Anthropic hat in einer Series-G-Finanzierungsrunde 30 Milliarden US-Dollar (rund 28 Milliarden Euro) eingesammelt und wird nun mit 380 Milliarden Dollar (rund 355 Milliarden Euro) bewertet. Bereits Anfang der Woche war laut Medienberichten von „nur“ 20 Milliarden US-Dollar die Rede. Die nun bestätigte Runde wurde von GIC und Coatue angeführt, während D. E. Shaw Ventures, Dragoneer, Founders Fund, ICONIQ und MGX als Co-Lead fungierten. Das Kapital soll den weiteren Ausbau von Forschung, Infrastruktur und Produktentwicklung ermöglichen, mit denen Anthropic seine Position im Markt für Enterprise-KI und Coding-Lösungen festigen will.
Wachstum auf Rekordniveau
Die Investorenseite war laut Anthropic breit aufgestellt: Unter den weiteren Kapitalgebern finden sich Accel, Addition, Alpha Wave Global, Altimeter, AMP PBC, Appaloosa LP, Baillie Gifford, Bessemer Venture Partners, verschiedene BlackRock-nahe Fonds, Blackstone, D1 Capital Partners, Fidelity, General Catalyst, Greenoaks, Growth Equity at Goldman Sachs Alternatives, Insight Partners, Jane Street, JPMorganChase über das Security and Resiliency Initiative und Growth Equity Partners, Lightspeed, Menlo Ventures, Morgan Stanley Investment Management, NX1 Capital, QIA, Sands Capital, Sequoia, Temasek, TowerBrook, TPG, Whale Rock sowie XN. Zudem enthält die Runde einen Teil der bereits zuvor angekündigten Investitionen von Microsoft und NVIDIA.
Laut Krishna Rao, CFO von Anthropic, bestätigt die Finanzierung die steigende Bedeutung von Claude als geschäftskritisches Werkzeug in Unternehmen. Erst vor weniger als drei Jahren erzielte Anthropic die ersten Umsätze, heute liegt die run-rate bei 14 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) und steigert sich jährlich im zweistelligen Multiplikator. Besonders eindrücklich: Die Zahl der Unternehmenskunden, die jährlich mehr als 100.000 Dollar Umsatz generieren, hat sich im vergangenen Jahr versiebenfacht. Von den Fortune-10-Unternehmen nutzen inzwischen acht Claude-Produkte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Claude Code treibt neue Nutzungsszenarien
Einen wesentlichen Wachstumsmotor bildet Claude Code, das seit Mai 2025 öffentlich verfügbar ist und ein neues Zeitalter agentischer Programmierung einläuten soll. Die zugehörige run-rate ist inzwischen auf 2,5 Milliarden Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) gestiegen – doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Schätzungen zufolge stammen mittlerweile vier Prozent aller öffentlichen GitHub-Commits weltweit von Claude Code, eine Verdopplung innerhalb eines Monats.
Auch die Unternehmensnutzung zieht stark an: Seit Jahresbeginn haben sich die Business-Abonnements vervierfacht, und inzwischen kommt mehr als die Hälfte des Claude-Code-Umsatzes aus dem Enterprise-Segment. Die Fähigkeiten, die Claude beim Programmieren zeigt, übertragen sich zunehmend auf neue Tätigkeitsfelder wie Finanzanalyse, Cybersecurity, Sales-Workflows oder wissenschaftliche Forschung. Im Januar führte Anthropic mehr als 30 neue Produkte und Funktionen ein, darunter „Cowork“, eine Erweiterung, die Claude-Code-Technologie auf allgemeine Wissensarbeit überträgt. Cowork umfasst elf Open-Source-Plugins für spezielle Unternehmensrollen wie Vertrieb, Recht oder Finanzwesen. Zudem wurde die Reichweite auf den Gesundheitsbereich erweitert, indem Claude for Enterprise nun auch für Organisationen verfügbar ist, die unter HIPAA-Regularien arbeiten.
Die Investoren sehen darin einen wichtigen Baustein für die Marktführerschaft. Coatue-Gründer Philippe Laffont betont die Geschwindigkeit, mit der Anthropic agentische KI und Enterprise-Anwendungen skaliert, während GIC-Chief-Investment-Officer Choo Yong Cheen Anthropic als klaren Kategorieführer im Bereich sicherer und leistungsfähiger KI-Systeme einordnet.
Ausbau der Infrastruktur und technologische Führung
Anthropic stellt zudem weitere Fortschritte im Modellbereich heraus. Das jüngste Spitzenmodell Opus 4.6 soll KI-Agenten ermöglichen, komplexe Aufgaben vollständig zu übernehmen – inklusive dem Erstellen professioneller Dokumente, Tabellen und Präsentationen. Es führt laut Unternehmen die Benchmarks für ökonomisch relevante Wissensarbeit an, darunter das GDPval-AA.
Auch die technische Bereitstellung wird ausgebaut: Claude bleibt der einzige Frontier-KI-Dienst, der auf allen drei global großen Cloudplattformen verfügbar ist – AWS (Bedrock), Google Cloud (Vertex AI) und Microsoft Azure (Foundry). Das Training erfolgt über eine diversifizierte Chipinfrastruktur, darunter AWS Trainium, Google TPUs und NVIDIA-GPUs. Durch die Auswahl der jeweils passenden Hardware sollen Performance und Resilienz für Unternehmenskunden gesteigert werden. Die hohe Nachfrage aus Unternehmen und Entwicklerkreisen belegt aus Sicht von Anthropic, dass KI zunehmend in zentralen Geschäftsprozessen verankert wird.
Das Unternehmen kündigt an, die neuen Mittel zu nutzen, um Forschung, Produktentwicklung und strategische Partnerschaften weiter auszubauen und Claude als führende Plattform für produktive KI in Unternehmen zu etablieren.


