Mit der heutigen Unterzeichnung eines umfassenden Partnerschafts- und Handelsabkommens haben die EU und die Mercosur-Staaten einen historischen Schritt vollzogen. Die Vereinbarung schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt mit einem Markt von rund 700 Millionen Menschen und markiert eine neue Ära der wirtschaftlichen, politischen und geopolitischen Zusammenarbeit.
Umfangreiche Handelsvorteile für europäische Unternehmen
Die Europäische Kommission erwartet durch das Abkommen, für das Anfang Januar nach jahrelangem Ringen mehrheitlich abgestimmt wurde, einen Zuwachs der EU-Ausfuhren nach Mercosur um rund 39 % – ein Plus von etwa 49 Milliarden Euro jährlich. Europäische Unternehmen profitieren künftig von reduzierten Zöllen auf Industrie- und Agrargüter sowie von besseren Rahmenbedingungen für Investitionen in zentrale Lieferketten. Besonders Produkte wie Autos, Maschinen, Arzneimittel, Wein, Spirituosen oder Käse werden durch den Wegfall von Zöllen wettbewerbsfähiger.
Die Vereinbarung sieht auch Schutzmaßnahmen für sensible europäische Agrarsektoren vor. Neben Tarifkontingenten und Schutzklauseln umfasst das Abkommen schärfere Kontrollen an den Außengrenzen, etwa bei Tierwohl oder Pflanzenschutzmitteln. Für den Fall von Marktverwerfungen steht ab 2028 ein mit 6,3 Milliarden Euro ausgestatteter Fonds bereit.
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Gemeinsame Werte als Fundament der Partnerschaft
In Zeiten globaler Unsicherheiten setzt das Abkommen ein bewusstes Signal für Multilateralismus und regelbasierten Handel. Beide Regionen verpflichten sich zu ambitionierten Nachhaltigkeitszielen, darunter zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und zur Förderung fairer Arbeitsbedingungen. Handel soll dabei als Instrument für die grüne und digitale Transformation dienen.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hob in ihrer Rede in Asunción die geopolitische Bedeutung der Vereinbarung hervor. Die Partnerschaft ermögliche nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern stärke auch den politischen Einfluss beider Regionen auf globaler Ebene.
Mit der Unterzeichnung beginnt nun der Ratifizierungsprozess: Während das Interimsabkommen (ITA) lediglich EU-intern abgestimmt wird, bedarf das umfassendere Partnerschaftsabkommen (EMPA) zusätzlich der Zustimmung aller EU-Mitgliedstaaten.


