Im Tarifkonflikt des Einzelhandels in Berlin und Brandenburg erhöht ver.di den Druck auf die Arbeitgeber. Die Gewerkschaft ruft Beschäftigte für den 1. und 2. Oktober zu einem zweitägigen Streik auf. Hintergrund sind die noch offenen Tarifverhandlungen in der Region, die am 9. Oktober fortgesetzt werden sollen. Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Partei Die Linke, soll an der Streikkundgebung am 1. Oktober in Berlin teilnehmen, wie die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung bekanntgibt.
ver.di fordert Übernahme des NRW-Abschlusses
In mehreren anderen Tarifgebieten wurden bereits Abschlüsse erzielt. Nordrhein-Westfalen hatte am 26. August den Auftakt gemacht. Dort steigen die Vergütungen nach drei Nullmonaten zunächst um drei Prozent und ab Mai 2027 um weitere zwei Prozent. Zugleich wurden tarifliche Mindeststundenlöhne von 14,20 Euro ab August 2026 und 14,90 Euro ab Mai 2027 vereinbart.
ver.di fordert für Berlin und Brandenburg, diese Ergebnisse vollständig zu übernehmen und regionale Besonderheiten zusätzlich zu berücksichtigen. Für das Tarifgebiet hatte die Gewerkschaft bereits zuvor unter anderem eine tabellenwirksame Erhöhung um sieben Prozent beziehungsweise mindestens 222 Euro sowie eine Anhebung unterer Entgeltgruppen auf 14,90 Euro verlangt.
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Streitpunkt bleibt der Mindeststundenlohn
Besonders wichtig ist ver.di, dass durch bestehende Ausnahmeregelungen kein Beschäftigter unter das angestrebte Niveau fällt. Die Gewerkschaft bezeichnet 14,90 Euro pro Stunde als entscheidende Untergrenze für den Einstieg in den Einzelhandel.
Auch in Nordrhein-Westfalen ist eine solche Untergrenze Teil des Abschlusses. Für Berlin und Brandenburg sieht ver.di deshalb keinen Spielraum für einen niedrigeren Wert.
Später Tarifstart belastet Beschäftigte in der Region
Ein weiterer Konfliktpunkt ist der zeitliche Versatz der Tarifrunden. In Berlin und Brandenburg beginnen die Verhandlungen später als in mehreren anderen Regionen, wodurch auch vereinbarte Entgelterhöhungen entsprechend später wirksam werden.
Bereits in den ursprünglichen Forderungen hatte ver.di deshalb für Brandenburg eine kürzere Laufzeit vorgesehen, um den Abstand zu anderen Tarifgebieten zu verringern. Auch für Berlin soll die Laufzeit weiter verkürzt werden.
Nächste Verhandlungsrunde am 9. Oktober
Mit dem zweitägigen Ausstand unmittelbar vor der nächsten Gesprächsrunde will ver.di den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen. Der nächste Verhandlungstermin für Berlin und Brandenburg ist für den 9. Oktober angesetzt.
Im Zentrum steht damit weniger ein grundsätzlich neuer Forderungskatalog als die Frage, in welchem Umfang bereits erzielte Abschlüsse auf Berlin und Brandenburg übertragen werden und wie regionale Besonderheiten bei Mindestlohn und Laufzeit berücksichtigt werden.



