet werden. Der HDE ruft die Abgeordneten dazu auf, beide Maßnahmen noch einmal kritisch zu hinterfragen und mögliche Auswirkungen auf die Praxis sowie die steuerliche Gleichbehandlung sorgfältig abzuwägen.


