Der deutsche Onlinehandel hat im dritten Quartal 2026 deutlich an Wachstumstempo verloren. Nach neuen Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominal um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro.
Besonders stark traf die Entwicklung die asiatischen Handelsplattformen Temu, Shein und AliExpress. Nach dem Wegfall der bisherigen Zollfreigrenze für Kleinsendungen brachen ihre Umsätze in Deutschland um 35,5 Prozent ein.
Asiatische Plattformen verlieren deutlich Marktanteile
Temu, Shein und AliExpress erzielten im dritten Quartal zusammen einen Umsatz von 566 Millionen Euro. Ihr gemeinsamer Anteil am deutschen Onlinehandel sank damit auf 3,1 Prozent. Im zweiten Quartal hatte er noch 5,3 Prozent betragen.
Seit Juli 2026 gilt für Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten keine Zollfreigrenze von 150 Euro mehr. Für Kleinsendungen bis zu diesem Warenwert wird eine Pauschale von drei Euro je Warengruppe erhoben. Ab November soll zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro anfallen.
Die zusätzlichen Abgaben verteuern insbesondere niedrigpreisige Importartikel. Nach Einschätzung des bevh beeinträchtigt dies die Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Plattformen erheblich.
Deutsche Onlinehändler profitieren bislang jedoch nicht erkennbar von deren Umsatzverlusten. Vielmehr schwächt der Rückgang auch die Entwicklung des gesamten Onlinehandels.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Konsumzurückhaltung bremst das Wachstum
Die Umsatzzuwächse im E-Commerce blieben im dritten Quartal unter der für September gemeldeten Inflationsrate von 3,3 Prozent. Die bevh-Zahlen sind nicht preisbereinigt. Als Belastungsfaktoren nennt der Verband steigende Energiepreise und pessimistischere Einkommenserwartungen der Verbraucher.
Nach einer zwischenzeitlichen Erholung in der ersten Jahreshälfte zeigt sich damit erneut eine schwächere Nachfrage. Vor allem größere Anschaffungen werden offenbar häufiger verschoben.
Lebensmittel, Drogerie und Mode wachsen
Die Entwicklung der einzelnen Warengruppen fällt unterschiedlich aus. Besonders kräftig legte der Onlinehandel mit Medikamenten zu, dessen Umsatz um 15,4 Prozent stieg. Drogerieartikel verzeichneten ein Plus von 14,3 Prozent, Lebensmittel wuchsen um 9,1 Prozent.
Auch der Modehandel entwickelte sich überdurchschnittlich. Bekleidung erzielte ein Umsatzwachstum von 4,9 Prozent, Schuhe legten um 6,4 Prozent zu.
Deutlich schwächer verlief das Geschäft mit Elektronik und Telekommunikation, wo die Umsätze um 4,6 Prozent zurückgingen. Möbel, Lampen und Dekorationsartikel verloren 5,2 Prozent.
Im Unterhaltungssegment betrug der Rückgang 2,6 Prozent. Besonders betroffen waren physische und digitale Musik- und Videoprodukte mit einem Minus von 5,3 Prozent.
Online-Marktplätze wachsen stärker als Einzelshops
Unter den Vertriebsformen entwickelten sich Online-Marktplätze mit einem Umsatzplus von 5,0 Prozent am besten. Auch Hersteller und Marken, die ihre Produkte direkt an Verbraucher verkaufen, verzeichneten laut bevh weiterhin eine positive Entwicklung.
Multichannel-Händler, die stationäre Geschäfte und Onlinevertrieb kombinieren, steigerten ihre Internetumsätze um 2,5 Prozent.
Reine Online-Shops ohne Marktplatzmodell verloren dagegen 0,8 Prozent Umsatz und blieben damit erneut hinter dem Gesamtmarkt zurück.
bevh fordert strengere Marktüberwachung
Trotz der sinkenden Umsätze asiatischer Plattformen hält der Handelsverband zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen für erforderlich.
Neben den neuen Zollregelungen fordert der bevh eine konsequentere Durchsetzung bestehender Produkt- und Sicherheitsvorschriften.
Die geplante gemeinsame EU-Zollbehörde und standardisierte Produktkennzeichnungen gelten dabei als wichtige Instrumente.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass der deutsche Onlinehandel zunehmend von unterschiedlichen Entwicklungen geprägt wird: Während Waren des täglichen Bedarfs und Mode wachsen, geraten größere Anschaffungen und niedrigpreisige Direktimporte unter Druck.






