Trotz klarer Zielbilder gelingt es vielen Unternehmen noch nicht, ihre Lieferketten digital durchgängig zu gestalten. Das geht aus dem aktuellen SupplyX-Barometer hervor, für das 150 Logistikverantwortliche befragt wurden. Während 82 Prozent die Digitalisierung als unumgänglich ansehen, haben bislang nur 9 Prozent vollständig digital integrierte Prozesse etabliert. Der Großteil befindet sich weiterhin in der Umsetzungsphase – mit zahlreichen Hürden.
Standardprobleme und hohe Einstiegshürden bremsen den Fortschritt
Besonders die technischen und organisatorischen Herausforderungen erschweren die digitale Transformation. Hohe Implementierungskosten, fehlende Interoperabilität bestehender Systeme und wachsende Anforderungen an Datenschutz und Cybersecurity zählen zu den meistgenannten Gründen. Dazu kommt das Fehlen einheitlicher IT-Standards, was zu einer Fragmentierung von Systemen und Medienbrüchen führt.
„Die meisten Unternehmen wissen, wohin sie wollen – aber nicht, wie sie dorthin kommen“, sagt Jörn von der Fecht, Chief Digital Officer bei SupplyX. Das Hauptproblem sei, dass isolierte Anwendungen kaum miteinander kommunizieren, wodurch Effizienzpotenziale ungenutzt bleiben.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Erfolgreiche Beispiele in Lager und Bedarfsplanung
Dort, wo Unternehmen bereits digitale Werkzeuge einsetzen, zeigen sich greifbare Effekte. 61 Prozent berichten von Effizienzsteigerungen im Lager- und Bestandsmanagement, bei mittleren Unternehmen sogar 75 Prozent. Auch in der Bedarfs- und Prognoseplanung konnten 48 Prozent positive Ergebnisse erzielen, in mittelständischen Betrieben sind es sogar 67 Prozent.
Die Transportoptimierung ist ein weiteres Feld mit erkennbarem Nutzen: 38 Prozent der befragten Unternehmen geben an, durch Digitalisierung messbare Verbesserungen in der Routenplanung erreicht zu haben.
Investitionsbereitschaft vorhanden – aber nicht flächendeckend
48 Prozent der Befragten planen Investitionen in automatisierte Lagerprozesse, weitere 43 Prozent wollen Plattformlösungen zur digitalen Partnerintegration einführen. Ein Drittel der Unternehmen sieht Potenzial im Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Dennoch gaben 27 Prozent an, derzeit keine konkreten Digitalisierungsmaßnahmen zu verfolgen. Für SupplyX-Manager von der Fecht ist das ein Warnsignal: Wer jetzt nicht investiere, werde mittelfristig abgehängt.
Echtzeitdaten und Vernetzung als nächste Entwicklungsstufe
Zunehmend an Bedeutung gewinnt der Zugriff auf Echtzeitinformationen. Fast die Hälfte der Befragten betrachtet Echtzeitsysteme als unerlässlich für die Steuerung ihrer Lieferketten. Besonders mittelständische Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden zeigen sich hier deutlich entschlossener – 92 Prozent sehen Echtzeitdaten als zentralen Erfolgsfaktor.
Doch nur 41 Prozent sind derzeit digital mit Kunden und Partnern vernetzt. Von der Fecht betont: „Die wahre Stärke digitaler Lieferketten liegt in der nahtlosen Vernetzung – innerhalb des Unternehmens und über Unternehmensgrenzen hinweg.“ Nur so lasse sich die Reaktionsgeschwindigkeit erreichen, die volatile Märkte erfordern.


