Mit dem gestern angekündigten Start autonomer Fahrten in Zagreb beginnt für Uber eine neue Phase seiner europäischen Expansionsstrategie. Erstmals können Fahrgäste in Europa über die Uber-App ein autonomes Fahrzeug buchen. Der Dienst ist zunächst auf ausgewählte Bereiche der kroatischen Hauptstadt begrenzt und wird in der Einführungsphase noch von einem Sicherheitsfahrer begleitet. Dennoch markiert das Angebot den Übergang von Pilotprojekten hin zu einem kommerziellen Plattformmodell für autonome Mobilität.
Uber setzt auf Partner statt eigene Robotaxi-Flotte
Anders als viele Wettbewerber entwickelt Uber, das zuletzt wieder stark gewachsen ist, weder eigene autonome Fahrzeuge noch betreibt das Unternehmen selbst die Flotte. Stattdessen verteilt der Konzern die Aufgaben auf spezialisierte Partner. Pony.ai liefert die Technologie für das autonome Fahren, Verne übernimmt als Flottenbetreiber den operativen Betrieb in Zagreb und Uber stellt seine Plattform für Buchung, Bezahlung und Kundenkommunikation bereit.
Für Uber bietet dieses Modell erhebliche Vorteile. Das Unternehmen kann autonome Mobilität in sein bestehendes Netzwerk integrieren, ohne selbst Milliarden in Fahrzeugentwicklung oder Flottenaufbau investieren zu müssen. Gleichzeitig profitieren Technologieanbieter wie Pony.ai vom Zugang zu einer bereits etablierten Kundenbasis.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Plattformstrategie soll den Robotaxi-Markt skalieren
Die Kooperation folgt konsequent Ubers bisherigem Geschäftsmodell. Schon heute vermittelt das Unternehmen Fahrten, ohne die eingesetzten Fahrzeuge selbst zu besitzen. Mit mehr als 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern und Millionen vermittelter Fahrten pro Tag verfügt Uber über eine Infrastruktur, die sich künftig auch für autonome Fahrzeuge nutzen lässt.
Langfristig sollen Robotaxis als zusätzliche Fahrzeugkategorie in das bestehende Angebot integriert werden. Nach Einschätzung des Unternehmens werden autonome Fahrzeuge und klassische Fahrer jedoch noch über Jahre parallel unterwegs sein, da sich Robotaxis zunächst vor allem in klar definierten Einsatzgebieten wirtschaftlich betreiben lassen.
Mehr als 2.000 Robotaxis für Europa geplant
Der Start in Zagreb ist lediglich der Auftakt einer größeren Expansion. Uber und Pony.ai planen laut gemeinsamer Mitteilung den Einsatz von mehr als 2.000 Robotaxis in Europa. Neben Zagreb sollen mindestens vier weitere europäische Städte folgen. Darüber hinaus ist eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf den Nahen Osten vorgesehen.
Die Partner setzen dabei bewusst auf ein flexibles Betriebsmodell. Je nach Markt können unterschiedliche lokale Flottenbetreiber eingesetzt werden. Dadurch soll sich das Konzept leichter an nationale Rahmenbedingungen und verschiedene Geschäftsmodelle anpassen lassen.
Europa wird zum nächsten Wachstumsmarkt
Für Pony.ai ist Europa ein wichtiger Bestandteil der internationalen Expansion. Das Unternehmen betreibt bereits Robotaxi-Dienste in mehreren chinesischen Millionenstädten und baut seine Fahrzeugflotte kontinuierlich aus. Bis Ende 2026 soll sie auf mehr als 3.500 Robotaxis wachsen. Parallel arbeitet Pony.ai gemeinsam mit Automobilherstellern daran, die Produktionskosten der Fahrzeuge zu senken und autonome Fahrzeuge wirtschaftlich für den Serieneinsatz zu machen.
Auch regulatorisch verbessert sich das Umfeld. Die Europäische Union hat inzwischen wesentliche Grundlagen für die Zulassung automatisierter Fahrzeuge geschaffen. Gleichzeitig arbeiten zahlreiche Mitgliedstaaten daran, Genehmigungs- und Testverfahren stärker zu harmonisieren. Dennoch bleiben nationale Vorschriften entscheidend dafür, wie schnell Robotaxi-Dienste tatsächlich in weiteren Ländern starten können.
Sicherheitsfahrer bleibt vorerst an Bord
Trotz des offiziellen Marktstarts handelt es sich noch nicht um einen vollständig fahrerlosen Betrieb. In allen Fahrzeugen sitzt zunächst ein lizenzierter Operator hinter dem Steuer und überwacht den Betrieb. Erst nach erfolgreicher Erprobung soll der Übergang zu vollständig autonomen Fahrten erfolgen.
Für Uber steht deshalb weniger die Technik selbst als die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells im Mittelpunkt. Gelingt es, autonome Fahrzeuge effizient über eine bestehende Mobilitätsplattform zu vermitteln, könnte sich das Unternehmen langfristig als zentraler Marktplatz für Robotaxi-Dienste etablieren – unabhängig davon, welcher Hersteller oder Technologieanbieter die Fahrzeuge bereitstellt.





