Uber hat seine Beteiligung an Serve Robotics vollständig verkauft und beendet damit auf Anteilseignerebene eine Verbindung, die auf die frühere Übernahme von Postmates zurückgeht. Der Schritt bedeutet jedoch keinen Rückzug des Konzerns aus autonomer Mobilität. Vielmehr konzentriert Uber seine Investitionen zunehmend auf groß angelegte Robotaxi-Partnerschaften und eine breiter aufgestellte Plattformstrategie.
Serve entstand ursprünglich als Robotiksparte von Postmates und wurde nach dessen Übernahme durch Uber 2021 ausgegliedert. Uber beteiligte sich an der Finanzierung und blieb anschließend wichtiger Aktionär und kommerzieller Partner. Nach der Börsentransaktion von Serve hielt der Konzern 2023 noch rund 16 Prozent, reduzierte diese Position anschließend jedoch schrittweise.
Serve baut Abhängigkeit von Uber ab
Serve hat sich inzwischen von einer ehemaligen Postmates-Einheit zu einem eigenständigen Anbieter autonomer Lieferrobotik entwickelt. Ende 2025 waren nach Unternehmensangaben rund 2.000 Roboter in 20 Städten und sechs größeren Metropolregionen unterwegs. Das Netzwerk umfasste mehr als 4.500 Händler und Restaurants.
Parallel verbreitert Serve seine Partnerbasis. Neben Uber Eats arbeitet das Unternehmen unter anderem mit DoorDash zusammen. Durch die Übernahme von Diligent Robotics expandierte Serve 2026 zudem in die Krankenhausrobotik und erweitert damit sein Geschäft über die klassische Essenszustellung hinaus.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Unterschiedliche Interessen bei der Kundenbeziehung
Der Anteilsverkauf verdeutlicht einen grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen Vermittlungsplattformen und Betreibern autonomer Flotten. Uber möchte Fahrten und Lieferungen unterschiedlicher Anbieter über eine zentrale Plattform vermitteln und damit die digitale Schnittstelle zum Kunden kontrollieren.
Betreiber eigener Robotaxis oder Lieferroboter können dagegen ein Interesse daran haben, direkte Kundenbeziehungen aufzubauen und ihre Systeme über mehrere Plattformen anzubieten. Je größer und leistungsfähiger autonome Flotten werden, desto weniger zwingend sind ihre Betreiber auf einen einzelnen Vermittler angewiesen. Serve verfolgt mit zusätzlichen Partnern und Geschäftsfeldern zunehmend eine solche Diversifikation.
Serve muss wirtschaftliche Skalierung erreichen
Operativ wächst Serve stark, befindet sich finanziell aber weiterhin in einer frühen Phase. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,7 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 erreichten die Erlöse bereits knapp 3,0 Millionen Dollar und lagen damit 578 Prozent über dem Vorjahresquartal.
Ende März verfügte Serve über liquide Mittel von rund 197,4 Millionen Dollar, schrieb zugleich aber weiterhin erhebliche Verluste. Für die wirtschaftliche Entwicklung wird entscheidend sein, wie hoch die Auslastung der Roboter ausfällt, wie viele Lieferungen sie täglich übernehmen und zu welchen Kosten ein weitgehend autonomer Betrieb möglich ist.
Uber konzentriert Kapital auf Robotaxis
Während Uber bei Serve aussteigt, erhöht der Konzern seine Investitionen in autonome Fahrzeuge. Laut Reuters plant das Unternehmen, in den kommenden Jahren mehr als zehn Milliarden Dollar in Robotaxi-Aktivitäten zu investieren. Statt primär ein eigenes Fahrsystem zu entwickeln, setzt Uber auf Kooperationen mit Technologie- und Fahrzeuganbietern.
Zu den Partnern zählt Rivian. Uber will abhängig vom Erreichen vereinbarter technologischer Meilensteine bis zu 1,25 Milliarden Dollar investieren. Zunächst sind 10.000 autonome R2-Fahrzeuge vorgesehen, langfristig besteht eine Option auf bis zu 50.000 Einheiten. Mit Nvidia arbeitet Uber zudem an einer Plattform, die ab 2027 erste vollständig autonome Fahrzeuge in Los Angeles und San Francisco ermöglichen und bis 2028 auf 28 Städte ausgeweitet werden soll.
Autonome Flotten verändern die Plattformökonomie
Auch die Zusammenarbeit mit Waymo verdeutlicht die strategische Herausforderung. Während Fahrzeuge des Alphabet-Unternehmens in einzelnen Märkten über Uber vermittelt werden, verfolgt Waymo zugleich eigene Vertriebskanäle. Für Uber entsteht damit das Risiko, dass erfolgreiche Betreiber autonomer Flotten langfristig direkte Beziehungen zu Fahrgästen aufbauen.
Der Verkauf der Serve-Beteiligung steht damit exemplarisch für einen größeren Wandel. Autonome Flottenbetreiber kontrollieren Technologie, Fahrzeuge und zunehmend auch den Kundenzugang. Uber versucht dagegen, sich als übergeordneter Marktplatz für verschiedene Anbieter zu etablieren. Serve gewinnt durch den Ausstieg seines früheren Anteilseigners mehr Unabhängigkeit, muss zugleich aber beweisen, dass sein Robotikgeschäft auch ohne enge Bindung an Uber wirtschaftlich skalierbar ist.






