US-Präsident Donald Trump sieht die Verhandlungen über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus offenbar kurz vor einem Durchbruch. Nach seinen Angaben auf Truth Social sei eine Vereinbarung zwischen den USA, dem Iran und weiteren regionalen Akteuren „weitgehend ausgehandelt“. Die strategisch wichtige Meerenge gilt als zentrale Lebensader des globalen Ölhandels und steht seit Monaten im Mittelpunkt geopolitischer Spannungen.
Trotz vorsichtiger Signale aus Washington bleiben jedoch zentrale Streitpunkte ungeklärt. Vor allem die Kontrolle über die Wasserstraße sowie das iranische Atomprogramm sorgen weiterhin für erhebliche Differenzen zwischen den Beteiligten.
Memorandum soll Grundlage für weitere Gespräche schaffen
Nach Angaben Trumps soll zunächst eine Absichtserklärung unterzeichnet werden, auf deren Basis innerhalb von 30 bis 60 Tagen weiterführende Verhandlungen stattfinden könnten. In die Gespräche seien neben den USA und dem Iran auch mehrere Staaten aus der Region eingebunden.
Dazu zählen unter anderem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Pakistan, die Türkei, Ägypten, Jordanien und Bahrain. Auch Israels Premierminister Benjamin Netanyahu sei in die Gespräche eingebunden worden.
Die Straße von Hormus war seit der militärischen Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar faktisch blockiert. Die Folgen waren weltweit spürbar: steigende Ölpreise, höhere Transportkosten und neue Inflationssorgen in zahlreichen Volkswirtschaften.
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Iran widerspricht Darstellung aus Washington
Aus Teheran kommen allerdings deutlich zurückhaltendere Signale. Wie CNBC berichtet, soll nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Fars die Straße von Hormus weiterhin unter iranischer Kontrolle bleiben. Die Darstellung einer vollständigen „Wiederöffnung“ entspreche demnach nicht dem tatsächlichen Stand der Gespräche.
Damit zeichnet sich bereits jetzt ein möglicher Konflikt über die Interpretation der Vereinbarung ab. Während westliche Staaten eine freie und uneingeschränkte Schifffahrt fordern, deutet der Iran auf einen fortbestehenden Einfluss auf die Kontrolle der Passage hin.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte mögliche Fortschritte auf X, betonte jedoch die Bedeutung sicherer und stabiler Handelsrouten für die Weltwirtschaft.
Atomprogramm vorerst offenbar ausgeklammert
Besonders kritisch wird bewertet, dass das iranische Atomprogramm offenbar bislang nicht Bestandteil der Vorvereinbarung ist. Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte laut Reuters, Teheran habe weder einer Übergabe hochangereicherten Urans zugestimmt noch sei die Nuklearfrage Teil des aktuellen Memorandums.
Für die USA galt die Begrenzung des iranischen Atomprogramms bislang jedoch als zentrale Voraussetzung für eine langfristige Stabilisierung der Region. Sollte dieser Konfliktpunkt weiter vertagt werden, könnte die geplante Vereinbarung lediglich eine temporäre Entspannung schaffen.
Märkte hoffen auf Entlastung bei Energiepreisen
An den internationalen Energiemärkten werden die Verhandlungen aufmerksam verfolgt. Eine nachhaltige Öffnung der Straße von Hormus könnte die zuletzt stark gestiegenen Risikoprämien auf Rohöl deutlich senken und den Druck auf Inflation sowie globale Lieferketten reduzieren.
Gleichzeitig bleibt die politische Lage fragil. Unterschiedliche Positionen zwischen Washington und Teheran sowie anhaltende Sicherheitsbedenken zeigen, wie unsicher der diplomatische Prozess weiterhin ist.
US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich während eines Indien-Besuchs vorsichtig optimistisch und stellte weitere Informationen in Aussicht. Ob aus der angekündigten Absichtserklärung tatsächlich ein belastbares Abkommen entsteht, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.


