Menschen in Deutschland überschätzen den Anteil chinesischer Direktinvestitionen erheblich. Laut einer gemeinsamen Studie von ZEW Mannheim, Paris School of Economics, Stone Center on Socio-Economic Inequality und DIW Berlin gehen die Befragten im Durchschnitt davon aus, dass chinesische Investoren 33 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland stellen. Tatsächlich lag der Anteil in den vergangenen Jahren bei rund einem Prozent.
Die Fehleinschätzung lässt sich durch sachliche Informationen korrigieren. Die grundsätzliche Präferenz für europäische oder US-amerikanische Investoren verändert sich dadurch jedoch kaum. Die Autoren schließen daraus, dass die Skepsis nicht allein auf einer falschen Wahrnehmung der wirtschaftlichen Bedeutung Chinas beruht.
Chinesische Investoren müssen stärkere Vorteile bieten
In einem Experiment wurden chinesische Investitionsangebote bei ansonsten identischen Merkmalen rund 40 Prozentpunkte seltener gewählt als Angebote aus anderen EU-Staaten. Gegenüber US-Investoren lag der Abstand bei etwa 20 Prozentpunkten.
Besonders deutlich wird diese Präferenz bei Unternehmensübernahmen. Sollte ein europäischer oder US-amerikanischer Käufer 250 von 500 Arbeitsplätzen sichern, musste ein chinesischer Investor durchschnittlich rund 350 Stellen erhalten, damit beide Angebote als ähnlich attraktiv galten.
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Politische Unabhängigkeit wiegt stärker als wirtschaftlicher Nutzen
64,2 Prozent der Befragten sehen chinesische Direktinvestitionen als nachteilig für die politische Unabhängigkeit Deutschlands. Beim allgemeinen wirtschaftlichen Nutzen fällt die Skepsis mit 44,2 Prozent deutlich geringer aus.
Zusätzliche Vorbehalte bestehen gegenüber staatseigenen chinesischen Unternehmen. Diese wurden im Experiment kritischer bewertet als private chinesische Investoren. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Informationsgruppen waren dabei nicht signifikant.
Fakten verbessern einzelne Bewertungen, nicht die Grundhaltung
Wenn Teilnehmer über den tatsächlichen Umfang chinesischer Investitionen informiert wurden, bewerteten sie deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Innovation anschließend weniger skeptisch. Auch Informationen über mögliche wirtschaftliche Vorteile führten zu einer etwas positiveren Wahrnehmung.
Die Bereitschaft, chinesische Investoren gegenüber westlichen Alternativen zu bevorzugen, stieg dadurch jedoch nicht. Damit trennt die Studie zwischen korrigierbaren Fehleinschätzungen und tiefer verankerten Präferenzen gegenüber Investoren unterschiedlicher Herkunft.
Studie basiert auf mehr als 2.300 Befragten
Grundlage ist ein vorab registriertes Befragungsexperiment innerhalb der Innovationsstichprobe des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2023. Befragt wurden 2.365 Erwachsene aus 1.738 Haushalten.
Die Teilnehmer bewerteten unter anderem die Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf Beschäftigung und Innovation und entschieden zwischen hypothetischen Investitionsangeboten. Variiert wurden Herkunft, staatliches oder privates Eigentum sowie die angestrebte Beteiligungshöhe.


