Die Gewerkschaft Ver.di intensiviert ihren Arbeitskampf beim Re-Commerce-Anbieter Momox in Leipzig. Für Montag und Dienstag hat Ver.di die Belegschaft zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen. Ziel ist die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Wie Textilwirtschaft berichtet, kündigte Ver.di-Gewerkschaftssekretär Ronny Streich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur eine hohe Beteiligung an, ohne sich zunächst auf konkrete Zahlen festzulegen. Bereits in der Vergangenheit hatte Ver.di kritisiert, dass die Beschäftigten bei Momox unter hohem Arbeitsdruck stünden, insbesondere in der Hochsaison rund um die Black Week und das Weihnachtsgeschäft. Die Forderung nach Tarifbindung sei auch ein Ausdruck gegen zunehmende Überstunden, steigende Krankenstände und geringe Löhne, so die Gewerkschaft.
Kritik an Arbeitsbedingungen und prekärer Beschäftigung
Laut Ver.di arbeiten in der Leipziger Niederlassung zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Iran und Venezuela. Diese seien besonders von prekären Arbeitsbedingungen betroffen. „Arbeitshetze trifft auf Existenzängste“, heißt es seitens der Gewerkschaft. Durch befristete Verträge und unsichere Perspektiven wachse der Druck, da ein Arbeitsplatzverlust für einige Beschäftigte auch den Verlust ihres Aufenthaltsstatus bedeuten könnte.
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Momox weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen reagierte bereits Anfang Dezember auf die Kritik und wies die Vorwürfe zurück. Mit einem Stundenlohn von 14,50 Euro liege die Bezahlung deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro. Zudem habe die durchschnittliche jährliche Lohnsteigerung in den vergangenen zehn Jahren bei 7,7 Prozent gelegen – also über der Inflationsrate.
Momox betonte zudem, Offenheit und Inklusion seien zentrale Werte des Unternehmens. Man biete gezielt Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit geringen Sprachkenntnissen oder ohne formale Ausbildung. Sprecherin Ariane Grebing erklärte, man nehme gesellschaftspolitische Verantwortung als Arbeitgeber wahr und unterstütze Mitarbeitende aktiv bei der Integration.
Den aktuellen Streik bewertet das Unternehmen gelassen: Man respektiere das Streikrecht als demokratisches Grundrecht, sehe aber die Auswirkungen vergangener Streiks als gering an.


