Der Stuttgarter B2B-Handelskonzern TAKKT AG, zu dem unter anderem auch kaiserkraft und Ratioform gehört, ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Betroffen sind IT-Systeme der Geschäftsbereiche Industrial & Packaging in Europa und Foodservices in Nordamerika. Die Attacke beeinträchtigt insbesondere die Auftragsbearbeitung, den Kundenservice und die Warenauslieferung. Der Vorfall trifft das Unternehmen während einer wirtschaftlich schwierigen Restrukturierungsphase.
TAKKT schaltet IT-Systeme vorsorglich ab
Gestern informierte TAKKT über den Sicherheitsvorfall. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden Teile der betroffenen IT-Infrastruktur außer Betrieb genommen. Kunden können über die Onlineshops und weitere Vertriebskanäle weiterhin Bestellungen aufgeben. Deren Bearbeitung und Auslieferung sind jedoch erheblich eingeschränkt.
Ein Krisenteam untersucht gemeinsam mit externen IT-Sicherheitsexperten und Forensikern die Ursachen und arbeitet an der Wiederherstellung der Systeme.
Zur Art des Angriffs, möglichen Tätern oder einem etwaigen Datendiebstahl liegen bislang keine bestätigten Informationen vor. Auch die Dauer der Einschränkungen und mögliche finanzielle Schäden lassen sich derzeit nicht beziffern.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zwei wichtige Geschäftsbereiche betroffen
Die Störungen betreffen wesentliche Teile des internationalen Handelsgeschäfts. Industrial & Packaging vertreibt unter anderem Betriebs- und Lagereinrichtungen sowie Verpackungslösungen. Zu den Marken gehören kaiserkraft und ratioform.
Der nordamerikanische Geschäftsbereich Foodservices beliefert über Marken wie Hubert und Central insbesondere Gastronomieunternehmen und gewerbliche Großküchen.
Beide Sparten erwirtschafteten im ersten Halbjahr 2026 zusammen 358,1 Millionen Euro. Das entspricht rund 79 Prozent des damaligen Konzernumsatzes. Dieser Anteil verdeutlicht die Bedeutung der betroffenen Geschäftsbereiche, erlaubt jedoch keine Aussage darüber, welcher Umsatz tatsächlich durch den Cyberangriff gefährdet ist.
Cyberattacke trifft TAKKT in wirtschaftlich schwieriger Phase
Bereits 2025 war die Geschäftsentwicklung rückläufig. Der Konzernumsatz sank um 8,4 Prozent auf 964,3 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von 55,7 auf 19,8 Millionen Euro.
Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die schwache Entwicklung fort. Der Umsatz ging um 7,7 Prozent auf 453,8 Millionen Euro zurück. Das EBITDA halbierte sich nahezu von 16,9 auf neun Millionen Euro. Mit dem Transformationsprogramm „TAKKT Forward“ will das Management Kosten senken, Prozesse vereinfachen und die Kundenorientierung verbessern.
Die Cyberattacke könnte diese Bemühungen zusätzlich erschweren. Neben möglichen Lieferverzögerungen drohen Kosten für die technische Wiederherstellung und externe Spezialisten.
Jahresprognose bislang nicht angepasst
Für 2026 hatte TAKKT zuletzt eine organische Umsatzentwicklung zwischen minus sieben und plus drei Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von zwei bis fünf Prozent erwartet. Ob die IT-Störungen diese Prognose beeinflussen, ist offen. Eine aktualisierte Einschätzung veröffentlichte das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Angriff zunächst nicht.
Am 28. Oktober 2026 will TAKKT seine Neunmonatszahlen vorlegen. Dabei dürfte auch die Frage im Mittelpunkt stehen, wann die betroffenen Geschäftsprozesse wieder vollständig funktionieren.
Für den Konzern ist eine schnelle Wiederherstellung entscheidend. Längere Ausfälle könnten Lieferketten belasten, Kundenbeziehungen beeinträchtigen und die angestrebte wirtschaftliche Stabilisierung erschweren.


