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Drohnenangriffe setzen Russlands Online-Riesen Wildberries unter Druck

Startseite des russischen Online Shop Wildberries
Foto: Screenshot wildberries.ru

Key takeaways

Wiederholte Drohnenangriffe auf das "Amazon von Russland" treffen zunehmend die russische Handelslogistik. Zerstörte Lagerkapazitäten, Warenverluste und steigende Kosten belasten Händler und Verbraucher belasten und den E-Commerce des Landes strukturell schwächen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf den russischen Online-Marktplatz Wildberries entwickeln sich zu einem erheblichen Risiko für die Handelslogistik des Landes. Seit Mitte Juli wurden wiederholt Verteilzentren getroffen. Anfang August berichteten Medien bereits von mehr als 20 angegriffenen Lagern. Schätzungen zufolge beträgt der ausgefallene oder zerstörte Anteil der Lagerkapazität zuletzt annähernd 30 Prozent.

Damit verlagern sich die wirtschaftlichen Folgen des Krieges stärker in den russischen Konsumsektor. Während ukrainische Angriffe bislang vor allem Energie- und Industrieanlagen trafen, erreichen Störungen bei Wildberries unmittelbar Händler, Banken und Verbraucher.

Wildberries besitzt systemische Bedeutung

Wildberries hat sich seit seiner Gründung 2004 zu einem landesweiten Handels- und Logistiknetz entwickelt. Nach dem Zusammenschluss mit dem Außenwerbekonzern Russ wird das operative Geschäft in der gemeinsamen Gesellschaft RWB beziehungsweise RVB gebündelt.

Für 2025 meldete die Gruppe ein Bruttowarenvolumen von 6,1 Billionen Rubel und einen Nettogewinn von 175 Milliarden Rubel. Mehr als 200 Logistikobjekte verfügten zusammen über 5,2 Millionen Quadratmeter Fläche. Rund 310 Milliarden Rubel flossen im vergangenen Jahr vor allem in Logistik und IT.

Die Angriffe treffen deshalb nicht nur Wildberries. Tausende Händler lagern ihre Waren in den Zentren und nutzen die Plattform in Amazon-Manier für Versand und Auslieferung. Wird ein Standort zerstört, können gleichzeitig Bestände zahlreicher Unternehmen verloren gehen.

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Warenverluste können zu Kreditrisiken werden

Für kleinere Händler sind solche Schäden besonders gefährlich. Viele finanzieren ihre Warenbestände vor und müssen Kredite, Personal- und Betriebskosten unabhängig davon bedienen, ob die Produkte später verkauft werden können.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch den Versicherungsschutz. Reuters Breakingviews zufolge ist Wildberries nicht gegen entsprechende Terrorismusschäden versichert. Betroffene Händler sollen sich bereits an Banken gewandt haben, um Finanzierungen anzupassen. Damit können physische Warenverluste auch zu Kreditrisiken werden.

Wildberries selbst verfügt ebenfalls über erhebliche Finanzverpflichtungen. Russische Medien bezifferten die Gesamtverschuldung Ende 2025 auf möglicherweise rund 1,3 Billionen Rubel. Eine unmittelbar drohende Zahlungsunfähigkeit lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dem stehen hohe Umsätze und Gewinne gegenüber.

Logistikzentren werden zur strategischen Schwachstelle

Die Ukraine begründet Angriffe auf entsprechende Infrastruktur unter anderem mit deren militärischer beziehungsweise Dual-Use-Nutzung. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, getroffene Logistikstandorte seien für sanktionierte Komponenten zur Drohnenproduktion und Navigationstechnik genutzt worden. Wildberries bestreitet eine Unterstützung der russischen Kriegsführung.

Unabhängig davon zeigen die Attacken die Verwundbarkeit zentralisierter Handelslogistik. Große Fulfillment-Zentren senken im Normalbetrieb die Kosten, konzentrieren aber Waren zahlreicher Händler an wenigen Standorten. Nach den ersten Angriffen waren bereits rund 444.000 Quadratmeter Lagerfläche zeitweise oder dauerhaft ausgefallen.

Hinzu kommt die geografische Reichweite der Drohnen. Angriffe wurden aus zahlreichen russischen Regionen gemeldet. Ein getroffenes Ziel in der Region Perm lag rund 1.400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Ein landesweites Logistiknetz vollständig zu schützen, dürfte entsprechend schwierig sein.

Zusätzliche Kosten könnten Verbraucher erreichen

Wiederholte Schäden erhöhen die Kosten für Ersatzlager, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und die Umleitung von Warenströmen. Händler müssen zerstörte Bestände ersetzen und gegebenenfalls alternative Logistikwege nutzen. Ein Teil dieser Belastungen könnte über höhere Preise an Verbraucher weitergegeben werden.

Ein messbarer Wildberries-Effekt auf die russische Inflation ist bislang allerdings nicht erkennbar. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise gegenüber Juni um 0,54 Prozent, während die Jahresinflation leicht auf 5,98 Prozent zurückging. Ende Juli senkte die Zentralbank den Leitzins lediglich um 0,25 Prozentpunkte auf weiterhin hohe 14 Prozent.

Sollten die Angriffe anhalten, könnte sich die Belastung dennoch ausweiten. Entscheidend ist weniger eine kurzfristige Insolvenz von Wildberries als die Frage, wie lange Plattform, Händler und Banken wiederkehrende Warenverluste, zusätzliche Investitionen und Unterbrechungen der Lieferketten auffangen können.

Die Attacken zeigen damit, dass der Krieg zunehmend Russlands alltägliche Konsumwirtschaft erreicht. Aus einzelnen Schäden an Logistikzentren könnte bei fortgesetzten Angriffen ein strukturelles Problem für den russischen E-Commerce entstehen.

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