Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland zeigt sich offen für einen berufsbedingten Umzug. Laut aktueller EY-Jobstudie können sich 44 Prozent vorstellen, für einen neuen Job die Stadt oder das Bundesland zu wechseln – ein Wert, der das Rekordniveau des Vorjahres bestätigt. Damit ist die Mobilitätsbereitschaft trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten so hoch wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015.
Jüngere und Männer besonders mobil
Die Umzugsbereitschaft ist nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich stark ausgeprägt. Während sich 62 Prozent der Berufseinsteiger einen Ortswechsel vorstellen können, sind es bei Frauen insgesamt nur 36 Prozent – im Gegensatz zu 52 Prozent bei männlichen Beschäftigten. Auffällig ist jedoch der Rückgang bei den Jüngeren: Vor zwei Jahren lag der Wert noch bei 73 Prozent.
Zwischen den Branchen zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede. Besonders hoch ist die Mobilitätsbereitschaft in der Telekommunikation, im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Banken- und Versicherungswesen mit jeweils 55 Prozent. Schlusslichter sind die Gesundheitsbranche mit 35 Prozent und die Automobilindustrie, wo der Wert von 54 auf 38 Prozent gefallen ist.
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Bayern bleibt attraktivstes Ziel
Bei der Wahl des Wunschstandortes führt Bayern mit Abstand. Für 34 Prozent der Befragten ist ein Umzug in den Freistaat bei entsprechendem Jobangebot denkbar. Hamburg (27 Prozent) und Baden-Württemberg (24 Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Nordrhein-Westfalen fällt mit 18 Prozent aus den Top 3 heraus und liegt gleichauf mit Berlin.
Je nach Branche variieren die bevorzugten Umzugsziele. In der Automobilindustrie hat Bayern mit 60 Prozent klar die Nase vorn. Im Gesundheitswesen und Maschinenbau liegt Baden-Württemberg vorn, im Handel punktet Hamburg. Die Auswahl zeigt, dass Mobilität nicht nur von industrieller Stärke, sondern zunehmend auch von Lebensqualität und Zukunftsperspektiven getrieben wird.
Homeoffice bleibt zentral – Rückkehrpflicht umstritten
Ein bedeutender Faktor bei der Jobwahl ist weiterhin die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Für 48 Prozent der Beschäftigten ist diese Option wichtig – mehr als noch im Vorjahr. Gleichzeitig berichten 18 Prozent, dass ihr Arbeitgeber die Heimarbeit einschränken will oder dies bereits getan hat. Im Öffentlichen Dienst ist dieser Anteil mit 21 Prozent etwas höher als in der Privatwirtschaft (17 Prozent).
EY-Expertin Nicole Dietl betont: „Viele Beschäftigte wünschen sich nicht das komplette Arbeiten von zuhause, sondern ein ausgewogenes hybrides Modell. Arbeitgeber sollten diese Flexibilität als Chance sehen, um Talente zu gewinnen und zu halten.“
Die Studienergebnisse zeigen: Die Bereitschaft zum Wechsel – räumlich wie beruflich – ist in Deutschland ausgeprägt. Unternehmen, die auf flexible Arbeitsbedingungen und attraktive Standorte setzen, verschaffen sich entscheidende Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte.


