Ein Cyberangriff auf einen externen Logistikpartner hat die Abläufe beim niederländischen Multichannel Department-Stores De Bijenkorf, das zur Selfridges-Gruppe gehört, erheblich beeinträchtigt. Insbesondere die Abwicklung von Online-Bestellungen, Retouren und Rückerstattungen ist derzeit gestört, während die Verkaufsplattformen weiterhin stabil funktionieren.
Störungen in der Logistikabwicklung
Wie das belgische Online-Newsportal Retail Detail berichtet, verschafften sich nach Unternehmensangaben mehrere Unbefugte Zugang zu Teilen der IT-Systeme des Logistikdienstleisters. In der Folge kam es zu Verzögerungen bei Lieferungen sowie bei der Bearbeitung von Rücksendungen und Rückzahlungen. Die stationären Filialen, der Webshop und die mobile App bleiben dagegen uneingeschränkt nutzbar.
Zur Eindämmung des Vorfalls wurden betroffene Systeme abgesichert und externe Cybersecurity-Experten eingeschaltet. Auch wenn offiziell von einem Sicherheitsvorfall gesprochen wird, deuten Umfang und Reaktion auf eine gezielte Cyberattacke hin.
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Untersuchung möglicher Datenzugriffe
Ob personenbezogene Kundendaten betroffen sind, ist derzeit noch unklar. De Bijenkorf hat vorsorglich betroffene Kunden informiert und den Vorfall gemäß Datenschutzvorgaben bei der zuständigen Aufsichtsbehörde gemeldet.
Ein unabhängiges forensisches Team untersucht aktuell, wie der Angriff erfolgen konnte, welche Systeme betroffen sind und ob Daten abgeflossen sind. Sollte sich ein Datenleck bestätigen, will das Unternehmen weitere Maßnahmen ergreifen und Betroffene gezielt informieren.
Supply-Chain-Angriffe als wachsendes Risiko
Der Vorfall verdeutlicht ein zunehmendes Risiko im Handel: Cyberangriffe auf die Lieferkette. Statt direkt Händler anzugreifen, zielen Cyberkriminelle verstärkt auf Dienstleister wie Logistik- oder IT-Partner, die Zugriff auf kritische Systeme haben. Solche sogenannten Supply-Chain-Angriffe können erhebliche operative Folgen haben und ganze Prozessketten unterbrechen.
Für Händler bedeutet dies, dass nicht nur die eigene IT-Sicherheit entscheidend ist, sondern auch die Sicherheitsstandards externer Partner. Entsprechend gewinnen kontinuierliches Monitoring, strenge Sicherheitsanforderungen und klar definierte Notfallprozesse an Bedeutung.
Logistik als kritischer Bestandteil der Omnichannel-Strategie
Die aktuellen Störungen betreffen einen zentralen Bestandteil der Geschäftsstrategie von De Bijenkorf. Das Unternehmen steuert sowohl seine stationären Häuser als auch den Onlinehandel über ein integriertes Logistiknetzwerk mit zentralem Distributionszentrum und externen Partnern.
Diese enge Verzahnung erhöht zwar Effizienz und Geschwindigkeit, macht das System jedoch anfälliger für Störungen bei einzelnen Dienstleistern. Entsprechend können Cybervorfälle in der Logistik unmittelbare Auswirkungen auf die gesamte Customer Journey haben.
Cyberangriffe im Handel nehmen zu
Der Fall reiht sich in eine wachsende Zahl von Cyberangriffen im Einzelhandel ein. Mit der zunehmenden Digitalisierung, vernetzten Lieferketten und datengetriebenen Geschäftsmodellen steigt die Angriffsfläche für Cyberkriminelle erheblich.
Neben finanziellen Schäden drohen Imageverluste, rechtliche Konsequenzen und langfristige Vertrauensverluste, wie beispielsweise der besonders schwere Fall des Daten-Leaks bei Coupang zeigte. Besonders kritisch sind Angriffe, die operative Prozesse lahmlegen oder sensible Daten betreffen. Branchenexperten warnen daher, dass Cybersecurity längst zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor im Handel geworden ist.
Der jüngste Vorfall bei De Bijenkorf zeigt, wie eng operative Stabilität und IT-Sicherheit miteinander verknüpft sind – und wie wichtig es ist, auch externe Partner in umfassende Sicherheitsstrategien einzubeziehen.




