ASOS hat sein Geschäftsjahr 2026 mit einer deutlichen Verbesserung der Profitabilität abgeschlossen. Der britische Online-Modehändler erwartet für das Gesamtjahr laut Investorenmitteilung eine bereinigte Bruttomarge von mehr als 50 Prozent und damit einen Wert oberhalb der bisherigen Prognosespanne von 48 bis 50 Prozent. Auch das bereinigte EBITDA soll über der Mitte der zuvor ausgegebenen Spanne von 150 bis 180 Millionen Pfund liegen.
Operativ erreichte ASOS im vierten Quartal erstmals wieder ein Wachstum des Bruttowarenvolumens. Die GMV-Entwicklung verbesserte sich im Jahresverlauf von Quartal zu Quartal und lag im vierten Quartal im niedrigen einstelligen Plus. Auf Gesamtjahressicht sank das GMV dennoch um 5 Prozent.
Deutschland wächst in der zweiten Jahreshälfte
Besonders wichtig für ASOS ist die Entwicklung in den Kernmärkten. In Großbritannien und Deutschland erzielte das Unternehmen in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres wieder positives GMV-Wachstum. In den USA gelang dies im vierten Quartal.
Auch die Kundenentwicklung stabilisierte sich. Zum Jahresende zählte ASOS 16,4 Millionen aktive Kunden nach 16,5 Millionen zur Jahresmitte. Sowohl Großbritannien als auch Deutschland verzeichneten gegenüber dem Halbjahresende wieder Zuwächse. Die Zahl der Kunden im vierten Quartal lag zudem über dem dritten Quartal – erstmals seit dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2022.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Womenswear und Partnermarken treiben Wachstum
Die Kategorie Womenswear entwickelte sich besonders stark. Das GMV stieg im Gesamtjahr um 3 Prozent und beschleunigte sich in der zweiten Jahreshälfte auf ein Plus von 8 Prozent.
Getragen wurde die Entwicklung sowohl von Partnermarken als auch von wichtigen Eigenmarken. ASOS nennt dabei unter anderem Topshop, Arrange und 4505. Gleichzeitig hat der Händler sein Partnerportfolio geschärft und netto rund 30 neue Marken aufgenommen.
Parallel wächst die Bedeutung flexibler Fulfilment-Modelle. ASOS Fulfilment Services und Partner Fulfils erreichten zusammen 21 Prozent des GMV der Partnermarken und legten damit im Jahresvergleich um mehr als 10 Prozentpunkte zu.
Bruttomarge steigt auf mehr als 50 Prozent
Die bereinigte Bruttomarge von mehr als 50 Prozent liegt nicht nur über der Jahresprognose, sondern auch über dem mittelfristigen Ziel des Unternehmens. ASOS führt die Verbesserung auf günstigere Beschaffung, einen höheren Anteil zum Vollpreis verkaufter Ware und den Ausbau flexibler Fulfilment-Modelle zurück.
Das bereinigte EBITDA legte gegenüber dem Vorjahr um mehr als 25 Prozent zu. Neben der höheren Bruttomarge trugen eine niedrigere Retourenquote und anhaltende Kostendisziplin dazu bei. Einen Teil der Effizienzgewinne investierte ASOS wieder in Wachstum, unter anderem durch höhere Marketingausgaben.
KI und App-Optimierung sollen Conversion steigern
Auch die digitale Shopping-Erfahrung wurde weiter ausgebaut. ASOS hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Verbesserungen innerhalb seiner App eingeführt. Nutzer, die mit den neuen Funktionen interagierten, erzielten ein deutlich höheres Umsatzwachstum pro Kunde als die übrige iOS-Nutzerbasis.
Zudem setzt das Unternehmen verstärkt auf KI-gestützte Personalisierung. Empfehlungen innerhalb der Suche sollen deutlich höhere Conversion-Raten erzielen als klassische Customer Journeys. Gleichzeitig wurde der digitale Produkt-Content überarbeitet, um das Einkaufserlebnis über verschiedene Märkte hinweg konsistenter zu gestalten.
Logistikkosten sinken und Verschuldung geht zurück
ASOS konnte die Kosten der Lieferkette im Jahresvergleich um mehr als 130 Basispunkte senken. Dazu trugen neue Carrier-Verträge in Großbritannien und Europa, zusätzliche Automatisierung im Berliner Lager sowie die Verlagerung des US-Fulfilments nach Barnsley bei.
Der Verkauf der Fulfilment-Zentren in Lichfield und Atlanta brachte rund 116 Millionen Pfund ein und soll jährlich etwa 12 Millionen Pfund an Cash-Kosten einsparen. Die Nettoverschuldung sank zum 30. August 2026 auf rund 110 Millionen Pfund nach 184,7 Millionen Pfund im Vorjahr.
Die vollständigen Jahresergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 will ASOS am 5. November vorlegen. Das Unternehmen sieht sich nach mehreren Jahren der Restrukturierung an einem Wendepunkt und will nun wieder auf nachhaltiges und profitables Wachstum setzen.





